Losverfahren könnte entscheiden: An der Realschule Nord gibt es zu viele Anmeldungen für zu wenige Plätze. Foto: Daniel Karmann/dpa - © Verwendung weltweit
Losverfahren könnte entscheiden: An der Realschule Nord gibt es zu viele Anmeldungen für zu wenige Plätze. Foto: Daniel Karmann/dpa | © Verwendung weltweit

Bad Oeynhausen Realschule Nord: Schüler schreiben Briefe an den Bürgermeister

Eltern machen gegen drohendes Losverfahren mobil. Schulleiterin Karola Picht-Dreier hat mehr Anmeldungen als Plätze in den fünften Klassen

Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen. Die hohe Zahl der Anmeldungen und die drohenden Ablehnungen an der Realschule Nord schlagen Wellen. Erste Eltern haben sich zu einer Art Initiative zusammengeschlossen. „Noch sind wir ein kleiner Kreis, aber es werden täglich mehr", sagte Olga Siek im Gespräch mit der NW. Ihre Familie habe sich bewusst für die Realschule Nord als weiterführende Schule für die neunjährige Tochter entschieden: „Weil es die einzige Halbtagsschule in der Stadt ist", nennt Siek einen Grund. Weil aber nach einem Ratsbeschluss an der Realschule nur noch drei Eingangsklassen gebildet werden dürfen, muss Schulleiterin Karola Picht-Dreier, die zurzeit rund 107 Anmeldungen verzeichnet, mehr als 20 Schüler ablehnen. „Wir können von den Kapazitäten her eine vierte Eingangsklasse bilden", sagte sie auf Nachfrage der NW. Doch derzeit ist das von Seiten der Politik nicht gewünscht. Also wird es an der Realschule auf ein Losverfahren hinaus laufen und dadurch entschieden, welche Schüler in die neuen fünften Klassen aufgenommen werden können. „Selbst die Kinder sind aktiv geworden" Für viele Eltern ist gerade die Halbtagsschule ein Kriterium für die Wahl. „Selbstverständlich hat nicht jede Familie oder jedes Elternteil die Möglichkeit, sein Kind ab mittags selbst zu betreuen. Es ist gut, dass es hierfür ausreichend Plätze/Angebote in verschiedenen Bandbreiten gibt. Aber Eltern sollten auch unterstützt werden, wenn sie eben nicht darauf angewiesen sind oder es schlichtweg nicht möchten", sagen die Eltern. „Selbst die Kinder sind aktiv geworden", sagt Mutter Tanja Buschjost. Sie haben Plakate gemalt und Briefe an den Bürgermeister geschrieben. „Wir haben unseren Kindern versprochen, dass wir alles versuchen werden, was in unserer Macht steht." Auch von den Eltern können Achim Wilmsmeier und die Bezirksregierung in Detmold Post erwarten. „Ich habe zudem telefonisch bei der Bezirksregierung angefragt, ob eine solche Bildung einer zusätzlichen Klasse möglich ist", sagt Olga Siek. Die Antwort sei positiv ausgefallen. „Aber die Stadt muss sich zuerst positionieren und den Antrag auf Bildung einer Mehrklasse stellen", hat sie erfahren. Es fehlen noch etliche Anmeldungen Auch das Telefonat mit Rainer Printz, bei der Stadtverwaltung zuständig für den Bereich Schulen, sei gut gelaufen. „Er hat unsere Initiative durchaus gelobt", sagt Siek. Aber auch klar gemacht, dass die Stadt erst einmal den Anmeldeschluss am 16. März abwarten müsse. Wie Printz schon in der vergangenen Woche der NW mitteilte, seien noch rund 70 Schüler an keiner weiterführenden Schule angemeldet. Am heutigen Montagabend treffen sich die Grünen zu einer Fraktionssitzung. Darauf setzen die Eltern einen Teil der Hoffnungen: „Wir hoffen, dass durch unsere Aktionen das Thema diskutiert wird", sagt Olga Siek. Volker Brand, Fraktionsvorsitzender der Grünen, hat das Thema zwar nicht explizit auf der Tagesordnung, ist aber grundsätzlich offen für Diskussionen: „Wenn es notwendig ist, muss sich die Politik einschalten", sagte er. „Und wenn der Elternwille da ist, müssen wir eine vierte Klasse einrichten – ich stehe dem grundsätzlich positiv gegenüber." Doch auch Volker Brand möchte erst einmal die Anmeldephase abwarten und schauen, wie sich die Zahlen entwickeln.

realisiert durch evolver group