Gastgeber und Gastredner: Finanzexperte Bernd Raffelhüschen (Mitte) war auf Einladung von Volker Nolting (links) und Hubert Klose (rechts) beim 13. Zahlmann Forum im Theater im Park. - © Marten Siegmann
Gastgeber und Gastredner: Finanzexperte Bernd Raffelhüschen (Mitte) war auf Einladung von Volker Nolting (links) und Hubert Klose (rechts) beim 13. Zahlmann Forum im Theater im Park. | © Marten Siegmann

Bad Oeynhausen Vom Schreckgespenst der Altersarmut

Marten Siegmann

Bad Oeynhausen. Angst vor Altersarmut? Wenn sich eine Bevölkerungsgruppe vor Armut fürchten müsse, dann seien das die Kinder, sagt Bernd Raffelhüschen. Auf Einladung der Steuerberatungsgesellschaft Zahlmann Klose Nolting war der Professor für Finanzwirtschaft Gastredner beim 13. Zahlmann Forum im Theater im Park. Vor 300 geladenen Gästen sprach er über die Themen Rente, Zuwanderung und Zinsen. Vor allem die Rente sei "ein heißes Thema", sagt Gastgeber Hubert Klose. "Das geht alle etwas an." Ein heißes Thema - ja. Aber nach Ansicht von Raffelhüschen entbehre die Aussage, dass im Jahr 2050 die Hälfte der Rentner von Altersarmut bedroht sei, jeder Berechnungsgrundlage. "Das Verhältnis von jungen und alten Menschen im Jahr 2050 ist bereits heute deterministisch festgelegt", sagt er. "Wir können diesem Problem nicht mehr demografisch entgegenwirken." Und: Wenn Menschen länger leben, dann müssten sie auch länger arbeiten - "anders geht das nicht." Im Alter arm zu sein - diese Befürchtung sei jedoch nicht begründet, so der Finanzexperte. "Die Alten sind am wenigsten von Armut betroffen." Die Wahrscheinlichkeit, heute alt und arm zu sein, liege bei rund 3 Prozent - die eines Kindes bei 20. "Ein Kind ist also sieben Mal so häufig von Armut bedroht wie ein Alter." 2050 betrage die Wahrscheinlichkeit, im Alter arm zu sein, rund sechs Prozent. Es müsse unterschieden werden zwischen Angst vor Armut und davor, im Alter den eigenen Lebensstandard nicht sichern zu können. "Das ist das, worüber wir reden müssen." Die Rente sei ein sehr verlässliches Instrument, um tatsächliche Armut im Alter zu verhindern. "Aber wenn ich sage: Ich brauche im Alter zwei Drittel von dem, was ich vorher hatte, dann muss ich mich selbst darum kümmern." Die Zuwanderung könne die demografische Entwicklung kaum beeinflussen. "Zuwanderung ist gut", sagt Raffelhüschen, "wenn sie das ausgleicht, was wir nicht haben". Und ein Mangel herrsche vor allem an Kindern und qualifizierten Arbeitskräften. Steuerungsmechanismen seien dabei wichtig. Das sei zwar diskriminierend, ökonomisch betrachtet aber sinnvoll. Wichtig sei es, bei der Vorsorge nicht alles auf eine Karte zu setzen: "Wer über den Niedrigzins jammert, hat nicht verstanden, dass man nicht alles in einen Korb legen soll", so Raffelhüschen. "Wir haben den höchsten Realzins seit dem 19. Jahrhundert."

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