Aufgeplatzt: Sogenannte Asphalt-Blasen gibt es derzeit zuhauf auf der Nordumgehung zu sehen. Wie hier in Höhe der Auffahrt Eidinghausener Straße hat Straßen NRW sämtliche Schadstellen markieren lassen. Es sind hunderte. Foto: Nicole Sielermann - © Nicole Sielermann
Aufgeplatzt: Sogenannte Asphalt-Blasen gibt es derzeit zuhauf auf der Nordumgehung zu sehen. Wie hier in Höhe der Auffahrt Eidinghausener Straße hat Straßen NRW sämtliche Schadstellen markieren lassen. Es sind hunderte. Foto: Nicole Sielermann | © Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen Nordumgehung: Blasen stoppen Arbeiten für offenporigen Asphalt

Weil die Gussasphaltschicht beschädigt ist, muss eine neue Decke aufgetragen werden – erst dann kommt der lärmmindernde offenporige Asphalt. Letzter Brückenbau im Autobahnkreuz Löhne hat begonnen

Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen/Löhne. Huckel mag er gar nicht. OPA liebt es glatt. Weil aber das Wetter der vergangenen Monate zu vermehrter Blasenbildung in der bereits aufgetragenen Gussasphaltschicht geführt hat, ist diese nun so marode, dass sie als Untergrund für den offenporigen Asphalt (OPA) nicht mehr herhalten kann. Deshalb muss die Nordumgehung im Bad Oeynhausener Stadtgebiet in den kommenden Wochen komplett abgefräst werden. Vor rund vier Wochen machten sich Arbeiter auf den Weg, das bereits freigegebene Teilstück der Nordumgehung zu Fuß abzulaufen und auf Schäden zu kontrollieren. Das Ergebnis war überraschend: „Wir hatten bis dato gedacht, dass eine partielle Sanierung ausreicht", erklärte Sven Johanning, Pressesprecher von Straßen NRW. Doch die starken und langanhaltenden Regenfälle Anfang des Jahres und die hochsommerlichen Temperaturen der vergangenen Wochen sorgten für eine solch starke Blasenbildung im Gussasphalt, das dieser komplett erneuert werden muss. „Wir haben das gutachterlich prüfen lassen", so Johanning. „Derzeit laufen mit der ausführenden Firma Verhandlungen über die Gewährleistung." Normale Fahrbahnen bestehen, so Johanning, in der Regel aus drei Schichten. „Von unten sind das die Tragschicht, die Binderschicht und letztlich zuoberst die Asphaltdeckschicht." Der OPA-Aufbau bestehe dagegen aus vier Schichten. „Wie der Name schon sagt ist der Asphalt der oberen Schicht offenporig, also wasserdurchlässig." Würde allerdings Wasser in die Binderschicht eindringen, würde sie bei Frost beschädigt. „Deshalb liegt zwischen OPA und der Binderschicht noch der wasserdichte Gussasphalt." Offenbar ist nun Wasser in die Hohlräume der Binderschicht eingedrungen, das nicht abfließen kann. „Unter der zwei Zentimeter dicken Gussasphaltschicht kommt es bei warmen Wetter zu hohen Temperaturen. Diese wiederum bringen das Wasser in der Binderschicht zum Verdampfen – was wiederum zur Blasenbildung in der Gussasphaltschicht führt." Vereinzelt seien bereits im vergangenen Jahr solche Blasen zu beobachten gewesen. „Das hätten wir punktuell sanieren können", erklärt der Pressesprecher. Nun aber ist der Schaden so massiv, dass sich das Flicken nicht rentiert. „Wir werden dieses Mal keinen Gussasphalt aufbringen", sagt Sven Johanning. Stattdessen wird SAMI (Stress Absorbing Membrane Interlayer) genutzt. Dies ist eine spannungsabsorbierende Zwischenschicht, die ebenfalls das Eindringen von Wasser verhindern soll. „Sie ist aber von der Konsistenz wesentlich flexibler als der starre Gussasphalt, so dass es gar nicht erst zu solchen Schäden kommen wird." Ab dem heutigen Donnerstag wird der alte Asphalt abgefräst. „Beim Aufbringen der neuen Schicht muss es trocken sein." Insofern sei der Fortlauf der Arbeiten stark witterungsabhängig. „Bei länger anhaltender guter Wetterlage dauern die Arbeiten rund drei Wochen – danach können wir OPA aufbringen." Und zwar vom nördlichen Tunnelportal bis zur Ortsgrenze Löhne. Eine erste Testfläche hat Straßen NRW mit OPA bereits asphaltieren lassen. „Zwischen der Werrebrücke in Rehme und dem südlichen Tunnelportal liegt er schon." Und es verlaufe alles zur Zufriedenheit, wie Johanning betont. Wenn OPA liegt, ist der Bad Oeynhausener Teil der Nordumgehung fertig. Trotzdem möchte sich Straßen NRW nicht auf einen Fertigstellungstermin festlegen lassen. Denn eines fehlt noch: eine Brücke im Löhner Autobahnkreuz. „Dort haben die Arbeiten begonnen", erklärte Sven Johanning gegenüber der NW. Auf den Gründungsfundamenten sollen in den kommenden Wochen die Widerlager betoniert und danach die Stahlträger montiert werden. 1,7 Millionen Euro kostet die Brücke, die 37,5 Meter lang, 13,6 Meter breit ist und eine Durchfahrtshöhe von 4 Metern hat. Die Stahlverbundbrücke – ähnlich der Überführung der Eidinghausener Straße und der Dehmer Spange – soll laut Angabe der ausführenden Firma Bunte im Herbst fertig sein. „Ambitioniert", nennt das Johanning. Wie mehrfach berichtet gibt es aufgrund des Urteils des Oberlandesgerichtes Düsseldorf zur Klage einer am Bieterverfahren beteiligten Baufirma keinen aktuellen Bauzeitenplan mehr. So dass sich Straßen NRW nur auf die mündliche Zusage der Firma verlassen kann.

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