Betreiber: Thorsten Pabst und seine Frau Gabriele Wittrock-Pabst vor dem Berggasthof. Der wird ab November auf einen moderneren Stand gebracht. Die Bauarbeiten sollen etwa eineinhalb Jahre dauern. Erst einmal wird aber das Jubiläum des "Parlando" im Berggasthof gefeiert. - © Karin Prignitz
Betreiber: Thorsten Pabst und seine Frau Gabriele Wittrock-Pabst vor dem Berggasthof. Der wird ab November auf einen moderneren Stand gebracht. Die Bauarbeiten sollen etwa eineinhalb Jahre dauern. Erst einmal wird aber das Jubiläum des "Parlando" im Berggasthof gefeiert. | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Geschäfte mit Geschichte

Restaurant Parlando feiert Geburtstag auf dem Tönsberg

Karin Prignitz

Oerlinghausen. Thorsten und Gabi Pabst laden am Samstag, 8. August, ab 16 Uhr mit viel Musik und Kabarett zum "Open-Air-Fest am Berggasthof" ein. Gefeiert wird das 20-jährige Bestehen des "Parlando". Wesentlich älter ist die Geschichte des Berggasthofes auf der Tönsberghöhe. Heimathistoriker Werner Höltke weiß, dass sich dort spannende und gelegentlich auch handgreifliche Geschichten zugetragen haben. Heinrich Meier war es, der im Jahr 1913 ein Grundstück hoch oben am Tönsberg mit wunderbarem Weitblick kaufte. An der Nordseite des Kammwegs entstand sein Wohnhaus, in dem er unter anderem Holzschuhe fertigte. Als nach dem Ende des Ersten Weltkrieges das Wandern in Mode kam und immer mehr Menschen die Sommerfrische des Luftkurortes Oerlinghausen zu schätzen lernten, beantragte Meier eine Genehmigung für den Ausschank von Getränken, und er baute sein Haus zur Gastwirtschaft mit Saal und Theke um. "Das Wasser für die Toiletten musste eimerweise aus einem unterhalb des Hauses angelegten Brunnen hochgeschleppt werden", das hat Werner Höltke recherchiert. Herausbekommen hat er auch, dass das Geschäft schleppend verlief, der Betrieb im Winter ganz eingestellt wurde und Heinrich Meier im Jahr 1929 Gastwirtschaft und Grundstück für 47.000 Reichsmark an den Bielefelder Gastwirt Hanke verkaufte. Der stand schon bald vor doppelten Problemen. Das Geld war knapp und sein Vorgänger vermisste seine Wirtschaft so sehr, dass er Hanke das Leben schwer machte. Wegen Überschreitung der Nachtruhe zeigte er ihn an, und eines nachts kam es sogar zu einer ordentlichen Schlägerei. Die Polizeibeamten kannten den Weg auf den Berg schon bald nur zu gut. Die Sache sprach sich rum. Nach gut drei Jahren musste Hanke dicht machen, das Haus wurde versteigert und er verlor sein gesamtes Vermögen. Wohl auch, so war seinerzeit zu hören, weil er selbst sein bester Kunde war. Heinrich Meier wurde wieder Eigentümer, die Konzession erhielt er aber nicht mehr. Also musste er sich einen Pächter suchen. Den fand er in Person des Kellners Hempel aus Detmold. 1933 beantragten kurioserweise beide die Konzession, so dass sich der damalige Bürgermeister Möller genötigt sah, die Dinge klarzustellen. Streit gab es dennoch weiterhin. "Einmal gerieten sich sogar Frau Meier und Frau Hempel in die Haare", berichtet Werner Höltke. Ein unhaltbarer Zustand. Hempels packten die Koffer und ihr Sofa, Meier durfte wieder ausschenken. Die Klagen über ihn blieben. Deutlich wird das in einem Schreiben des Bürgermeisters an den Landrat: "Meier ist als Quertreiber und Krakeeler seit langen Jahren ortsbekannt und bei zahlreichen Behörden in übelster Erinnerung." Während Meier klagte, sich seine Schuldzuweisungen und die Gegendarstellungen der Stadt wie ein roter Faden über die Jahre hinweg zogen, übernahm 1939 Franz Schulte den Berggasthof. Zwei Jahre später kam die Nachricht, dass er "im Dienste der Wehrmacht tödlich verunglückt" sei. Am 2. Ostertag 1945 fand man auch Heinrich Meier in der Nähe der ehemaligen Windmühle tot auf. Erna Schulte, die Frau von Franz, führte die Geschäfte weiter. Später übernahmen Tochter Inge und deren Mann Günter Bunte die Gastwirtschaft. Bunte war in zahlreichen Vereinen aktiv, entsprechend fühlten sich die Mitglieder wohl. Ebenso wie die Wildschweine, für die Bunte ein Gehegt angelegt hatte. Nach seinem Tod betrieben Inge Bunte und Tochter Ruth den Berggasthof, zu dem auch einige Fremdenzimmer gehörten, weiter. Mittlerweile gehört das Traditionshaus dem Stukenbrocker Unternehmer Michael Brechmann. Der wird ab Anfang November die untere Etage des Berggasthofes teilweise entkernen lassen. Die Räume sollen neu aufgeteilt, die Küche vergrößert und die Toiletten in den Keller verlegt werden. "Ein Teil der jetzigen Damentoilette bleibt als Behinderten-WC, das war uns wichtig", sagt Thorsten Pabst. Das Dachgeschoss ist bereits komplett entkernt worden und eine neue Treppe nach oben entstanden. Entstehen sollen während der Umbauarbeiten wieder drei Fremdenzimmer und eine Betreiberwohnung. Das Gebäude soll gedämmt werden. Eine neue Holzfassade wird kommen, neue Platten verlegt und die Mauer rechts vom Gebäude entfernt werden. Eine neue Drainage kommt rund ums Haus und es wird, so wie früher, im linken Trakt wieder eine Tür geben. Optisch soll das Gebäude dem Ursprung angeglichen werden. "Die Arbeiten werden voraussichtlich eineinhalb Jahre dauern", berichten die Betreiber. Nach der Fertigstellung soll es mit ganzjährigem Betrieb, Gastronomie und Veranstaltungen weitergehen.

realisiert durch evolver group