Neubau Penny Markt Dehme - © Penny
Neubau Penny Markt Dehme | © Penny

Bad Oeynhausen Ein Supermarkt für Dehme

Veränderungen: Penny schließt mit einem Neubau die Nahversorgungslücke im Ortsteil. Abriss der ehemaligen Möbelfabrik Wilkening an der Dehmer Straße hat begonnen

Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen. Der Zeitplan ist eng getaktet: Wenn Ende April die Möbelfabrik Wilkening Geschichte ist, steht Penny in den Startlöchern. Das Unternehmen ist neuer Eigentümer der Fläche an der Dehmer Straße 45 und will dort in den kommenden Monaten einen neuen Supermarkt bauen. Damit wird nach vielen Jahren des Wartens die Nahversorgungslücke in Dehme geschlossen. Die Konkurrenz ist nah: Edeka im Werre-Park, der Wez in Eidinghausen oder das Einkaufszentrum an der Werster Straße sind nur wenige Autominuten entfernt. Sie alle waren in der Vergangenheit immer wieder der Grund, warum die Ansiedlung eines Supermarktes in Dehme scheiterte: ein zu geringes Einzugsgebiet und zu wenig Kunden wurden von möglichen Interessenten prognostiziert. Und doch setzt Penny nun auf das Dorf. „Wir können bestätigen, dass Penny mit einem Markt modernster Prägung, einer Verkaufsfläche von rund 800 Quadratmetern und 50 extra-breiten (drei Meter) Parkplätzen an den Standort der ehemaligen Möbelfabrik gehen möchte", erklärte Unternehmenssprecher Andreas Krämer auf Anfrage der NW. „Zum zeitlichen Horizont können wir keine Angaben machen, da wir die Baugenehmigung noch nicht eingereicht haben. Dies aber zeitnah der Fall sein wird." Auf rund 800 Quadratmetern Verkaufsfläche will der Discounter nach seiner Eröffnung ein umfangreiches Sortiment an frischen Artikeln wie Obst und Gemüse, mehrmals täglich frisch aufgebackenen Brötchen, Broten und Snacks, einem großen Sortiment regionaler Wurst- und Käseartikel sowie an Milch- und Molkereiprodukten bieten. „Im Markt werden voraussichtlich zwölf Mitarbeiter arbeiten", so Andreas Krämer. Viele Jahre lang hat Familie Wilkening versucht, das Firmengelände zu verkaufen. „Es hat bestimmt zehn Jahre gedauert, bis wir uns letztendlich einig geworden sind", sagt Ralf Wilkening rückblickend. Der Berliner Architekt und gebürtige Dehmer ist der letzte Eigentümer aus der Familie – gewesen. Leicht fällt es ihm nicht, wie er sagt, den Abriss zu verfolgen: „Das ist mir schon schwergefallen. Aber es gibt keine Nutzungsmöglichkeiten mehr für die große Halle." Wobei die Struktur des Gebäudes gut sei. „Das müsste nicht abgerissen werden. Aber natürlich möchte das Unternehmen den Supermarkt nicht in der Halle bauen, sondern einen Neubau." Die Ursprünge der Möbelfabrik Wilkening reichen ins Jahr 1879 zurück. Damals gründete Ralf Wilkenings Urgroßvater als Stellmacher auf dem Grundstück an der Dehmer Straße 28 die Möbelwerkstatt. Damals noch auf der gegenüberliegenden Straßenseite des heutigen Gebäudekomplexes, direkt am Wohnhaus der Familie. Ein Stellmacher war früher für die Herstellung von Rädern, Wagen und anderen landwirtschaftliche Geräten aus Holz zuständig. „Mein Urgroßvater hat als Stellmacher beim Bau des Kaiser-Denkmals an der Porta gearbeitet", erzählt Ralf Wilkening. Sein Großvater Wilhelm Wilkening trat in die Fußstapfen seines Vaters, wurde ebenfalls Stellmacher und übernahm als jüngster Sohn den Betrieb. „Er errichtete 1935 den heutigen Firmenbau an der Dehmer Straße 45", so Wilkening. Es gab einen Maschinenraum, Leimerei, Malerei, Tischlerei und Lackiererei sowie Aufenthaltsraum und Kontor. Der als Tischlerei geführte Betrieb wurde bereits kurz nach dem Krieg erweitert. „Mein Vater Willy Wilkening hat den Betrieb als Tischlermeister in den 50er Jahren übernommen und mehrere Erweiterungen umgesetzt." Wilkening Möbel, die standen für Qualität. „Wir haben Serienmöbel in kleinen Breiten als eigene Modelle gefertigt, die auf der Möbelmesse in Köln vorgestellt wurden", weiß Ralf Wilkening. Bis Ende der 80er Jahre sei mit einer Belegschaft von zwölf Mitarbeitern produziert worden. „Danach wurde der Betrieb auf die Zulieferung für größere Hersteller umgestellt, insbesondere die Herstellung und Oberflächenbearbeitung runder und dreieckiger Türen für Designermöbel der Firma Schönbuch." In den vergangenen Jahren seien die Betriebsräume verpachtet worden. „Zuletzt war die Heizungsanlage nicht mehr wirtschaftlich und das Gebäude wurde als Lagerraum genutzt." Derzeit wird an der Dehmer Straße alles für den Abriss vorbereitet, das Innere entkernt, das Dach abgedeckt. Wilkening: „Am 23. soll der Bagger kommen."

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