Farbenfroh und lebendig: Die Tänzer der Formation "El Grupo de Bailar" bei ihrem Auftritt im Theater im Park. Foto: Elke Niedringhaus-Haasper - © Elke Niedringhaus-Haasper
Farbenfroh und lebendig: Die Tänzer der Formation "El Grupo de Bailar" bei ihrem Auftritt im Theater im Park. Foto: Elke Niedringhaus-Haasper | © Elke Niedringhaus-Haasper

Bad Oeynhausen Auf Tuchfühlung mit dem Hüftschwung

Salsa in all seinen Facetten: Das Ensemble „Pasion de Buena Vista“ zeigt Tanzschülern wie es geht und begeistert danach das Publikum im Theater im Park mit seiner Show

Elke Niedringhaus-Haasper

Bad Oeynhausen. Etwas zaghaft legt Annegret Schacht ihre linke Hand auf den Oberarm ihres Mannes. Der umfasst mit seiner rechten Hand ihre Hüfte. Dann treffen sich ihre freien Hände in der Luft. Um die Frau seiner Wahl zu erobern braucht es aber mehr als das: Dieter Schacht muss ein wenig Macho spielen. Denn das gehört beim Salsa Tanzen einfach mit dazu. Sieben Tänzerinnen und Tänzer haben bei einer Verlosung der Tageszeitungen einen Tanzkurs gewonnen. Und dabei unter professioneller Anleitung die Grundschritte des lateinamerikanischen Tanzes gelernt. Am Abend dann konnten sie bei der Show „Pasion de Buena Vista“ erleben, was die Profis,bei denen sie am Nachmittag gelernt hatten, draufhaben. Ganz unvorbelastet sind Annegret und Dieter Schacht nicht, als Manuel Dannbacher, Produktionsleiter des lateinamerikanischen Ensembles, sie und ihre Mitstreiter im Theater im Park in Empfang nimmt. Zum einen, weil das Ehepaar bereits Kuba bereist hat und dort den landestypischen Tanz bewundern konnte. Und zum anderen, weil ihre Tochter ihnen über die Weihnachtstage ein paar Grundschritte daraus beigebracht hat. Die beherrscht auch Stephan Fritze schon und tanzt sie gelegentlich in den Sielterassen. „Der Schwung, die Dynamik und der Rhythmus gefallen mir sehr“, gibt Fitze zu. Für seine Partnerin Ulrike Plöger ist der Tanz hingegen völliges Neuland. Das ändert sich, als Jose-Luis Rodriguez-Pena, der Choreograf des Ensembles, mit seinen Schülern die Grundlagen einstudiert. Als erstes kommt die Armhaltung. Dann die Schrittfolge. Als das geklärt ist, erklingt die Musik und die Spannung steigert sich. Dann zeigt Rodiguez-Pena, wie es aussieht, wenn man den Salsa wirklich beherrscht. Klar, dass er ihn draufhat, den legendären Hüftschwung - das Markenzeichen des lateinamerikanischen Tanzes. Eine Stunde später gibt Manuel Dannbacher den Schülern einen griffigen Tipp mit auf den Weg: „Dran bleiben“. Eine Empfehlung, die Annegret und Dieter Schacht gerne beherzigen werden. „Das war super. Echt klasse“, schwärmt das Paar. Und freut sich schon auf das Gastspiel von „Pasion De Buena Vista“, deren Akteure gerade hinter der Bühne in ihre farbenfrohen Kostüme schlüpfen. Und ungefähr so muss es wohl gewesen sein, damals in den 20er Jahren, als die Zuckerarbeiter in Santiago de Cuba den wechselvollen Gesang ins Leben brachten. Oder dreißig Jahre später, als der Salsa das Land längst erobert hatte. Im Hintergrund der Bühne zieht sich eine breite Straße zwischen verlassen und etwas traurig wirkenden Mehrfamilienhäusern entlang, links am Rand steht ein hellblauer Straßenkreuzer aus den 40er Jahren - das Flair der Straßen von Kubas Hauptstadt Havanna. Davor entfaltet die siebenköpfige Band „Buena Vista“ eine abwechslungsreiche Mixtur aus nostalgischen Klassikern, melancholischen Balladen und lebendigen Volksweisen. Klar, dass dabei Evergreens wie »Guantanamera« und »Besame mucho« nicht fehlen dürfen. Nicht nur die Band, sondern auch die Solisten lassen dabei keine Wünsche offen. Acht leicht bekleidete Tänzerinnen in hoch geschlitzten Röcken und Tänzer in Schlaghosen und unter Hüten mit breiten Krempen kommen dazu und zeigen die hohe Kunst des Salsa Tanzes in all ihren Facetten. Trotz der ordentlichen Portion Sozialromantik ist das genau das Richtige für die Gäste im voll besetzten Theater im Park an diesem verregneten und ungemütlichen Abend. Da fehlt nur noch eine typische Cohiba Zigarre, so perfekt ist die Illusion. Nicht nur Annegret und Dieter Schacht sind schwer begeistert, sondern das gesamte Publikum geht ordentlich mit und feiert das Ensemble mit kräftigem Applaus.

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