Haben sich mit der Geschichte des Schule beschäftigt: Johannes Wernich (v. l.), Jennykim Ho und Finja Reger vor der Büste des Namensgebers Immanuel Kant. Foto: Nicole Bliesener - © f
Haben sich mit der Geschichte des Schule beschäftigt: Johannes Wernich (v. l.), Jennykim Ho und Finja Reger vor der Büste des Namensgebers Immanuel Kant. Foto: Nicole Bliesener | © f

Bad Oeynhausen Kant bleibt im Kopf

125 Jahre Gymnasium: IKG-Schüler tauchen in die Geschichte ihrer Schule ein. Im Interview berichten ehemalige Abiturienten von ihrer Schulzeit. Die Ergebnisse werden in einer Ausstellung präsentiert

Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen. Gemogelt und gespickt wurde am Immanuel-Kant-Gymnasium und seinen Vorgängerschulen zu allen Zeiten der 125-jährigen Schulgeschichte – mitunter sogar auf technisch herausragendem Niveau mit Hilfe eines selbstgebauten Radios. Diese und viele andere spannende Geschichten haben die Schülerinnen und Schüler der Jubiläums-AG bei ihren Recherchen zur Geschichte der Schule herausgefunden. Ihre Ergebnisse werden die Schüler in einer Ausstellung präsentieren. „Wir haben im Stadtarchiv geforscht", berichtet Jennykim Ho aus der neunten Jahrgangsstufe. Vor allem aber haben die Mitglieder der Jubiläums-AG, die nach dem Umzug zweier Schülerinen auf drei geschrumpft ist, Interviews mit ehemaligen Schülern aus den verschiedensten Jahrgängen geführt. Das AG-Team besteht jetzt aus Jennykim Ho, Johannes Wernich und Finja Reger. Unterstützt werden sie von Lehrerin Kerstin Pörtner. „Wie sich die Zeitzeugen als Teenager gefühlt haben" „Uns hat der Schulalltag interessiert, vor allem die nicht ganz so braven Dinge", erzählt Schüler Johannes Wernich. Ihre Interviewpartner haben die Jugendlichen gefragt, was sie in den Pausen gemacht haben, wie das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern war. Und natürlich auch, ob der Unterricht auch schon mal geschwänzt wurde und welche Hilfestellungen bei Klassenarbeiten eine Rolle spielten. „Parallelen zu heutigen Spickern gibt es natürlich", sagt Jennykim Ho. Doch präziser wollen sich die Drei über aktuelle Methoden aus verständlichen Gründen nicht auslassen. „Über die Spicker könnten wir ein ganzes Buch schreiben", sagt Jennykim Ho und lacht. Beeindruckt hat die Drei im Interview Physiklehrer Ralf Prüssmeier, der in seiner eigenen Schulzeit am IKG seine Mitschüler mit Hilfe eines selbstgebauten Radios bei Klassenarbeiten „versorgt" hat. Prüssmeier ist dabei nicht einzige Lehrer am IKG, der auch seine Schulzeit am Bad Oeynhausener Gymnasium verbracht hat, und den die Schüler nun anlässlich des 125-jährige Jubiläums interviewt haben. Die Interviews, die die Schüler zum Teil auch mit der Kamera aufgenommen haben, werden zu einem Bestandteil der Ausstellung werden. „Die Filme und niedergeschriebenen Interviews präsentieren wir auf unserer Schul-Homepage", sagt Kerstin Pörtner. Als Interviewpartner zur Verfügung gestellt haben sich Volker Brand, heute Lehrer an der Gesamtschule und grüner Ratsherr, Adalbert Heiduk, Lehrer am IKG, der ehemalige Schülersprecher Marcel Heinen, Rouwen Broer (Abi-Jahrgang 2014), Stadtführer Christian Barnbeck, NW-Redakteurin Heidi Froreich, die den Zusammenschluss von Luisenschule und Gymnasium 1969 selbst mitgemacht hat, das Lehrerehepaar Barbara und Gert Elgert und Doris Wollesen, die Ende der 60er Jahre ihrer Reifeprüfung bestanden hat, sowie Kurt Krutemeier, der am Gymnasium als Schüler, Lehrer und Direktor war. Spannend fanden die Schüler, dass sie von ihren erwachsenen Interviewpartnern erfahren haben, wie diese sich als Teenager gefühlt und verhalten haben. „Die haben genauso gedacht wie wir heute", sind sich die Drei einig. Sie haben aber auch von Zeiten erfahren, als es an der Schule längt nicht so partnerschaftlich und demokratisch zuging wie heute. So berichtete Lothar Jahn (Abi-Jahrgang 1969), dass seine Abschlussklasse eine andere, weniger steife, Form der Zeugnisübergabe durchsetzen wollte, mit diesem Vorhaben aber bei Direktor Bücking auf Granit bissen. „Aus Protest haben Lothar Jahn und seine Mitschüler eine eigene Abifeier organisiert und gefeiert", berichtet Kerstin Pörtner. Lothar Jahn erzählte in seinem Interview mit den Schülern auch von Strafarbeiten und strengen Vokabeltests. Mit diesen Zeitzeugen-Interviews haben die Schüler Erfahrungsberichte von den 50er Jahren bis in die Gegenwart zusammengetragen. Und sie haben viel über die Atmosphäre an der Schule in den Jahrzehnten erfahren. Auch wenn der Unterricht in den 50er, 60er und 70er Jahren mit dem gegenwärtigen kaum zu vergleichen sei, eint die Interviewpartner eins: „Sie sind alle gern zur Schule gegangen", fasst Lehrer Kerstin Pörtner zusammen.

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