Übergabe: Paul Georg Cieplik (r.) hat sich vor 28 Jahren am Kalkofen mit seiner kleinen Werkstatt selbständig gemacht. Mit 63 Jahren hört er auf und hat seine Räume an Jörg Walter verpachtet. Er selbst wird noch ein paar Stunden pro Woche vor Ort sein. - © Foto: Karin Prignitz
Übergabe: Paul Georg Cieplik (r.) hat sich vor 28 Jahren am Kalkofen mit seiner kleinen Werkstatt selbständig gemacht. Mit 63 Jahren hört er auf und hat seine Räume an Jörg Walter verpachtet. Er selbst wird noch ein paar Stunden pro Woche vor Ort sein. | © Foto: Karin Prignitz

Oerlinghausen Geschäfte mit Geschichte (3): Paul Georg Cieplik übergibt seine Autowerkstatt

Karin Prignitz

Oerlinghausen. Ein wenig versteckt am Kalkofen ganz in der Nähe des Freibades liegt seine kleine Kfz-Werkstatt. Die Kunden von Paul Georg Cieplik kennen den Weg. Sie wissen, dass der 63-Jährige nicht nur ihr Auto repariert, sondern sie mit dem Mann, der zu seinen Pfunden steht, auch einen ganz besonderer Menschen treffen. Einen, der das Herz auf der Zunge trägt. "Ein Mann zum Anfassen", sagt Cieplik über sich selbst. Einer, mit dem man auch mal über die privaten Sorgen sprechen kann und garantiert eine klare Antwort bekommt. "Diese Menschlichkeit hat mir viele Kunden beschert", erzählt Cieplik, der seine Werkstatt nach 28 Jahren ab dem 1. Juli an Jörg Walter übergeben wird. Ein paar Stunden in der Woche wird er aber noch mitarbeiten. "Für die Kunden, die meine Visage ab und zu doch noch mal sehen wollen." Oder die mit "Päule" über die kleinen und großen Themen der Welt diskutieren möchten. Und wenn einer mal ein bisschen knapp bei Kasse war, dann hat Paul Cieplik ihm einen kleinen Aufschub gewährt. Trotzdem ist er gut damit gefahren. Seine soziale Verantwortung hat er auch bei der Ausbildung von Lehrlingen wahrgenommen. Da wurde auch schon mal ein Gespräch mit Eltern geführt, nachgehakt und Klartext geredet. Von den Berufsschullehrern gab es dafür jede Menge Lob. Der 63-Jährige weiß: "Ohne standfesten Nachwuchs berauben wir uns der eigenen Grundlage." 1966 ist Paul Cieplik bei Herbert Steinberg in die Lehre gegangen und bis 1973 in seinem Betrieb geblieben. "Danach habe ich mir die Weltgeschichte angeguckt." In einer "Rasenmäherbude" hat er Geräte repariert und gewartet, danach waren es Kräne. 1982 erwarb Paul Cieplik das Gebäude am Kalkofen, in der die Werkstatt immer geblieben ist, und verpachtete sie zunächst. "Ich wollte gucken, wie es angenommen wird." So gut, dass er fünf Jahre später entschied, sein eigener Chef zu sein. "Rostlauben für den TÜV schweißen", damit habe er seine ersten Kunden gewonnen, erzählt der Vater eines Sohnes und einer Tochter. "Die Leute wollten erst mal sehen, was ich so auf der Pfanne habe." Das war einiges, und so kamen schnell Inspektionen, Karosserie- Unfallschäden und 1990 auch ein Reifendienst dazu. "Die Palette hat sich immer erweitert." Der Kfz-Meister hat aber auch die Veränderungen des Marktes zu spüren bekommen. Leasing, Kundenbindung durch Kredite, dieser Konkurrenz musste er sich stellen, "und mit der Euroeinführung ist es nicht besser geworden". Nur die Abwrackprämie habe ihm nicht viel anhaben können, sagt Paul Cieplik. "Weil ich ohnehin überwiegend Autos von Leuten verarztet habe, die sich nicht ohne Weiteres ein neues Auto leisten können." Jörg Walter, der Neue, möchte das ändern und künftig den Fühler in alle Gesellschaftsschichten ausstrecken. Neue Farbe will er in die Räume bringen, einige neue Geräte anschaffen. Ein bisschen frischen Wind halt. Zehn Jahre ist der gebürtige Oberhausener Filialleiter eines Reifen- und Autoservicebetriebes gewesen. Über die Handwerkskammer ist er auf die Werkstatt in Oerlinghausen aufmerksam geworden. Im Februar wurde der erste Kontakt geknüpft. Die Chemie stimmte, und deshalb ist Jörg Walter (47), der mit Frau und 18-jähriger Tochter in Augustdorf lebt, ab Juli das neue Gesicht der Kfz-Werkstatt. Paul Cieplik hat unterdessen schon eine gute Idee, wie er Teile seiner neu gewonnenen Freiheit sinnvoll füllen wird. "Kurse bei der VHS speziell für weibliche Autofahrer" möchte er anbieten. Für solche, "die bei einer Panne das große P wie Panik in den Augen haben". Ihnen will er die Angst nehmen und ist schon jetzt sicher: "Das zahlt sich auf jeden Fall aus."

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