Naturverbunden: Bruno Buschmann liebt es, mit seiner Frau Pilze zu sammeln. Im Korb liegen Maronen und Reizker. Nach wie vor übernimmt der Bildhauer aber auch Aufträge. Gerade hat er eine zwei Meter bronzene Flüchtlingsfrau gefertigt. Das kleine Modell steht neben ihm, dahinter zwei Frauengestalten, die noch gegossen werden müssen. - © Karin Prignitz
Naturverbunden: Bruno Buschmann liebt es, mit seiner Frau Pilze zu sammeln. Im Korb liegen Maronen und Reizker. Nach wie vor übernimmt der Bildhauer aber auch Aufträge. Gerade hat er eine zwei Meter bronzene Flüchtlingsfrau gefertigt. Das kleine Modell steht neben ihm, dahinter zwei Frauengestalten, die noch gegossen werden müssen. | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Pilze sind seine Leidenschaft

WAS MACHT EIGENTLICH . . . ? Bildhauer Bruno Buschmann hat sich in die Heimatstadt seiner Frau verliebt. Dort hat er sogar schon Angela Merkel zugewunken

Karin Prignitz

Oerlinghausen. Auf dem großen Holztisch im Werkraum liegt ein langgezogenes Bild. Eine imposante Häuserreihe an der Langen Brücke (Dlugie Pobrzeze) in Danzig ist darauf zu sehen. Davor fließt die Mottlau (Motlawa). "Besucher aus der ganzen Welt kommen hierher", erzählt Bruno Buschmann. Eines der Bürgerhäuser hat der Vater seiner zweiten Frau Wiesia dort nach dem Krieg gebaut. Ganz in der Nähe des Rathauses liegt es und ist zum zweiten Zuhause für den Bildhauer geworden. Vor 87 Jahren ist Bruno Buschmann in Gütersloh auf die Welt gekommen und bis zu seinem 14. Lebensjahr in Verl aufgewachsen. In Oerlinghausen lebt er seit beinahe sieben Jahrzehnten. Den Brunnen vor dem Rathaus hat er gefertigt und den Papageienbrunnen vor der Melmschen Apotheke, ebenso das Ehrenmal an der Alexanderkirche, die Aluminiumreliefs im Eingangsbereich des Niklas-Luhmann-Gymnasiums, den Bronze-Taufstein in der Helpuper Kirche oder den Meditationsweg zwischen der St.-Hedwigs-Kapelle und dem St.-Hilfe-Kreuz auf dem Tönsberg. Nach wie vor ist er aktiv, nimmt Aufträge an, "aber an großen Wettbewerben nehme ich nicht mehr teil", erzählt der 87-Jährige. "Auch das Bronzegießen habe ich aufgegeben." Die Formen sind ihm mittlerweile einfach zu schwer, "ich habe eine Gießerei gefunden", denn der Rücken spielt nicht mehr mit, die Knie zwicken. "Ich darf nichts mehr tragen." Deshalb muss eine gerade gefertigte Holzstele mit Relief aus Zinn auch warten "bis ein starker Kumpel kommt". Früher, sagt Bruno Buschmann, "habe ich alles mit links und alleine gemacht". Aber das Alter fordere halt seinen Tribut. Trotzdem lässt er es sich nicht nehmen, Rohgüsse selbst zu überarbeiten. "Manchmal arbeite ich noch ganze Tage, an anderen suche ich lieber Pilze", erzählt er von seiner zweiten großen Leidenschaft. Als Wiesia Buschmann mit einem Korb voller Maronen und Reizkern hereinkommt, huscht sofort ein Lächeln über das Gesicht des Bildhauers, das sich in den vergangenen Jahrzehnten kaum verändert hat. Dass es ihm, abgesehen von den paar Wehwehchen, gut geht, führt Buschmann unter anderem auf die Kochkünste seiner Frau, mit der er seit 21 Jahren verheiratet ist, zurück, "die sind wirklich einmalig". Lange Spaziergänge unternehme die beiden, sammeln Pilze oder fahren gemeinsam nach Danzig. "Das Haus dort haben wir komplett renoviert." Noch vor ein paar Jahren hat Bruno Buschmann in Oerlinghausen eine Treppe in seinem Atelier gefertigt "und sie nach Danzig gefahren". Jetzt, wo alle Arbeiten erledigt sind, freut er sich, wenn Freunde vor der Tür stehen. "Das ist jedes Mal eine schöne Überraschung." Wenn das Paar gerade nicht in Polen ist, dann bei Tochter und Enkeln in Frankreich oder auf großer Reise durch Sibirien oder China. Und dann gibt es da noch eine dritte Leidenschaft, das Lesen zeitnaher Literatur. "Wenn wir in Polen sind, kaufe ich mir außerdem die großen Zeitungen, damit bin ich zwei Tage beschäftigt." Einmal hat er diese Lesestunde unterbrochen. Am Tag, als Angela Merkel zu Besuch in Danzig war, standen Buschmanns auf ihrem Balkon. Dass das sogar im Fernsehen zu erkennen war, haben sie erst nach ihrer Rückkehr nach Oerlinghausen erfahren. ZULETZT VORGESTELLT Der pensionierte Professor Horst Oberquelle sowie Ehrenamtsvorbild Heidi Weiken, FDP-Politiker Hans-Gerd Warneken, die einstige Konrektorin der Heinz-Sielmann-Schule Helga Fraune-Monzen, Pia Piepenbreier, die einstige Leiterin der städtischen Musikschule Oerlinghausen, der ehemalige Leiter des Archäologischen Freilichtmuseums Oerlinghausen, Martin Schmidt, Dieter Wintzer, der im Alten Gasthaus Nagel aufgewachsen ist, und der frühere Leiter des Musikvereins Oerlinghausen, Martin Fugmann.

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