Haben ehrgeizige Pläne: Die Geschäftsführer der Balda Medical, Oliver Pfannschmidt (r.) und Stefan Holtkamp. Fotos: Jörg Stuke - © Jörg Stuke
Haben ehrgeizige Pläne: Die Geschäftsführer der Balda Medical, Oliver Pfannschmidt (r.) und Stefan Holtkamp. Fotos: Jörg Stuke | © Jörg Stuke

Bad Oeynhausen Balda geht wieder auf Wachstumskurs

Nach dem Verkauf an die italienische Stevanato-Gruppe entwickelt sich die Medizinsparte des ehemaligen Handygehäuse-Herstellers gut. Die Belegschaft soll in zwei Jahren von 250 auf 350 wachsen

Jörg Stuke

Bad Oeynhausen. Kometenhafter Aufstieg an der Börse, ein womöglich noch rasanterer Absturz, Aktionärsversammlungen, die wie Schlachten wirkten, schließlich der Verkauf: Balda hat wahrlich turbulente Zeiten hinter sich. Von dem Unternehmen, das vor knapp zwei Jahrzehnten bundesweit als aufstrebender Handy-Zulieferer von sich reden machte, ist nur noch die Medizin-Sparte geblieben, die seit 2016 zur italienischen Stevanato-Gruppe gehört. „Nun sind wir in einem sicheren Hafen angekommen", sagen Oliver Pfannschmidt und Stefan Holtkamp, die beiden Geschäftsführer der Balda Medical. Was nicht heißen soll, dass das Balda-Schiff träge vor Anker liegt. Für die nächsten Jahre verfolgen Pfannschmidt und Holtkamp ehrgeizige Pläne. Als Balda boomte, stellte der damalige Vorstandsvorsitzende Gerd Holdijk die Weichen für das, was nun als Kern von Balda noch in Bad Oeynhausen erhalten ist: die Medizinsparte. Er sei in der Branche damals belächelt worden wegen der Gründung der Balda Medical, berichtete Holdijk. „Aufgrund der guten Auftragslage brauchen wir zusätzliche Fläche" Die Balda AG hatte im Spitzenjahr 2005 mehr als 8.000 Mitarbeiter. „Die Balda Medical hat immer ein wenig im Schatten der Gruppe gearbeitet", weiß Pfannschmidt, der schon im Gründungsjahr 2002 zur Medical kam. „Jetzt stehen wir auf der Bühne." Die Balda AG, die 2016 in Clere AG umfirmierte, verkaufte in dem Jahr die Balda Medical an die italienische Stevanato-Gruppe. 95 Millionen Euro zahlte Stevanato (3.200 Mitarbeiter, 456 Millionen Euro Umsatz in 2016) für die Balda Medical. „Stevanato will den Rohdiamanten Balda entwickeln", sagt Holtkamp, der seit 2013 im Unternehmen ist. Die turbulenten Jahre zwischen 2012 und 2016 verunsicherten die Kunden. „Jetzt werden wir uns schneller entwickeln, als das in dieser Phase möglich war", sagt Holtkamp. Seit 2002 deckt die Balda Medical zwei große Produktbereiche ab: die Diagnostik, zum Beispiel mit einen Gerät zur Blutzuckermessung, und den Bereich Pharma, etwa mit einem speziellen Tabletten-Spender oder Inhalations-Systemen. Viele der technischen Fertigkeiten aus der Handy-Produktion kämen auch bei den Medizin-Produkten zum Einsatz, berichten die Geschäftsführer. Balda Medical habe aktuell mehrere neue Projekte in Arbeit. Über konkrete Produkte aber könne er nichts sagen. „Das unterliegt der Geheimhaltung", so Pfannschmidt. Die Diskretion ist eine Besonderheit der Medizintechnik, ebenso wie die extrem langen Vorbereitungsphasen der Projekte. „Wir gehen mit unseren Kunden langfristig angelegte Partnerschaften ein", erklärt der Geschäftsführer. Was für ein langsames, aber stetiges Wachstum sorgen kann. Aktuell hat die Balda Medical in Wulferdingsen 250 Mitarbeiter, mit denen das Unternehmen 2016 rund 40 Millionen Euro Umsatz erzielt hat. „In zwei Jahren", sagt Pfannschmidt, „wollen wir 350 Mitarbeiter haben." 27.000 Quadratmeter messen Büros und Produktionshallen in Wulferdingsen. „Von den 14.000 Quadratmetern Produktionsfläche nutzen wir derzeit die Hälfte", berichtet Holtkamp. „Aufgrund der guten Auftragslage brauchen wir zusätzliche Fläche", so Pfanschmidt. „Wir sind auf Wachstumskurs". Ziel sei, in den nächsten fünf Jahren die Flächen im Balda-Bau wieder komplett selbst zu nutzen, womöglich sogar noch neue Hallen zu bauen. Mit dem Hauptmieter im Balda-Komplex, dem Maschinenbauer KBA Kammann, sei man darüber im Gespräch, so der Geschäftsführer (siehe Infokasten). Aktuell sucht Balda Medical 30 neue Mitarbeiter. „Wir sind hier in einer Hochburg der Kunststoffverarbeitung, in der es sehr viele qualifizierte Mitarbeiter gibt", sagt Holtkamp. „Aber es ist schwer, die für Balda zu aktivieren." Denn nach den turbulenten Jahren bis 2016 sei das Unternehmen auch bei potenziellen Mitarbeitern zwar bekannt, aber doch eher „berüchtigt". „Das müssen wir drehen", sagt Pfannschmidt.

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