Damals und heute: Auf dem linken Foto sind Matthias Rickert (51, l.) und Thomas Hess (54) vor 25 Jahren zu sehen. Auf dem rechten Foto stehen sie jetzt in gleicher Pose vor ihrer Goldschmiede an der Hauptstraße. - © Fotos: Privat/Karin Prignitz
Damals und heute: Auf dem linken Foto sind Matthias Rickert (51, l.) und Thomas Hess (54) vor 25 Jahren zu sehen. Auf dem rechten Foto stehen sie jetzt in gleicher Pose vor ihrer Goldschmiede an der Hauptstraße. | © Fotos: Privat/Karin Prignitz

Oerlinghausen Neue Serie: Geschäfte mit Geschichte

GESCHÄFTE MIT GESCHICHTE (1) Goldschmiede Hess & Rickert besteht seit 25 Jahren

Karin Prignitz

Oerlinghausen. "1990, da ging es nach vorne", sagt Thomas Hess. Deutschland war gerade wieder vereinigt. Dem Einzelhandel ging es gut. "Es herrschte eine Aufbruchstimmung." Auch in Oerlinghausen, wo die Innenstadtsanierung gerade abgeschlossen war. Genau hier wagten Matthias Ricken und Thomas Hess nach dem gemeinsamen Besuch der Meisterschule den Schritt in die berufliche Selbstständigkeit. Viele andere Geschäfte haben die Altstadt mittlerweile verlassen. Die Goldschmiede "Hess & Rickert" gibt es immer noch.

Am 26. Mai 1990 öffneten die beiden ihre Goldschmiede an der Hauptstraße 19. 25 Jahre später soll an genau diesem Tag das Jubiläum gefeiert werden. Das Sauerland zu verlassen, so richtig vorstellen mochte sich Thomas Hess das damals nicht. Matthias Rickert lebte in Bielefeld und kannte die Bergstadt, weil er hier so manches Schützenfest erlebt hatte. In der Altstadt entdeckte er das leerstehende Ladenlokal im historischen Gebäude des Stadthotels und wusste sofort, wie er seinen künftigen Berufspartner überzeugen konnte: "Ich kenne was, das sieht wie im Sauerland aus." Tatsächlich sei es auch bei ihm "Liebe auf den ersten Blick" gewesen, sagt Hess.

Die Haare waren damals noch dunkler, Thomas Hess trug Schnäuzer und die Räumlichkeiten waren anfangs kleiner. Das änderte sich aber bald. "Wir wollten etwas verändern, etwas bewegen." Das taten sie. Nicht unbemerkt im Hinterzimmer wollten sie ihr Handwerk ausüben, sondern in lichtdurchfluteten Räumen, die von jedem Spaziergänger einzusehen sind. Eine Philosophie, die sich ausgezahlt hat. Schon nach fünf Jahren wurde der Verkaufsraum vergrößert, im Jahr 2000 kamen Büroräume dazu. Der Laden wurde komplett umgebaut, die Fenster verändert. "Wir brauchten mehr Fläche", sagen die Goldschmiede, deren Kundschaft längst nicht nur aus dem Ort kommt.

Neuanfertigungen, Umarbeitungen, Reparaturen, "daran hat sich nichts geändert", sagt Thomas Hess. Relativ schnell seien Uhren dazugekommen und der entsprechende Service. Natürlich seien auch Schmuckstücke dem Wandel der Zeit unterworfen. "Die Ketten werden länger, die Ringe breiter." Heute werde mehr Weißgold verarbeitet. Auch Silber habe eine viel größere Bedeutung bekommen. Rubin, Saphir und Smaragd, sie waren früher die Favoriten unter den Edelsteinen, "heute ist auch das stärker modeorientiert und nicht mehr so klassisch".

Information

Die Serie

Geschäfte mit Geschichte, so heißt eine neue Serie. Sie bietet Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, viele Hintergrundinformationen über Geschäfte in Oerlinghausen, in denen Sie einkaufen oder sich beraten lassen und über die Restaurants, in die Sie einkehren.

Von Beginn an haben Matthias Rickert und Thomas Hess in ihrer Goldschmiede ausgebildet. "Das macht sonst kaum noch jemand." Deshalb können die Oerlinghauser mit Fug und Recht behaupten: "Wir sind auf unserem Gebiet der größte Ausbildungsbetrieb in Ostwestfalen-Lippe." Daniela Blachowski, so hieß die erste von insgesamt zwölf Auszubildenden. Sie und vier weitere einstige Azubis haben sich inzwischen selbstständig gemacht. Einer war sogar Hofschmied in Schweden. Viele Wettbewerbserfolge hat es gegeben. "Hess & Rickert" geben ihre Erfahrung seit zehn Jahren auch als VHS-Dozenten weiter, und sie betreiben einen Edelsteingroßhandel. Nicht selten arbeiten sie für Juweliere, die keine eigene Werkstatt haben. Und sie unterstützen seit 15 Jahren die Organisation "Thai Care". Das Brillenprojekt soll Menschen in ärmsten Verhältnissen gutes Sehen ermöglichen und somit Hilfe zur Selbsthilfe geben. Viele tausend Brillen sind in den vergangenen Jahren nach Thailand gebracht worden.

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