Familienbetrieb: Wilfried Koch, Hans Siekmann Junior, Erika Siekmann, Manuela Siekmann und Volker Siekmann (v.l.) stehen vor den Zapfsäulen auf dem Tankstellengelände an der Bielefelder Straße. - © Karin Prignitz
Familienbetrieb: Wilfried Koch, Hans Siekmann Junior, Erika Siekmann, Manuela Siekmann und Volker Siekmann (v.l.) stehen vor den Zapfsäulen auf dem Tankstellengelände an der Bielefelder Straße. | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Zapfsäule in Familienhand

Geschäfte mit Geschichte (13): Wilhelm Siekmann hat Anfang der 1920er Jahre die erste Tankstelle zwischen Bielefeld und Detmold an der B 66 eröffnet. Bald kommt Autogas

Karin Prignitz
Lange her: Eine Kundin ist mit ihrem VW-Käfer mit dem damaligen Lemgoer Kennzeichen vorgefahren. - © Foto: privat
Lange her: Eine Kundin ist mit ihrem VW-Käfer mit dem damaligen Lemgoer Kennzeichen vorgefahren. | © Foto: privat

Oerlinghausen. "Mein Opa war einer der ersten Helpuper, die ein Auto hatten", erzählt Volker Siekmann. Mit einem Chevrolet-Kastenwagen kurvte Wilhelm Siekmann damals durch den Ort, stieg später auf einen Opel Blitz Eintonner und dann auf den ersten Krupp mit 110 Pferdestärken unter der Haube um. Auch beruflich nahm Siekmann eine Vorreiterrolle ein. "Er hatte eine kleine Spedition, hat Lkw repariert, damit hat alles angefangen", sagt der Enkel. Im Juni 1922 eröffnete Wilhelm Siekmann gemeinsam mit seiner Frau Mathilde eine Olex-BP-Tankstelle an der Lageschen Straße (neben den Vogelsängerstudios) und war anderen damit wieder einen Schritt voraus.

"Damals war das die erste Tankstelle zwischen Detmold und Bielefeld", bestätigt der Enkel. Sein Onkel Wilfried Koch (80), der die Geschäfte jahrzehntelang gemeinsam mit seiner Frau Marga sowie mit Hans und Erika Siekmann führte, hat die Historie schriftlich und im Bild festgehalten.

"Anfangs gab es eine kleine Zapfsäule. Wenn jemand tanken wollte, hat er gehupt, das war das Zeichen für den Tankwart." Heute unvorstellbar. Auch, dass die Preise nur ein paarmal im Jahr stiegen oder fielen.

"Mittlerweile ändern sie sich sieben- bis achtmal am Tag, da müssten wir extra jemanden einstellen", sagt Volker Siekmann (52) und muss beim Gedanken, dass alle paar Stunden jemand auf eine Leiter klettert und die Zahlen austauscht, grinsen. Getankt wurde in der ersten Zeit Benzin, das unterirdisch gelagert werden musste. 1926 kam eine zweite Zapfsäule hinzu und bald auch Dieseltreibstoff. "1958 hat der Liter 27 Pfennige gekostet", erinnert sich Wilfried Koch. Angegliedert war eine kleine Kfz-Werkstatt, denn die Motorisierung nahm zu.

Als der Platz Anfang der 50er Jahre nicht mehr ausreichte, wurde das Transportgeschäft an die beiden ältesten Söhne überschrieben und Wilhelm Siekmann baute am Ortsausgang an der Bielefelder Straße auf einem 10.000 Quadratmeter großen Grundstück eine neue Tankstelle, eine Werkstatt und auch eine Waschhalle sowie eine Raststätte. "Wegen ihrer leckeren selbst gekochten Eintöpfe und dem besonders guten Kaffee", betont Volker Siekmann, "ist sie bei Fernfahrern bekannt." Damals wie heute. Wilfried Koch denkt an die Zeit von 1952 bis 1957, als die Tankstelle an der Bundesstraße 24 Stunden geöffnet hatte. "Das war eine Seltenheit in der Zeit." Heute können Kunden den Service von 6 bis 22 Uhr nutzen.

Zum normalen Service gehörte es noch bis zum Sommer 1980, dass ein Fachmann die Autos der Kunden betankte, dass die Scheiben geputzt und der Ölstand kontrolliert wurde. "Mittlerweile haben sich die Leute daran gewöhnt, selbst zu tanken", sagt Manuela Siekmann (51), die für das Büro zuständig ist. Mit ihrem Mann Volker und ihrem Schwager Hans hat sie im Jahr 2000 die Geschäftsführung von Siekmann & Koch übernommen. Mutter Erika (76) ist aushilfsweise ebenfalls noch aktiv. Bruder Hans betreut Shop und Tankstelle. Ein Familienunternehmen, das mit Timo (24), der derzeit Fahrzeugtechnik und -Elektronik studiert  und Umwelttechnik-Student Luca (20) Siekmann auf die vierte Generation zusteuert.

Bereits 1971 war ein 500.000 Liter fassender Heizöltank auf dem Tankstellengrundstück eingerichtet worden. Heute wird das Mineralöl mit drei Tankzügen zu den Kunden gebracht. Zweimal wurde umgebaut und erweitert. Der Shop-Bereich ist heute doppelt so groß. Geplant sind für dieses Jahr eine Autogas-Zapfsäule und eine AdBlue-Zapfstelle. Insgesamt sind bei Siekmann & Koch 15 Mitarbeiter beschäftigt.

Information

Die Serie

In unserer Serie „Geschäfte mit Geschichte" bieten wir Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, viele Hintergrundinformationen über Geschäfte in Oerlinghausen, in denen Sie einkaufen oder sich beraten lassen, und über die Restaurants, in die Sie einkehren.

Bereits erschienen sind Berichte über die Goldschmiede Hess & Rickert, über das Traditionshaus Meierjohann, in dem heute das „Rumpelstilzchen" sein Geschäft hat, die Kfz-Werkstatt Paul Cieplik (heute Jörg Walter), die Heißmangel Cerulla, die Fruchtsaftkellerei Wernicke, den Berggasthof Tönsberghöhe mit dem „Parlando", Foto Hölz, Farben-Prüssner, den Kreta-Grill, die Kunstschmiede Michael Raum, die Stadtschänke und das Blumenhaus Pehle.

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