Da ist das Stroh noch Gras: Landwirt Friedrich Meyer (l.) zeigt Kerstin, Maurice (3) und Uwe Darlath aus Gohfeld unterschiedliche Getreidesorten auf seinem Hof in Wulferdingsen. - © Ulf Hanke
Da ist das Stroh noch Gras: Landwirt Friedrich Meyer (l.) zeigt Kerstin, Maurice (3) und Uwe Darlath aus Gohfeld unterschiedliche Getreidesorten auf seinem Hof in Wulferdingsen. | © Ulf Hanke

Bad Oeynhausen Zum Anbeißen

Landpartie: Bauernhöfe in Volmerdingsen und Wulferdingsen haben die Scheunentore fürs breite Publikum geöffnet

Ulf Hanke

Bad Oeynhausen. Der Gaul mag Gras. Gierig reckt das Pferd den Kopf über die Mauer an der Reitanlage Lohoff und lutscht mit den Lippen ein Büschel Halme aus der Hand des Vierjährigen. Diego Fernado erschrickt kurz und ist dann hellauf begeistert. Solche und ähnliche Landerfahrungen machten Sonntag viele Teilnehmer der Radtour der Landfrauen aus dem Kreis Minden-Lübbecke zu Bauernhöfen in Volmerdingsen und Wulferdingsen machen. Acht landwirtschaftliche Betriebe hatten ihre Scheunentore fürs breite Publikum geöffnet. Der Tag sollte ein Schautag für die moderne Landwirtschaft sein, aber auch auf wachsende Probleme wie den Landfraß oder das Höfesterben aufmerksam machen. Vor Ort stand dann aber klar die Selbsterfahrung im Mittelpunkt. Viele Besucher nutzten das Angebot als willkommenen Anlass für eine Familienfahrradtour zum vorgezogenen Erntedank. Martina Berger zum Beispiel packte Mann und Maus aufs Rad und zuckelte von Hof zu Hof. Schwer begeistert war die Bad Oeynhausenerin von der Bauernhof-Rallye auf Hof Meyer. Sechs Stationen konnten die Besucher dort abklappern und sich unter anderem im Melken ausprobieren, wenn auch nicht an einer echten Kuh. Ihr sechsjähriger Sohn Louis Berger dagegen war gestern von etwas ganz anderem hingerissen. Er saß auf Hof Müller im Cockpit eines 135 PS starken Treckers und hat unter Aufsicht der Landjugend die Hupe gedrückt. Ein starkes Geräusch und wohl auch ein nachhaltiges Erlebnis. Was hätte Louis wohl erst zum Treckerkorso der Landjugend gesagt? 24 Traktoren hatten sich am Mittag nach dem Gottesdienst auf den Weg vom Wittekindshof zur Landmaschinenausstellung auf Hof Müller gemacht. Der Bundestagsabgeordnete Steffen Kampeter hatte vorab versprochen: Für jedes mobililiserte PS gibt es eine Spende an die Stiftung Deutsche Knochenmarkspende. Setzt man für jedes PS einen Euro an, käme ein hübsches Sümmchen zusammen: Nach Angaben von Landjugend-Chef Stefan Schmidt brachte der landwirtschaftliche Nachwuchs 2.780 PS auf die Reihe. So viele Pferdestärken hätte sich am Ende der Tour mit ihren acht Stationen wohl auch der eine oder andere Radfahrer gewünscht. Bis zum Hof Stuke war es ein hügeliger und weiter Weg. Als Entschädigung lockten in Schnedingsen 8 allerdings vielversprechende Kürbisrezepte. „Wir sind nahezu leergekauft“, sagte Marion Stuke. Die Erntezeit der Kürbisse ist dieses Jahr blendend verlaufen. Trotzdem hat die Kürbiskundlerin noch eine ganze Menge überaus interessanter Exemplare für neugierige Besucher zurückgehalten: Darunter Spaghettikürbisse, Butternutkürbisse, Mikrowellenkürbisse, Turban- und Squash-Kürbisse. Bei der abschließenden Tombola auf der Reitanlage Lohoff zogen die Glücksfeen Romy und Lily den elfjährigen Jon Trampler als Hauptgewinn. Der Eidinghausener bekam einen Gutschein für eine Fahrt im Heißluftballon. Allerdings ist noch unklar, ob er die Reise auch antreten darf. Seine Mutter war schon Feuer und Flamme. Sie hatte allerdings kurz zuvor noch einen deutlich bäuerlicheren Gewinn eingefahren: einen Sack Kartoffeln.

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