Eröffnete seine Praxis vor 50 Jahren: Dr. Dieter Henning in seinem Sprechzimmer. - © Dirk Windmöller
Eröffnete seine Praxis vor 50 Jahren: Dr. Dieter Henning in seinem Sprechzimmer. | © Dirk Windmöller

Bad Oeynhausen Dieter Henning ist seit mehr als 60 Jahren Mediziner

Der Internist hat sich vor einem halben Jahrhundert mit seiner Praxis in der Von-Moeller-Straße selbstständig gemacht. Der 86-Jährige behandelt noch täglich Privatpatienten

Dirk Windmöller

Bad Oeynhausen. „Medizin heißt Zuwendung." Mit diesen drei Worten bringt Dr. Dieter Henning auf den Punkt, was seine Arbeit als Arzt ausmacht. Seine Patienten wissen das zu schätzen. „Er nimmt sich für jeden Patienten so viel Zeit, wie nötig, das hat er auch schon getan, als noch Kassenpatienten von ihm behandelt wurden", sagt ein langjähriger Patient. Heute feiert Dieter Henning ein besonderes Jubiläum. Vor 50 Jahren eröffnete der heute 86-jährige Internist seine Praxis in der Von-Moeller-Straße 1 in der Innenstadt. Seine Kassenzulassung hat er mit 68 Jahren aus gesetzlichen Gründen abgeben müssen. Seine Tochter Katja Grübbel trat in seine Fußstapfen und übernahm die Kassenpatienten. Unverändert versorgt er noch täglich Privatpatienten. Tausende Kranke hat er in seinem Berufsleben behandelt. „Viele Menschen begleitet man ein Leben lang", sagt er. Konsequent sein Ziel verfolgt Oft ist schnell klar, an welcher Krankheit ein Patient leidet. „Reizvoll ist es, unklaren Diagnose auf den Grund zu gehen." Die verschiedensten Ursachen können einer Krankheit zugrunde liegen. Ganz wichtig sei deshalb die Differentialdiagnostik. So kann man Krankheiten mit ähnlichen Symptomen voneinander abgrenzen. Er nimmt sich die Zeit, die eine korrekte Diagnose erfordert. Nicht immer endet die Behandlung mit der Heilung des Patienten. Auch aussichtslose Diagnosen gehören zum Arztberuf und damit auch die besondere Zuwendung. Dass er Arzt werden wollte, stand für Dieter Henning kurz vor dem Abitur fest. Auf dem Lehrplan standen auch die deutschen Klassiker. „Die Nächstenliebe, der Inhalt in Lessings Drama „Nathan der Weise", hat mich tief beeindruckt. Seine Humanität wurde mein Vorbild", erinnert er sich. Die daraus abgeleitete Liebe zum Nächsten habe den Entschluss reifen lassen, Arzt zu werden. „Dieses Ziel habe ich konsequent verfolgt." "Die Aussichten, Arzt zu werden, waren miserabel" Sein Abitur machte er 1950 in Sachsen-Anhalt. Aus der damaligen DDR kam er dann wegen familiärer Bindungen nach Vlotho. Durch die Flucht seiner Familie aus der DDR war kein Geld vorhanden, um das Studium finanzieren zu können. Der Vater war jahrelang Hilfsarbeiter. Allseits wurde ihm vom Studium abgeraten. „Geh’ zur Post oder zur Bahn. Die Aussichten, Arzt zu werden, waren miserabel." Und so hat er sich die Verwirklichung seines Traums hart erarbeitet. Vor dem Studium war er zwei Jahre in einer Möbelfabrik. In den mehrmonatigen Semesterferien während des sechsjährigen Studiums hat er auf der Schiffswerft in Vlotho gearbeitet. „Als ich aufhörte, war der Kran angeschafft." Nach dem Studium arbeitete er zunächst vier Jahre als Assistenzarzt in verschiedenen Kliniken der Universität Hamburg – und an den freien Wochenenden als Schiffsarzt auf den Touristenschiffen nach Helgoland. Danach folgte die fünfjährige Ausbildung zum Internisten am Krankenhaus Bad Oeynhausen unter Professor Rudolf Völker und noch ein zusätzliches Jahr in der Röntgenabteilung. Wegen der erheblichen Konkurrenz in Bad Oeynhausen machte er noch zusätzlich den Badearzt, um auch Kurgäste medizinisch betreuen zu können. Seine Praxis eröffnete er am 16. April 1968, wo sie sich noch heute befindet. Dort richtete er auch ein Labor mit zwei Laborantinnen ein. Frühzeitig schaffte er auch Sonographie, Langzeit-EKG und Röntgengerät an. Seinen Weg würde Dieter Henning, stets unterstützt von seiner Frau Helga, heute wieder so gehen. Das Jubiläum wird mit den zwei Töchtern, deren Ehepartnern und vier Enkeln gefeiert – und natürlich auch mit den jetzigen und ehemaligen Mitarbeitern.

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