Lücken: Eigentlich bräuchte die Hauptwache viel mehr Einsatzkräfte. Doch derzeit sind neun Stellen unbesetzt. Das führt zu Unmut bei den Verbliebenen. Foto: Thorsten Gödecker, Montage: Thomas Grundmann - © Thorsten Gödecker
Lücken: Eigentlich bräuchte die Hauptwache viel mehr Einsatzkräfte. Doch derzeit sind neun Stellen unbesetzt. Das führt zu Unmut bei den Verbliebenen. Foto: Thorsten Gödecker, Montage: Thomas Grundmann | © Thorsten Gödecker

Bad Oeynhausen Der Feuerwehr in Bad Oeynhausen fehlt Personal

Brandschutz: Auf der Hauptwache sind neun Stellen unbesetzt, weil der Arbeitgeber offenbar nicht attraktiv genug ist. Feuerwehrmänner sammeln Überstunden durch Sonderschichten. 72-Stunden-Woche ist Standard

Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen. Freizeit? Zeit für ein Hobby? Für die Familie? Fehlanzeige. Statt einer 48-Stunden-Woche absolvieren die Feuerwehrmänner auf der hauptamtlichen Wache derzeit rund 72 Stunden pro Woche. Aufgrund von fehlenden Aufstiegsmöglichkeiten und damit verbundenen geringeren Verdiensten haben nach NW-Recherchen mehr als zehn Mitarbeiter in den letzten anderthalb Jahren gekündigt. Im Gegenzug erfolgten genau zwei Neueinstellungen. Macht unterm Strich ein Defizit von neun Stellen. Die Folge: Mengen an Überstunden, kein Freizeitausgleich, hoher Krankenstand. Schon seit Anfang 2016 ist das Problem der fehlenden Einsatzkräfte offenbar in der Verwaltungsspitze bekannt. Stellenausschreibungen, die seit rund zwei Jahren in Feuerwehrmagazinen zu finden sind, bringen kaum Interessenten. Der Grund: eine zu geringe Bezahlung. Geringe Aufstiegsmöglichkeiten Mit einem Einstiegsgehalt nach A7 würden höchstens Berufsanfänger gelockt. Und für die bieten sich, so erfuhr die NW, in der Kurstadt nur sehr geringe Aufstiegsmöglichkeiten. Mindestens A8, eher aber A9 bieten dagegen andere Kommunen den Feuerwehrmännern. Plus ein besseres Dienstplanmodell und Aufstiegschancen. Azubis wurden in Bad Oeynhausen nicht übernommen, neue erst gar nicht ausgebildet. So wechselten allein acht Feuerwehrleute nach Hannover, wieder andere zur Kreisleitstelle in Herford. Letztere lockt mit einer Bezahlung mit mindestens A9 und guten Aufstiegsmöglichkeiten. Sehenden Auges schlitterte die Stadt offenbar in die Personalnot. Mitte des Jahres hatte jeder der verbliebenen Feuerwehrmänner im Schnitt 300 Überstunden auf dem Konto. Die wurden ausbezahlt. Doch in den letzten drei Monaten seien schon wieder an die 150 für jeden hinzugekommen, heißt es aus Feuerwehrkreisen. Auszubildende ab Sommer 2018 Die Feuerwehrmänner sind angefressen. „Das schlägt auf die Stimmung", sagen sie. Auch zu Hause. So schlecht war die Stimmung zuletzt im Sommer 2010, als die Ehefrauen mit einer Anzeige in der NW Alarm schlugen. Weil es mit dem damaligen Bürgermeister Klaus Mueller-Zahlmann Differenzen über das neue Dienstzeitenmodell gab, suchten sie per Anzeige einen „ein Wirkungskreis mit einem fürsorglichen Dienstherrn und einem arbeitnehmerfreundlichen Umfeld". Offenbar ist es fünf vor zwölf: „Noch vier Wochen, dann wird es wieder eine solche Anzeige geben", ließen die Feuerwehrmänner im NW-Gespräch verlauten. Länger machten die Familien das nicht mehr mit. „Wir kennen das Problem", gab Stefan Tödtmann, zukünftiger Beigeordneter und schon jetzt mit den Feuerwehraufgaben betraut, auf Nachfrage der NW zu. Es habe bereits Gespräche mit den Mitarbeitern gegeben. Für deren Unmut Tödtmann vollstes Verständnis hat. „Ich bin aber optimistisch, dass wir das hinbekommen." Zum Teil auch mit neuen Auszubildenden, die ab Sommer 2018 die Wache verstärken sollen. „Wir müssen schauen, welche Anreize wir den Feuerwehrleuten bei den neuen Ausschreibungen bieten können", so Tödtmann. So soll zum Beispiel geplant sein, den internen Beförderungsstopp aufzuheben und den ein oder anderen Mitarbeiter zu befördern, um Neuen einen besseren finanziellen Anreiz zu bieten. Tödtmann sieht aber derzeit einen schwierigen Arbeitsmarkt: „Es gibt einen großen Wettbewerb, weil viele Kommunen suchen." Viele Jüngere seien gegangen, weil sie an größeren Wachen vielfältigere Einsatzgebiete und bessere Aufstiegschancen hätten, bilanziert auch Tödtmann. Von den 58 Planstellen im Feuerwehrbereich sind zurzeit 49 besetzt. Im Rettungsdienst arbeiten 25 Kräfte. Dort fehlen laut neuem Rettungsdienstbedarfsplan fünf Personen. „Wir müssen das Personal um 14 aufstocken", erklärt er. Der neue Stellenplan soll mit dem Haushalt im Dezember verabschiedet werden. Dann könnte – zumindest in der Theorie – im Januar eingestellt werden.

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