Auf Turnieren erfolgreich: Angela und Marco Wessel tanzen seit Jahrzehnten. Dieses Foto entstand auf einem Turnier in Münster. - © E. Wenning
Auf Turnieren erfolgreich: Angela und Marco Wessel tanzen seit Jahrzehnten. Dieses Foto entstand auf einem Turnier in Münster. | © E. Wenning

Bad Oeynhausen Schwerpunkt Tanzen: Leistungssport auf dem Tanzparkett

Lokaldossier: Angela und Marko Wessel sind seit zehn Jahren als Turniertänzer aktiv. Regelmäßig nehmen sie an international besetzten Wettbewerben teil

Dirk Windmöller

In diesem Schwerpunkt sammelt die Bad Oeynhausener Redaktion eine Woche lang Artikel zum Thema "Tanzen". Die Beiträge drehen sich um Tanztee, Turniertanz, heimische Vereine, Ballett, Tanztrends und Breakdance. Dieser Artikel handelt davon, seinem Hobby eine professionelle Note zu verleihen - mit Turniertanz. Löhne/Bünde. Die vier Paare fliegen förmlich über die Tanzfläche. Der Wiener Walzer, den Angela und Marko Wessel im Trainingsraum der TSG Bünde tanzen, sieht für den Laien absolut perfekt aus. Dann, nach etwa 30 Sekunden, zerstört Tanzlehrerin Dasa Minarikova die Illusion. „Ihr kommt nicht richtig in den Fluss. Zuviel Spannung und zuviel Druck sind nicht gut", sagt sie und bittet die Tänzer vor den Spiegel. Hier werden jetzt Arm- und Körperhaltung korrigiert. Die Trainerin ist zufrieden. Es geht wieder auf die Tanzfläche, der Walzer wird zu Ende getanzt. „So, jetzt haben wir uns eingetanzt und wir können alle fünf Tänze durchtanzen." Die Begeisterung der Tänzer ist etwa so groß wie die von Schülern, denen soeben angekündigt wurde, dass gleich ein Vokabeltest geschrieben wird. Es ist unglaublich anstrengend Der entscheidende Unterschied: Die Tänzer sind freiwillig hier und nach Minuten wird deutlich, warum sich die Begeisterung Grenzen hält. Es ist unglaublich anstrengend. „Man sagt, das ein Wiener Walzer durchgetanzt so anstrengend wie ein 400-Meter-Lauf ist", sagt Angela Wessel. Aber wie bei jedem Sport – im Gegensatz zum Vokabeltest – stellt sich nach dem Tanzen die Zufriedenheit über das Erreichte ein, auch wenn der Schweiß auf der Stirn steht. Angela Wessel und Ehemann Marko tanzen eigentlich schon immer. „Als Schüler haben wir damit angefangen und das Tanzen für uns als gemeinsames Hobby entdeckt", sagt Marko Wessel. Ganz klassisch haben die zwei begonnen. In der Tanzschule den Grundkurs besucht und darauf dann immer mehr aufgebaut. Seit zehn Jahren sind die Wessels als Turniertänzer aktiv. Und das bedeutet Leistungssport auf dem Tanzparkett. „Zwei mal die Woche trainieren wir mit der Gruppe in Bünde, am Wochenende kommen Privatstunden dazu", sagt Angela Wessel. Ohne dieses intensive Training brauche man bei internationalen Turnieren nicht anzutreten. „Wenn man etwas erreichen will, muss man auch etwas investieren", sagt Marko Wessel. Das Ehepaar aus Mennighüffen tanzt auf den Turnieren in der Sonderklasse, der höchsten deutschen Tanzklasse. Getanzt werden Walzer, Wiener Walzer, Tango, Slow Fox und Quick Step. Der 115. Platz von 250 Teilnehmern Die Investitionen lohnen sich. Bei den German Open Championships (GOC) mit internationalem Teilnehmerfeld sind die Wessels bisher zweimal angetreten. „Zu den GOC kommt alles, was Rang und Namen in der Tanzszene hat. Die Paare reisen auch aus Australien und China an. Da war unsere beste Platzierung bisher der 115. Platz von 250 Teilnehmern. Und auch beim zweiten Mal haben wir mehr als die Hälfte des Feldes hinter uns gelassen. Damit sind wir schon sehr zufrieden", sagt Angela Wessel. Es gehe allerdings nicht nur um die Leistung auf den Turnieren. Marko Wessel: „Da herrscht immer eine tolle Atmosphäre und viele der Tanzpaare treffen wir immer wieder. Da sind schon Freundschaften entstanden. Am liebsten tanzen die Wessels den Slow Fox. „Den tanzen wir zu Liedern von Frank Sinatra oder auch zu passend arrangierten Versionen von Hits wie Happy von Pharell Williams." Mit dem Tanzen haben die Wessels das perfekte Hobby für sich gefunden. „Sich zu Musik auszudrücken ist einfach unser Ding", sagt Angela Wessel. Die sich gerne von ihrem Mann führen lässt. „Das ist beim Tanzen nun mal so." Und dann geht es wieder auf die Tanzfläche. Ein Quick Step steht jetzt auf den Trainingsplan und dem Reporter fällt der Satz ein, den Angela Wessel ihm auf dem Weg zur Tanzflächen zugerufen hat: „Du brauchst schnelle Füße." Wie wahr. Hier wird geflitzt und nicht geschlichen.

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