Opfer: Mohamed Jazara stammt aus Syrien und hat einen kleinen Lebensmittelladen eröffnet. Doch immer wieder sorgen Unbekannte für Ärger – jüngst haben sie die Wände besprüht. Foto:Nicole Sielermann - © Nicole Sielermann
Opfer: Mohamed Jazara stammt aus Syrien und hat einen kleinen Lebensmittelladen eröffnet. Doch immer wieder sorgen Unbekannte für Ärger – jüngst haben sie die Wände besprüht. Foto:Nicole Sielermann | © Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen Staatsschutz ermittelt nach Schmierereien am „Syrian House“ in Bad Oeynhausen

Der Lebensmittelladen von Mohamed Jazara sollte Flüchtlingen und Einheimischen einen Anlaufpunkt bieten – nun lebt der Inhaber in Angst

Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen. Es ist ein Kommen und Gehen im kleinen Lebensmittelladen von Mohamed Jazara. Direkt an der Eidinghausener Straße hat der Syrer vor zwei Monaten sein „Syrian House" eröffnet. Schon vor der Eröffnung flogen Steine, nun haben Unbekannte erneut zugeschlagen und Wände und Imbisswagen beschmiert. Mehrmals ist der Buchstabe „X" und das Wort „raus" in schwarzer Sprühfarbe zu sehen. Der Staatsschutz ermittelt. Doch Jazara hat wenig Hoffnung, dass die Täter gefasst werden. Dabei hat der Syrer, der aus Aleppo stammt und seit fünf Jahren in Bad Oeynhausen lebt, den Gebäudekomplex an der Eidinghausener Straße in guter Absicht übernommen. „Ich möchte Flüchtlingen aus meiner Heimat helfen", sagt er. Die sollen in seinem Shop günstig einkaufen können. „Produkte, die sie kennen." Direkt nebenan – in der ehemaligen Diskothek – sollen ein Restaurant und ein Jugendzentrum entstehen. Momentan allerdings weiß Mohamed Jazara gar nicht, ob er überhaupt weiter machen will. „Als ich angefangen habe, war ich zu 300 Prozent motiviert – jetzt . . .", winkt der junge Mann ab. Er sei des Ärgers müde, sagt Jazara, der fließend Englisch spricht und dessen Familie in Syrien in der Naturdarmbranche aktiv war. „Ich bin die dritte Generation", sagt er. Seit fünf Jahren lebt Jazara mit seiner Ehefrau und den drei Kindern (4,10 und 14) in der Kurstadt. Probleme habe die Familie nie gehabt. „Erst seitdem ich den Laden eröffnet habe", sagt er resigniert und schaut sich in seinem einladenden kleinen Geschäft um. „Das sollte mir Freude machen – ist aber ein Alptraum geworden", sagt Jazara und schüttelt den Kopf. „Allmählich habe ich das Gefühl, das irgendjemand etwas gegen uns Syrer hat", mutmaßt Mohamed Jazara. Warum weiß er nicht. Bei ihm seien alle willkommen – auch die alteingesessenen Kurstädter. „Ich habe meine ganze Hoffnung auf das Geschäft gesetzt – ich will schließlich nicht wieder zum Sozialamt." Doch alleine sieht Jazara derzeit wenig Hoffnung, die Probleme zu stemmen. „Ich fühle mich allein gelassen", sagt er. Auch von den Behörden.

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