Initiatoren: Edith und Alfred Behrendt. - © Wilfried Bordasch
Initiatoren: Edith und Alfred Behrendt. | © Wilfried Bordasch

Bad Oeynhausen Schwerpunkt Tanzen: Mit der Musik verschmelzen

Lokaldossier: Alfred und Edith Behrendt haben den Tangotreff in der Druckerei gegründet. 80 bis 100 Tänzer treffen sich einmal im Monat dort zur größten Veranstaltung dieser Art in der Region

Dirk Windmöller

In diesem Schwerpunkt sammelt die Bad Oeynhausener Redaktion eine Woche lang Artikel zum Thema "Tanzen". Die Beiträge drehen sich um Tanztee, Turniertanz, heimische Vereine, Ballett, Tanztrends und Breakdance. Dieser Artikel handelt von einem Ehepaar und seiner Leidenschaft für den Tango. Bad Oeynhausen. Tanzen war immer. In Polen haben sich Alfred und Edith Behrend auf dem Parkett kennengelernt. Von Tango hatten sie damals bestenfalls gehört. „In den Dörfern rund um Allenstein gab es Tanzveranstaltungen und da tanzten wir jungen Leute natürlich auf Distanz", sagt Alfred Behrendt. Die Behrendts, die 1975 heirateten, kamen 1978 als Spätaussiedler nach Deutschland. „Da war gerade der Papst gewählt", erinnert sich Alfred Behrendt. Im Begegnungszentrum Druckerei fand Alfred Behrendt Arbeit als Hausmeister. Und dort wurde auf einem Flyer für „Tango Argentino" und den entsprechenden Tanzkurs geworben. „Wir haben gedacht, das hört sich gut an und es hat uns dann sofort gepackt", sagt Edith Behrendt. Diese alte Musik schaffe eine einmalige Atmosphäre. „Das sich einlassen auf den Tanzpartner, das verschmelzen, ist schon etwas ganz Besonderes", schwärmt Edith Behrendt. Die Behrendts tanzen den Tango Argentino. „Der unterscheidet sich stark vom Standardtango", betont Alfred Behrendt. Der Tango Argentino, der sich aus Buenos Aires um die Welt verbreitet hat, wird als die ursprünglichere, weniger reglementierte Form im Vergleich zum Standardtango des Welttanzverbandes eingestuft. Bandoneon und Streicher schaffen bei der Musik mit ihrem südamerikanischen Ursprung diese ganz besondere Atmosphäre. Melancholisch, sinnlich, eindringlich und doch temperamentvoll. Das Tango-Fieber Das Tango-Fieber hat nicht nur die Behrendts gepackt. Mitten in Ostwestfalen, nicht eben als Epi-Zentrum der Tanzkultur bekannt, hat sich mit dem Tango-Treff in der Druckerei eine ständig wachsende Tango-Szene etabliert. „Wir haben den Treff im Jahr 2006 gegründet", sagt Alfred Behrendt. Er habe sich schnell zu einem beliebten Anlaufpunkt für Tango-Freunde entwickelt. „Wir sind immer zwischen 80 und 100 Tänzerinnen und Tänzern", sagt Edith Behrendt. Die Tänzer kämen aus der ganzen Region, auch aus Osnabrück und Detmold. Veranstaltet wird der Treff einmal im Monat, sonntags. Gelegentlich gibt es auch besondere Veranstaltungen mit Live Musik. „Bad Oeynhausen ist nicht nur wegen der Mindener Straße bekannt", sagt sie schmunzelnd. Ehemann Alfred ergänzt: „In der Region sind wir die größten. Darauf sind wir als Team schon ein bisschen stolz." Der Treff in Bad Oeynhausen sei auch sehr beliebt, weil die Druckerei ideale Bedingungen biete. Der Saal, die Kneipe und die Terrasse würden ein optimales Umfeld schaffen. Dass so viele Tänzer beim Treff sind, mache auch einen Teil des Reizes aus. Denn beim Tango Argentino gehört Partnertausch dazu. „Wenn man immer nur mit demselben Partner tanzen würde, dann würde man nicht die gleiche Vielfalt erreichen. Jeder Mensch tanzt individuell und sich genau darauf einzulassen, das macht es so spannend", sagt Edith Behrend. Da gebe es einen hohen Suchtfaktor. Ständig für den Tango unterwegs Auf den monatlichen Tango-Treff in Bad Oeynhausen beschränken sich die Behrendts nicht. „Wenn wir mal ein Wochenende nicht getanzt haben, dann fehlt uns was", sagt Alfred Behrendt, seine Ehefrau nickt zustimmend. Und so sind die Behrendts in Sachen Tango ständig unterwegs. Bis nach Buenos Aires haben sie es noch nicht geschafft. „Das ist wahnsinnig aufwendig. Und wir haben schon mit Leuten gesprochen, die sagen, dass in OWL der bessere Tango getanzt wird. Für das Niveau hier brauchen wir uns nicht zu schämen", sagt Alfred Behrendt.

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