Doppelter Nachwuchs: Bei der Beringung der beiden kleinen Schleiereulen hatte Erwin Mattegiet im Juli 2017 Unterstützung von Minna. - © Nicole Sielermann
Doppelter Nachwuchs: Bei der Beringung der beiden kleinen Schleiereulen hatte Erwin Mattegiet im Juli 2017 Unterstützung von Minna. | © Nicole Sielermann

Naturschutz-Serie Die Naturliebhaber

Erwin Mattegiet und Wolfgang Heper sind Gründungsmitglieder der AG Natur und Umwelt Bad Oeynhausen. Sie haben eine Vielzahl von Projekten ins Leben gerufen

Nicole Bliesener

Bad Oeynhausen/Löhne. Alles, was kreucht und fleucht, hat Wolfgang Heper und Erwin Mattegiet immer schon interessiert. „Ich bin als Kind am liebsten im Gehölz rumgekrochen", sagt der Oberbecksener Heper. Auch der Dehmer Mattegiet inspizierte die Natur rund um sein Zuhause schon als Jugendlicher. „Ich habe als Schüler Futterraufen für Rehe gebaut und am Plattenberg aufgestellt. Die Raufen haben dem Förster so gut gefallen, dass wir mit ihm die Futterstellen im Wiehengebirge abfahren durften", erzählt Erwin Mattegiet. Eine Erfahrung, die den Dehmer nachhaltig geformt und sein Interesse an Wald und Flur verstärkt hat. Ehrenamtliches Engagement Aus diesem Interesse für die Natur hat sich bei beiden ein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement für die Belange des Naturschutzes entwickelt. Wolfgang Heper und Erwin Mattegiet sind Gründungsmitglieder der AG Natur und Umwelt Bad Oeynhausen, sitzen im Vorstand des NABU-Kreisverbands und im Aktionskomitee für Weißstörche, sind Naturschutzwarte und Ansprechpartner für Themen wie Wölfe, Fledermäuse. Amphibienschutz oder Nistkästen. Erwin Mattegiets großes Steckenpferd ist der Schutz von Fledermäusen, Schwalben, Eulen, Falken und – natürlich – von Störchen. „Leider hat sich bei uns im Südkreis im dritten Jahr in Folge kein Storchenpärchen niedergelassen – weder am Großen Weserbogen noch in Wulferdingsen", bedauert Mattegiet. Mehr Freude bereiten ihm dagegen die Schleiereulen, denn deren Population wächst und gedeiht. „Meinen ersten Schleiereulenkasten habe ich im Mai 1985 mit Dachdeckermeister Wilhelm Stein senior auf dem Dachboden des Wasserschlosses Ovelgönne eingebaut", erinnert sich Erwin Mattegiet. Seitdem haben Mattegiet und seine Mitstreiter – meist wird er dabei von Kindern unterstützt – mehr als 250 Nistkästen für Falken und Eulen an Trafostationen, in Kirchtürmen im Mühlenkreis aufgehängt. Nistkästen bauen Die Nistkästen sind Marke Eigenbau. „Das Holz stiftet Gernot Grübbel, bei Holzbau Grübbel werden die Platten zugeschnitten und im Berufsbildungswerk des Wittekindshofs werden die Kästen montiert", erklärt Mattegiet. So sind die Nistkästen auch ein Beleg für das gute Netzwerk, das die Mitglieder der AG Natur und Umwelt seit Gründung der Arbeitsgemeinschaft aufgebaut haben. Kooperationen sind den Mitgliedern dabei von Anfang an besonders wichtig gewesen – sei es mit der Stadt, dem Kreis, mit Sponsoren, dem Wittekindshof oder anderen Naturschutzorganisationen. Die Nistkästen sind übrigens auch ein kleines Raumwunder: „Sie sind so etwas wie ein Doppelhaus. In der einen Hälfte nisten Falken und in der andere die Eulen", erläutert Erwin Mattegiet. Und in dieser Wohngemeinschaft kommen sich die Greifvögel nicht in die Quere, denn Falken jagen tagsüber und schlafen nachts und die Eulen sind nachtaktiv. Für Kinder stark machen Die Förderung des Nachwuchses – aber eben des menschlichen Nachwuchses – war jahrelang Wolfgang Hepers besonderes Steckenpferd Seine Begeisterung für Flora und Fauna wollte Heper mit anderen teilen, und so gründete er vor etwa 25 Jahren die erste Jugendgruppe der AG Natur und Umwelt. Mit den Kindern und Jugendlichen streifte er durch Wald und Flur in und um Bad Oeynhausen. „Ich finde es wichtig, dass Kinder die Natur erleben und begreifen", sagt Heper, denn positive Erlebnisse in der Natur machten Kinder stark. Und er hat auch gleich ein Beispiel für gewonnene Stärke parat und erzählt von einer winterlichen Übernachtung: „Wir haben ohne Zelte im Wald übernachtet. Die Jugendlichen waren begeistert, für die Eltern war es nicht so schön, die hatten ein unruhige Nacht." Auch heute noch bekommt er positive Rückmeldungen von den mittlerweile erwachsenen Mitgliedern der Jugendgruppe. Die Jugendarbeit hat Heper allerdings längst in die jüngeren Hände von Antje Brandt abgegeben. Querdenken In seinem Engagement versucht Wolfgang Heper auch immer ein bisschen quer zu denken. Er hat als Modellbauer in der Kunststoffverarbeitung gearbeitet und später einen solchen Betrieb geführt. „Kunststoff und Naturschutz – auf den ersten Blick ist das ein Widerspruch, aber gerade hier kann man viel für den Umweltschutz und damit für die Natur tun." Heper machte den Jagdschein, aber er ist lieber Heger als Jäger. Für besondere Erlebnisse in der Natur nimmt Wolfgang Heper gelegentlich erhebliche Anstrengungen auf sich: So hat der pensionierte Modellbauer und Betriebswirt im vergangenen Juli allein mit Hündin Lina eine etwa 1.000 Kilometer lange Rucksacktour entlang der einst schwer bewachten Grenze zwischen der Bundesrepublik und der DDR. „Das Grenzgebiet ist heute ein grünes Band, das sich die Natur erobert hat", sagt Heper.

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