Wird geschlossen: Schürmanns Backstube am Alten Rehmer Weg. - © Jörg Stuke
Wird geschlossen: Schürmanns Backstube am Alten Rehmer Weg. | © Jörg Stuke

Bad Oeynhausen Schürmann schließt Backstube

Handwerksbetrieb vor 114 Jahren gegründet: Inhaber finden keinen Nachfolger und können Konkurrenzdruck nicht länger standhalten. 41 Mitarbeiter haben Kündigung erhalten

Heidi Froreich

Bad Oeynhausen. Die Auszeichnung für das Kernbrot, die Jörg Schürmann von der Bäckerinnung im März erhielt (die NW berichtete) wird die letzte sein. Ende Januar wird Schürmann’s Backstube, einer der ältesten Handwerksbetriebe in der Stadt, geschlossen. Seit 114 Jahren hat der Familienbetrieb mit Stammsitz am Alten Rehmer Weg 78 Backwaren hergestellt. In dem von den beiden Brüdern Jörg und Dirk-Wilhelm in vierter Generation geführten Unternehmen sind derzeit 41 Mitarbeiter in sieben Filialen angestellt. In einer Betriebsversammlung wurden sie in der vergangenen Woche informiert. Alle Mitarbeiter, von denen einige schon weit über 30 Jahre bei Schürmanns arbeiten, haben eine Kündigung erhalten. „Unter Einhaltung der vertraglich vorgesehenen Fristen", betont Thomas Ludewig. Der Fachanwalt für Insolvenzrecht begleitet die Betriebsschließung. Wobei er Wert darauf legt, dass es sich bei dem Verfahren „nicht um eine Insolvenz, sondern um eine „unternehmerische Liquidation" geht, also um eine vorsorgliche Maßnahme zur Verhinderung einer möglichen künftigen Zahlungsunfähigkeit. Zwei Gründe sind nach Darstellung Ludewigs für das geplante Aus verantwortlich. Neben der erfolglosen Suche nach einem Nachfolger – auch außerhalb der Familie – sei der wachsende Konkurrenzkampf in der Backwarenbranche entscheidend. „Gegen den wachsenden Kostendruck, der insbesondere durch Discounter und Backfabriken aufgebaut wird, kann ein Handwerksbetrieb auf Dauer nicht anarbeiten", fasst er die Argumentation der beiden Betriebsinhaber Jörg und Dirk Schürmann zusammen. Beide wollten sich gegenüber der NW nicht persönlich äußern, ließen durch Ludewig aber ausrichten, dass „ihnen die Entscheidung sehr schwergefallen sei". Im Mai 1903 hatte ihr Urgroßvater Ernst Wilhelm Schürmann die Bäckerei als Ein-Mann-Betrieb in Vlotho gegründet. 1930 zog die Bäckerei an den Alten Rehmer Weg 76. In den ersten Jahren lieferte Sohn Ludwig-Wilhelm die Backwaren noch mit der Pferdekutsche in Rehme und Umgebung aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde zunächst das zur Bäckerei gehörende Lebensmittelgeschäft weiterausgebaut. 1973 eröffnete die Familie Schürmann einen der den ersten Supermärkte in der Stadt. Auch beim Backwaren-Verkauf setzte Ludwig-Wilhelm, der den Betrieb 1973 zusammen mit Doris Schürmann sowie Heinrich und Bärbel Harmening übernommen hatte, auf Expansion. Der Eröffnung der ersten Verkaufsstelle im Jahr 1983 folgten bis 2003 15 weitere. Als „Schürmann’s Backstube" im Mai ihren 100. Geburtstag feierte, wies das Unternehmen, das seit 1997 von Dirk-Wilhelm und Jörg Schürmann geführt wird, einen Jahresumsatz von 2,5 Millionen auf. 76 Mitarbeiter gehörten damals zum Betrieb, in dem längst nicht mehr nur wie zu den Gründerzeiten Schwarz-, Grau-, Weißbrot und Kassler gebacken wurde. Das Sortiment im Jubiläumsjahr umfasste rund 20 Brot- und 30 Brötchensorten. Wie bei den Mitarbeitern kündigt Ludewig auch bei den Filialen eine „geordneten Rückzug" an. Nach und nach werden die einzelnen Verkaufsstellen in den nächsten Monaten geschlossen. Den Anfang hat bereits vor drei Wochen das Geschäft in Oberbecksen gemacht. Ludewig: „Der Mietvertrag ist ausgelaufen". Ähnliche Konstellationen sollen auch an anderen Standorten die Schließung erleichtern. Die Backstube am Alten Rehmer Weg bleibt bis zuletzt in Betrieb. Bis dahin wird es auch das preisgekrönte Kernbrot geben.

realisiert durch evolver group