Spuren der Nacht: Freunde des Kräuterschnapses waren offensichtlich in der Nacht zu Mittwoch zu Gast im Rosengarten. - © Thorsten Gödecker
Spuren der Nacht: Freunde des Kräuterschnapses waren offensichtlich in der Nacht zu Mittwoch zu Gast im Rosengarten. | © Thorsten Gödecker

Bad Oeynhausen Nächtliche Zerstörungswut im Kurpark

Staatsbad: Betriebsleiter Dirk Henschel berichtet, dass die Bänke an der Wandelhalle und im Rosengarten demoliert wurden. Der Wachdienst soll verstärkt werden. Ausschuss kritisiert den Pflegezustand der Grünanlagen

Jörg Stuke

Bad Oeynhausen. Es vergeht kaum ein Morgen, an dem die Mitarbeiter des Staatsbades nicht auf Schäden stoßen, die Randalierer in der Nacht im Kurpark hinterlassen haben. Von leeren Bierdosen, zerdepperten Flaschen und beschmierten Wänden berichtet Staatsbad-Betriebsleiter Dirk Henschel. Und von mindestens drei Dutzend zerstörten Sitzbänken. „Gerade erst wurden zehn Bänke im Rosengarten komplett zerlegt", sagte Henschel am Dienstag im Betriebsausschuss. Was mit den Bänken vor der Wandelhalle passiert sei, wollte Ursula Sieker (SPD) wissen. Auch diese zwei Dutzend Bänke seien zerstört, erklärte Henschel. Hier habe sicher auch der Zahn der Zeit einen Beitrag geleistet, räumte Henschel ein. Aber letztlich seien auch sie Opfer von Vandalismus geworden. Schon im Herbst seien die Bänke deshalb vom Platz vor der Wandelhalle entfernt worden. „Ob es hier Ersatz gibt, das müssen wir sehen", sagte Henschel. Rosengarten hat Priorität Priorität habe jetzt erstmal der Rosengarten. „Die halbrunden Holzbänke waren Spezialanfertigungen", so Henschel. „Wenn wir die so wieder neu beschaffen, dann würde das rund 50.000 Euro kosten. Wir wollen aber sehen, ob wir da nicht ohne Einzelanfertigungen auskommen." Bereits ersetzt wurden die zehn Bänke unter dem Vordach der Wandelhalle – auch sie Opfer von Vandalismus. Der Ersatz habe rund 10.000 Euro gekostet. „Immer wieder finden wir Bänke, an denen Latten herausgerissen wurden", sagt Henschel. Das Problem der nächtlichen Zerstörungswut im Kurpark verschärft sich, sobald die Temperaturen steigen. „Ab April treffen sich alltäglich – oder besser allnächtlich – unterschiedliche Gruppen im Kurpark, konsumieren dort Alkohol oder auch andere Drogen. Und sorgen dann zu späterer Stunde für Zerstörungen", berichtet Henschel. Neuralgische Punkte seien die Plätze vor dem Theater und der Wandelhalle, der Rosengarten, der Trinkpavillon in der Nähe des Haupteingangs, der „Freytags-Tempel" und der Ententeich am GOP. „Aus diesem Teich müssen wir regelmäßig Sitzbänke bergen, die dort hineingeworfen wurden", berichtet Henschel. Kurpark sieht stellenweise miserabel aus Neu ist das Problem nicht. „Vor zwei Jahren haben wir deshalb den Sicherheitsdienst verstärkt", sagt Henschel. Die zusätzliche Kontrollrunde wurde aber im vergangenen Jahr wieder eingestellt. 20.000 Euro zahle das Staatsbad für den üblichen Sicherheitsdienst, fast noch einmal genau so viel habe die zusätzliche Streife gekostet. „Die Verstärkung hat nicht den ganz großen Effekt gehabt", sagt der Betriebsleiter. Dennoch werde das Staatsbad nun erneut die nächtliche Bewachung des Kurparks verstärken. Das Thema Sicherheit und Vandalismus im Kurpark solle in der nächsten Sitzung des Betriebsausschusses ausführlich behandelt werden, kündigte der Ausschussvorsitzende Friedrich Schiermeyer (CDU) an. „Dann müssen wir auch darüber diskutieren, ob der Kurpark so offen bleiben kann oder womöglich nachts abgesperrt werden muss", sagte Schiermeyer. Gegenüber der NW sagte Henschel: „Das wäre für mich aber nur die letzte Möglichkeit. Schließlich gibt es für ein Absperren des Parks keinerlei Infrastruktur mehr." Kritik übte der Ausschuss am Pflegezustand der Grünanlagen im Kurpark. „Im Mittelteil ist das in Ordnung, im östlichen Teil nicht gut und im Westen einfach miserabel", sagte Kurt Nagel (CDU). Was Henschel so – zunächst – nicht akzeptieren wollte. „Wir haben weder die personelle noch die finanzielle Ausstattung, um hier jeden Halm drei Mal umzudrehen", sagte der Betriebsleiter. Das Staatsbad zahlt den Stadtwerken jährlich 450.000 Euro für die Pflege der Grünanlagen. Diese „Relativierung des miserablen Pflegezustandes", wollte Rainer Müller-Held (BBO) aber nicht gelten lassen. „Ich habe im Kurpark auch viele mehrjährige Kräuter wie Ampfer oder Johanniskraut gefunden. Das zeigt: Da ist über Jahre nichts gemacht worden", sagte er. Nachdem sich Henschel am Tag nach der Sitzung noch Mal ein Bild von der Lage gemacht hatte, gab er am Mittwoch den Kritikern recht. „Ja, da besteht Verbesserungsbedarf", sagte Henschel der NW. Und versprach: „Hier werden wir die Stadtwerke einen ordentlichen Pflegegang machen lassen."

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