Ausgelassen: Marlies Jogschies und Heinz Kowalzik mögen es gern flott auf der Tanzfläche. - © Jörg Stuke
Ausgelassen: Marlies Jogschies und Heinz Kowalzik mögen es gern flott auf der Tanzfläche. | © Jörg Stuke

Bad Oeynhausen Schwerpunkt Tanzen: Kaffee, Kuchen und ein flotter Foxtrott

Lokaldossier: Seit Jahrzehnten ist der Tanztee am Sonntagnachmittag in den Sielterrassen in Bad Oeynhausen ein fester Termin für Tanzfreunde

Jörg Stuke

In diesem Schwerpunkt sammelt die Bad Oeynhausener Redaktion eine Woche lang Artikel zum Thema "Tanzen". Die Beiträge drehen sich um Tanztee, Turniertanz, heimische Vereine, Ballett, Tanztrends und Breakdance. Dieser Artikel handelt von einem beliebten Termin: Der Tanztee am Sonntag. Bad Oeynhausen. Es sieht so leicht aus. Langsam, langsam, schnell, schnell. Geschmeidig führt Jürgen Grüning seine Partnerin Hannelore Meyer übers Parkett. Wenn die Kapelle Foxtrott spielt, dann kann der Kaffee auf dem Tisch ruhig kalt werden. Denn schließlich steht beim Tanztee in den Sielterrassen nicht das Heißgetränk, sondern die Bewegung vorne an. Rund 40 Männer und Frauen haben sich an diesem Nachmittag aufgemacht in die Gaststätte am Sielwehr. Seit Jahrzehnten ist sie sonntags die Adresse für Tanzfreunde. Das gediegene Dunkelrot der Wände und glitzernde Vorhänge signalisieren Tradition. Jürgen Grüning und Hannelore Meyer sind alle 14 Tage hier. Dass der 76-Jährige und seine zwei Jahre ältere Partnerin in dem Gewimmel auf der Tanzfläche auffallen, hat seinen Grund. Haltung, Rhythmus, Konzentration verraten den Profi: „Ich bin seit 30 Jahren Turniertänzer", gibt Grüning zu. Bei Grün-Gold-Herford hat er getanzt, „alle Klassen, bis zur Bundesliga." Hannelore Meyer dagegen tanzt einfach gern. „Schon als Kind". Der flotte Jürgen fiel ihr vor 17 Jahren beim Tanz im Siekertal auf. Den ersten Schritt ließ sie ganz bewusst den Herrn machen. Jürgen Grüning forderte sie auf, so wurden sie ein Paar – nicht nur auf der Tanzfläche. Stammgäste im „Sielpalais" Als Stammgäste im „Sielpalais", wie die Sielterrassen schon seit 17 Jahren offiziell heißen, genießt man besondere Vorteile. „Wenn die Kapelle sieht, dass wir da sind, spielt sie den ’Schwarzen Zigeuner’", berichten Meyer und Grüning. Ein Tango. Der neben Foxtrott und langsamem Walzer zu ihren Lieblingstänzen gehört. Erika und Klaus Cobernuß verlassen Tisch und Kaffeegedeck, um den Discofox mitzunehmen. Der mit Abstand beliebteste Tanz, das wissen Sängerin Mariana Georgieva und Keyborder Nikolay Minchev. „Die richtige Musikmischung ist wichtig", erklärt der männliche Teil der „Dooleys". Zwei mal Discofox hintereinander, dann mus was anderes kommen. Samba, Jive, Cha-Cha oder Foxtrott, das ist Minchevs Faustformel. Die bei den Cobernuß’ gut ankommt. „Richtig tanzen gelernt haben wir nie", sagt Erika Cobernuß. „Das haben wir uns selbst so beigebogen." Walzer, den kriegten sie auch noch hin, sagen sie. „Aber dann ist unsere Kunst auch schon am Ende". Dass das dem Spaß keinen Abbruch tut, beweisen die beiden 62-Jährigen, indem sie sich behände ins Getümmel stürzen. „Wir wollen uns bewegen", sagen sie. Und sind sicher: „Tanzen hält fit". Möglichkeiten zum Tanzen werden weniger Die Möglichkeiten, die sich zum Tanzen bieten, sind aber rar geworden. „Vor 40 Jahren gab es noch 20 Tanzlokale in Bad Oeynhausen", weiß Hartmut Jungmann, Inhaber des Siel-Palais. „Da war an jeder Ecke Schwof." Nicht nur, aber auch für die Kurgäste. Wie lange es den Tanztee im Siel schon gibt, weiß der 75-Jährige nicht. „Ich habe das Lokal vor 17 Jahren übernommen und den Tanztee weitergeführt", berichtet er. „Ich weiß aber, dass mein Schwiegervater hier schon in den 50er Jahren sonntagnachmittags getanzt hat." Heute ist der Sonntags-Tanztee im Siel das einzige derartige Angebot weit und breit, ist Jungmann überzeugt. Was Erika und Klaus Cobernuß bestätigen. „Zehn Jahre waren wir nicht hier", sagt Erika Cobernuß. Nun versuchen sie den Wiedereinstieg – mit sichtlicher Freude. Eine wirkliche Alternative haben die Bünder in der Region nicht entdeckt. Vor allem nicht am Sonntagnachmittag. „Aber da haben wir Zeit", sagt das Ehepaar. Drei Tische weiter springt Marlies Jogschies aus ihrem Stuhl und schießt aufs Parkett. Unternehmungslustig funkeln ihre Augen, als die Dooleys „Am Lago Maggiore" anstimmen. „Wenn was von den Amigos kommt, ist die Tanzfläche voll", sagt die Mindenerin. Fast jeden Sonntag ist sie hier, mit ihrem Partner Heinz Kowalzik. Die Atmosphäre gefällt ihr, auch die Musik. „Und man kennt sich untereinander", sagt sie. „Wir sind fast wie eine große Familie." Dicofox und Foxtrott mag sie. Alles was munter ist. Nur bei der Rumba, da setzt sie auch mal ganz gern aus. „Die ist zu langsam", findet Marlies Jogschies. Genau für solche Pausen gibt es ja Kuchen und Kaffee an den Tischen. Oder Tee.

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