Lebt in Berlin: Bruno Müller-Oerlinghausen, Sohn des in der Bergstadt geborenen bekannten Bildhauers Berthold Müller-Oerlinghausen, hat als Facharzt lange an der Freien Universität Berlin gelehrt. Im März wird er 80 Jahre alt. Derzeit bastelt er mit einem jungen Verwandten der Müllerschen Familie am Stammbaum. - © Karin Prignitz
Lebt in Berlin: Bruno Müller-Oerlinghausen, Sohn des in der Bergstadt geborenen bekannten Bildhauers Berthold Müller-Oerlinghausen, hat als Facharzt lange an der Freien Universität Berlin gelehrt. Im März wird er 80 Jahre alt. Derzeit bastelt er mit einem jungen Verwandten der Müllerschen Familie am Stammbaum. | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Was macht eigentlich Bruno Müller-Oerlinghausen?

Singen mit Nervenärzten

Karin Prignitz

Oerlinghausen. Als Kind war Bruno Müller-Oerlinghausen oft in Oerlinghausen, und wenn er sich heute zurückerinnert, dann sind es insbesondere die vielen Beerdigungen der zahlreich vorhandenen Verwandtschaft, die ihm im Gedächtnis geblieben sind. Noch heute ist ihm die Frage seines schwerhörigen Verwandten Hugo präsent. Der wollte mit dem Hörrohr am Ohr von Brunos Vater wissen: "Sag mal Berthold, wen beerdigen wir denn eigentlich heute?" Aufgebahrt wurde im Wintergarten der Weber-Villa, dort, wo heute die Außenstelle des Standesamtes einen historischen Platz gefunden hat. Dieser schon damals besondere Ort mit seiner großen Fensterfront regte seinerzeit einen Jungen aus der Müllerschen Verwandtschaft, der einen älteren Besucher durch den Park führte, zu folgender Aussage an: "Und hier bewahren wir immer unsere Leichen auf." Apropos Verwandtschaft. "Unter der strengen Observation von Onkel Georg (Müller) mussten wir Kinder die Mitglieder der Familie rauf und runter lernen", erzählt Bruno Müller-Oerlinghausen, der erst im vergangenen Jahr dabei war, als sein Vetter Gert Müller zu Grabe getragen wurde. "Er war lange Zeit zusammen mit Hans-Gerd Warneken Geschäftsführer von Ceweco." Sein Vater, der Bildhauer Berthold Müller-Oerlinghausen, hat in seiner Geburtsstadt eine Reihe von Kunstwerken hinterlassen, beispielsweise im Weberpark. Zusammen mit seiner ersten Frau Jenny Wiegmann hat er aber auch die Antoniuskapelle gestaltet. "Zurzeit wird in Berlin eine größere Ausstellung über ihre Arbeiten vorbereitet", erzählt Bruno Müller-Oerlinghausen, der in der Hauptstadt aufgewachsen ist und dort heute noch lebt. "Da spielt die Kapelle natürlich eine große Rolle." Er selbst kümmert sich derzeit um den voluminösen künstlerischen Nachlass seines Vaters, der seit Kriegsende in Kressbronn am Bodensee gelebt hat. "Eventuell soll dazu ein Verein gegründet werden." Bruno Müller-Oerlinghausen ist über Umwege zur Medizin gekommen. Als Facharzt für Pharmakologie und Toxikologie sowie Klinische Pharmakologie mit Schwerpunkt in der Psychopharmakologie hat er an der Freien Universität Berlin gelehrt. Lange Zeit war er im Vorstand der Arzneimittelkommission der Bundesärztekammer, die er mehr als zwölf Jahre geleitet hat. Er gehört dem Expertenbeirat für Arzneimittel der Stiftung Warentest an und ist in der Redaktion der Zeitschrift "Gute Pillen, Schlechte Pillen" tätig. Am 7. März feiert der emeritierte Professor seinen 80. Geburtstag. Seit drei Jahrzehnten konzertiert der Schirmherr des "MendelssohnKammerChor Berlin" regelmäßig als Flötist. "Mit 50 hatte ich das Glück, nochmals eine wunderbare Lehrerin zu finden." Außerdem singt er in dem vom ihm mit begründeten  Pop-Chor "The Singing Shrinks", der ausschließlich aus Nervenärzten und Psychologen besteht." Derzeit bastelt Bruno Müller-Oerlinghausen mit einem jungen Verwandten der Müllerschen Familie, der im Elternhaus in Kressbronn wohnt und in Friedrichshafen studiert, am Familienstammbaum. "Dabei kommt man immer wieder auf die Spuren von Max Weber", den Soziologen und berühmten Sohn der Stadt. Überhaupt findet es Bruno Müller-Oerlinghausen aufregend, dass mit Weber, Luhmann und Grathoff gleich drei namhafte Soziologen in der Bergstadt gelebt haben. Eines muss am Ende unbedingt noch erklärt werden. Was hat es mit dem Namen Müller-Oerlinghausen auf sich, "den im Ausland kaum jemand aussprechen kann". Sein Vater sei als Bildhauer in Berlin für viele "der Müller aus Oerlinghausen gewesen", erläutert der Sohn. Auch wegen des Unterscheidungsmerkmals sei in den 60er Jahren die Idee entstanden, den Namen erblich zu machen. Die Familie war wenig begeistert, die Stadt musste gefragt werden. Der Vater Künstler, zum Katholizismus konvertiert und politisch nach dem traumatisch erlittenen Ersten Weltkrieg deutlich antinationalistisch ausgerichtet: "Das war für manche Oerlinghauser Bürger etwas viel." Das mit dem Namen hat trotzdem geklappt. Warum genau, da kann der Sohn nur spekulieren, aber er hätte da eine Idee . . . ZULETZT VORGESTELLT Der pensionierte Professor Horst Oberquelle sowie Ehrenamtsvorbild Heidi Weiken, FDP-Politiker Hans-Gerd Warneken, die einstige Konrektorin der Heinz-Sielmann-Schule, Helga Fraune-Monzen, Pia Piepenbreier, die einstige Leiterin der städtischen Musikschule Oerlinghausen, der ehemalige Leiter des Archäologischen Freilichtmuseums Oerlinghausen, Martin Schmidt, Dieter Wintzer, der im Alten Gasthaus Nagel aufgewachsen ist, der frühere Leiter des Musikvereins Oerlinghausen, Martin Fugmann, Bildhauer Bruno Buschmann.

realisiert durch evolver group