Der Zug ist abgefahren: Die Ratsfraktionen sind sich nicht sicher, ob sie genügend Einfluss mobilisieren können, um zumindest den Intercity-Halt der Verbindung zwischen Amsterdam und Berlin in Bad Oeynhausen zu bewahren. Foto: Thorsten Gödecker - © Thorsten Gödecker
Der Zug ist abgefahren: Die Ratsfraktionen sind sich nicht sicher, ob sie genügend Einfluss mobilisieren können, um zumindest den Intercity-Halt der Verbindung zwischen Amsterdam und Berlin in Bad Oeynhausen zu bewahren. Foto: Thorsten Gödecker | © Thorsten Gödecker

Bad Oeynhausen Pläne der Bahn stoßen auf Entrüstung

Fernverkehr: Der Rat zeigt sich einig bei der Ablehnung der geplanten Streichung von weiteren Intercity-Verbindungen

Thorsten Gödecker

Bad Oeynhausen. Unverständnis und Kopfschütteln über die Pläne der Bahn AG, weitere Intercity-Halte in der Kurstadt zu streichen, herrschen in den Ratsfraktionen vor. Nach den IC-Verbindungen Köln-Dresden, die Anfang September 2016 gekappt wurden, könnten ab 2020 acht weitere IC-Halte in Bad Oeynhausen gestrichen werden. Die DB Fernverkehr plant, die IC-Linie Amsterdam-Osnabrück-Berlin ab 2020 zu drehen, um zusammen mit den ICE-Linien 9 und 10 einen halbstündigen Takt zwischen Hannover und Berlin hinzubekommen. Diese neue Taktung könnte bedeuten, dass die Intercitys, die zwischen Amsterdam und Berlin fahren, weder in Bad Oeynhausen noch in Minden halten. Diese Planung ist für den FDP-Stadtverbandsvorsitzenden Ulrich Kreft „der Beginn des Abhängens der gesamten Region OWL mit dem Oberzentrum Bielefeld und über zwei Millionen Einwohnern vom Bahn-Fernverkehr". Man dürfe den durch die Bahn erzeugten Lärm genießen, solle aber bei eigenem Fernreisebedarf mit langsameren Zügen und zusätzlichen Umstiegs-Zeitverlusten abgespeist werden, kritisiert Kreft das bundeseigene Unternehmen. „So wird unsere Region insgesamt zweitklassig." Die Pläne schadeten der heimischen Wirtschaft und dem Gesundheitsstandort Bad Oeynhausen, kritisiert Kreft. „Politik und Bürger müssen hier auf allen Ebenen gegen diese kurzsichtige, falsche Entscheidung der Deutsche Bahn AG vorgehen." »Die machen aus unserem Bahnhof eine Haltestelle« Volker Brand erinnert für die Grünen daran, dass die Deutsche Bahn der Stadt vor einem Jahr versichert habe, dass Bad Oeynhausen weiter Systemhalt mit werktäglich bis zu dreizehn IC-Abfahrten bleibe. Als einer der drei Fraktionsvorsitzenden, die damals dabei waren, macht Brand seiner Enttäuschung Luft: „Dass vor einem Jahr IC-Halte gestrichen wurden und diese Entscheidung nicht zurückgenommen worden ist, war bitter genug. Es war ein kleines Trostpflaster der Bahn, dass es nicht schlimmer kommen sollte. Zählt das Wort der Bahn nicht mehr? Hier werden Abhängigkeiten und mangelnde Mitsprache schamlos ausgenutzt. Mit dieser Entscheidung wird ein verkehrlicher Lebensnerv der Stadt schwer getroffen." Thomas Heilig von den Unabhängigen Wählern sieht das ähnlich, glaubt aber nicht, dass der Protest aus der Kurstadt Wirkung zeigt: „Die Bahn macht, was sie will." Wenn überhaupt, dann sei nur über die Bundestagsabgeordneten in der Hauptstadt etwas zu erreichen. Dennoch rät Heilig der Bahn, die Anbindung der Kur-stadt an den Fernverkehr auszubauen anstatt abzuschaffen, denn Pendler und Kurgäste seien darauf angewiesen. Was die Bahn mit den Kommunen mache, sei nicht zu akzeptieren, sagt Axel Nicke, der stellvertretende Vorsitzende der BBO-Fraktion, auf Anfrage der NW. „Die machen aus unserem Bahnhof eine Haltestelle", urteilt Nicke, der sich fragt, ob die Stadt das Bahnhofsgebäude nicht unter falschen Voraussetzungen übernommen habe. BBO-Fraktionschef Rainer Barg fordert eine OWL-weite Initiative, um die Streichung der Verbindungen zu verhindern. Moderatere Töne schlägt der SPD-Fraktionsvorsitzende Olaf Winkelmann an. Er verweist auf die 1994 eingeleitete Bahnreform, die die Bundesbahn zu einem auf wirtschaftlichen Erfolg getrimmte Aktiengesellschaft gemacht habe. Ein solches Unternehmen mit Aufgaben der Daseinsvorsorge zu betrauen, könne schlicht und einfach nur funktionieren, wenn sich der Gesetzgeber nicht aus der Verantwortung stehle. Winkelmann zählt auf, dass sich seit 1996 die Länge des Streckennetzes im Fernverkehr um 3.700 Kilometer reduziert habe, die Zahl der im Fernverkehr bedienten Bahnhöfe um 220 geschrumpft sei, Städte mit insgesamt 5,5 Millionen Einwohnern ihre Fernverkehrsanbindungen verloren hätten und bei weiteren 122 Städten sich die Zahl der haltenden Fernverkehrszüge mehr als halbiert habe. Deshalb solle der Bund bei der Planung des Fernverkehrs wieder mit ins Boot; auch um zu verhindern, dass OWL eine „Region zweiter Klasse" werde. Die Lösung könnte eine entsprechende Gesetzesinitiative des Bundesrates sein. »Es ist absurd, dass der ICE „Bad Oeynhausen" nicht in der Kurstadt hält« Er kenne die Bahn als wortbrüchigen Gesprächspartner, der sich nicht um die Interessen der Kommunen schere und getätigte Zusagen schnell vergesse, sagt Kurt Nagel von der CDU. „Es ist absurd, dass der auf den Namen Bad Oeynhausen getaufte ICE nicht in der Kurstadt hält." Auch Nagel spricht sich für eine Stellungnahme des Rates aus, die sich gegen diese „völlig unbefriedigende Planungen" der Bahn wehrt, die die Stadt und die Region faktisch vom Fernverkehr abkoppeln. „Das können wir nicht akzeptieren."

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