Künstlerin Bianka Stiegemeier malte gegen ihre Depression an.
Künstlerin Bianka Stiegemeier malte gegen ihre Depression an.

Bad Oeynhausen Kunst im Einsatz gegen Depressionen

Ausstellung in der Fortbildungsakademie der Wirtschaft im Lenné-Karree

Bad Oeynhausen (nw). So unterschiedlich die Menschen und die Gründe für Depressionen sind, so unterschiedlich sind auch die Wege heraus. Dies stellte auch die Bianka Stiegemeier fest, als sie vor knapp zwei Jahren durch einige unglückliche Ereignisse aus der Bahn geworfen wurde. Doch dann kämpfte sie gegen die aufsteigende Depression – und malt, um nicht zu verzweifeln.

"Eine Gesprächstherapie war für mich überhaupt nicht das Richtige", stellte Stiegemeier nach ihrem dritten Psychotherapeuten fest. Stattdessen fand sie den Zugang zur Malerei bei einem Klinikaufenthalt.

Während sie die zumeist abstrakten Bilder auf der Leinwand gestaltet, hört die gelernte Arzthelferin gerne laute Musik. "Es darf nicht still sein, dann bin ich nicht kreativ", so die gebürtige Wolfsburgerin. Wenn es mal wieder laut wird im Hause Stiegemeier, spielt das keine große Rolle. Ehemann und zugleich größter Unterstützer Ralf hat für seine Frau sofort den Heizungskeller leer geräumt. Dort befindet sich nun der kleine Hobby- und Gestaltungsraum der Künstlerin.

"Im vergangenen Jahr habe ich bereits auf dem Eidinghausener Weihnachtsmarkt verkauft und ausgestellt. Ein tolles Gefühl nach der langen Durststrecke der Depression."

Im Moment sind einige Leihgaben der Künstlerin in den Räumen der Fortbildungsakademie der Wirtschaft im Lenné-Karree ausgestellt. Dort arbeiten die Mitarbeiter des Bildungsdienstleisters mit psychisch belasteten Rehabilitanden, um diesen einen beruflichen Wiedereinstieg zu ermöglichen.

"Bei einem Maler, der malen muss um seinen Lebensunterhalt zu sichern, ist die Gefahr groß, dass das Scheitern die Psyche angreift. Wer aber noch nie ein Bild gemalt hat und unter Anleitung eine schöne Landschaft auf Papier bannt, hat hingegen ein Erfolgserlebnis – und das wirkt aufbauend", erklärt Psychologe Sebastian Austrup. Die Ausstellung ermuntert die Teilnehmer, mutig zu sein und Neues auszuprobieren. Außerdem dient es ganz nebenbei zur Lockerung und kann eine Erholungspause sein zum stressigen Alltag.

"Wenn ich jemandem durch meine Bilder Kraft geben kann und ihm eine neue Idee der Verarbeitung zeigen konnte, dann bin ich sehr glücklich", freut sich die Künstlerin Stiegemeier über die Ausstellung.

Gleich zwei Teilnehmerinnen haben sich schon anstecken lassen: In einigen Wochen werden erste selbst gestaltete Bilder im Lenné-Karree zu sehen sein.

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