Zerbrochen: Mohamed Jazara (36) zeigt einen Pflasterstein, mit dem Unbekannte die Schaufensterscheibe seines neuen orientalischen Lebensmittelladens eingeworfen haben. - © Ulf Hanke
Zerbrochen: Mohamed Jazara (36) zeigt einen Pflasterstein, mit dem Unbekannte die Schaufensterscheibe seines neuen orientalischen Lebensmittelladens eingeworfen haben. | © Ulf Hanke

Bad Oeynhausen Glasbruch vor der Eröffnung

Kriminalität: Unbekannte haben das Schaufenster eines orientalischen Lebensmittelladens eingeworfen. Der Staatsschutz ist eingeschaltet. Das „Syrian House“ soll Gaststätte und privates Jugendzentrum werden

Ulf Hanke

Bad Oeynhausen. Die Fassade ist frisch gestrichen, die meisten Regale sind eingeräumt, die Tiefkühltruhen stehen bereit und doch kann Mohamed Jazara seinen orientalischen Lebensmittelladen an der Eidinghausener Straße 15 nicht öffnen: Unbekannte haben ein Schaufenster eingeworfen. Wenige Tage später wurde auch noch eine Tür demoliert. Die Polizei ermittelt, der Staatsschutz ist eingeschaltet. Jazara wartet jetzt auf die neue Schaufensterscheibe. „Dann können wir eröffnen", sagt der 36-jährige Syrer. Eigentlich wollte er schon vor Beginn des Fastenmonats Ramadan die Türen öffnen. „Immer wieder halten Araber vor der Tür und fragen, wann es losgeht", erzählt Jazara. Der Lebensmittelhändler stammt aus Aleppo und lebt noch nicht lange in Deutschland. Er spricht fließend Englisch und erzählt von seinen Plänen für das „Syrian House": Hier soll eine Anlaufstelle für arabischsprechende Flüchtlinge entstehen. Jazara will in dem Haus eine Gaststätte mit Festsaal und einen privates Jugendzentrum errichten. Es soll sein zweites Standbein werden. Eigentlich betreut er mit seiner Frau arabischsprechende Patienten und deren Angehörige, wenn sie zum Gesundheitscheck oder einer Operation nach Bad Oeynhausen einfliegen. Der Scheibenbruch hat sich bereits vor zwei Wochen ereignet, in der Nacht von Samstag, 18. Juni, auf Sonntag, 19. Juni. Gegen Mitternacht haben offenbar zwei Zeugen einen Unbekannten mit „südländischem Aussehen" beobachtet, der sich von dem „Syrian House" entfernte. Das berichtet die Polizei auf Nachfrage. Eine NW-Leserin hatte sich über die zerstörten Scheiben gewundert und vermutete einen fremdenfeindlichen Hintergrund für die Tat. Die Polizei hat allerdings nach Auskunft von Pressesprecher Ralf Steinmeyer keine unmittelbaren Hinweise darauf gefunden: „Harte Fakten dazu gibt es nicht." Dennoch ist mittlerweile der Staatsschutz der Polizei Bielefeld über den Vorfall informiert worden. Mohamed Jazara selbst glaubt nicht an eine fremdenfeindliche Tat, wie er im Gespräch mit der NW bekräftigt. Von den zerbrochenen Scheiben will sich der 36-jährige aber in keinem Fall aufhalten lassen. Er hat große Pläne für das Gebäude, das einem Immobilienbesitzer aus Hannover gehört. Neben dem orientalischen Lebensmittelladen will Jazara auch ein orientalisches Restaurant mit großem Festsaal einrichten und im Keller, in dem mal eine Diskothek, zuletzt aber nur eine Kneipe mit mehreren Billardtischen war, soll ein privates Jugendzentrum entstehen. Der Fußboden ist bereits erneuert. Jazaras Geschäftspartner Beji Sassi erklärt das Konzept: „Es soll ein Ort des Austausches für Araber und Deutsche werden." Die Billardtische sind noch da. Zuvor müssen die Räumlichkeiten jedoch komplett entrümpelt werden. An Tischen und Wänden klebt die Patina von jahrzehntelangem Bier- und Zigarettenkonsum. Mehrere Zapfanlagen in dem Haus sind jetzt überflüssig, denn Alkohol soll hier nicht mehr ausgeschenkt werden, stellt der neue Pächter klar. Mohamed Jazara hat jedoch erst einmal ganz andere Sorgen: Die neue Glasscheibe kostet mindestens 1.000 Euro, schätzt er. Und sie muss erst noch angefertigt werden. Wenn sie geliefert wird, soll der Lebensmittelhandel unter verschärften Sicherheitsmaßnahmen starten: Mehrere Überwachungskameras sind bereits bestellt und müssen nur noch installiert werden. Und die demolierte Tür muss auch noch ersetzt werden.

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