Seit 40 Jahren Südstädter: Manfred Wischke ist mit seiner Familie Anfang der 70er Jahre in die Bremer Siedlung gezogen. - © Karin Prignitz
Seit 40 Jahren Südstädter: Manfred Wischke ist mit seiner Familie Anfang der 70er Jahre in die Bremer Siedlung gezogen. | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Südstädter aus Überzeugung

Zukunft der Südstadt (3): Manfred Wischke hofft, dass Entwickler schnell handeln

Karin Prignitz

Oerlinghausen. Im Auftrag der Stadtwerke Oerlinghausen wird derzeit ein energetisches Quartierskonzept für die Südstadt erarbeitet. Einspar-Potentiale sollen ermittelt, aber auch geschaut werden, wie der jüngste Stadtteil der Bergstadt städtebaulich aufgewertet werden kann. NW-Mitarbeiterin Karin Prignitz hat Bewohner verschiedener Haustypen gefragt, wie sie das Leben in der Südstadt empfinden, wie es früher war und heute ist und was sich verbessern könnte.

Der Segelflugplatz mit seinen Heideflächen in unmittelbarer Nähe, nur ein paar Meter bis zum Wald und den Naturschutzflächen. „Wir sind wegen der guten Luft von Bielefeld hierhergezogen“, erzählt Manfred Wischke von der Entscheidung in den 70er Jahren, mit den damals kleinen Kindern künftig in der Bergstadt leben zu wollen. In der Bremer Siedlung, in den preiswerten Reihenhäusern mit den langgezogenen Dächern, schmal und tief gestaltet, erstellt von der Bauträgergesellschaft Heimbau GmbH fand die Familie ihr neues Lebensumfeld. „Der Architekt kam aus Bremen.“ Manfred Wischke hat noch die alten Hefte, in denen für den Bautyp, der an vielen anderen Stellen in Deutschland umgesetzt worden ist, geworben wird.

„Wir waren die Letzten, die damals herzogen“, erzählt der 74-Jährige, der mit seiner Frau Sigrid seit 1973 am Wilhelm-Busch-Weg lebt. „Für Kinder war das hier ideal“, sagt Wischke. Vor allem die Sandkuhle quasi vor der Haustür sei der Anziehungspunkt schlechthin gewesen. Auch für die Erwachsenen. „Wir haben viel gefeiert, das war herrlich.“ Ein Pott Erbsensuppe und kühle Getränke, mehr brauchte es nicht, um Kontakte zu knüpfen unter den etwa 100 einstigen Neubürgern. Der Nachwuchs ging morgens raus und kam abends rein. „Der Spielplatz ging vor der Tür los, ein Wasserschlauch zum Abspritzen lag immer bereit.“ Und der Schlüssel, „der steckte natürlich vor der Tür“, denn das Vertrauen untereinander war groß.

Überzeugungsarbeit ist nötig

In den vergangenen Jahrzehnten hat es viele Eigentümerwechsel gegeben. Bei einer energetischen Sanierung, wie sie im Zuge des KlimaQuartiers angestrebt wird, „würde ich sofort mitmachen“, betont Manfred Wischke, „wenn die ganze Reihe ebenfalls mitzieht“. Aber man brauche zunächst Ansatzpunkte. Manfred Wischke hatte gehofft, bei der zweiten Informationsveranstaltung zum Thema Anfang September bereits Konkretes zu den möglichen Kosten zu erfahren. Leider sei das noch nicht so gewesen. Wischke denkt aber, „dass man schnell ansetzen sollte, denn viele Bewohner sind mit der Siedlung alt geworden“. Einige würden deshalb womöglich keine großen Investitionen mehr tätigen wollen. „Da muss Überzeugungsarbeit geleistet werden.“

Dass die Häuser mit Fernwärme beheizt werden, hält der gelernte Schlosser für eine „feine Sache“. Auch die halbstündigen Busverbindungen „klappen ganz prima“. Andere Entwicklungen sieht Manfred Wischke durchaus kritisch. „Das Einkaufszentrum am Stukenbrocker Weg hinterlässt mit seinen blätternden Fassaden einen trostlosen Eindruck.“ Dort müsse ebenso gehandelt werden, wie in Sachen Conle-Siedlung, „das erschließt sich ja mit einem Blick“.

Eine neue Mitte, wie sie Architekt Falko Biermann angeregt hat, hält Manfred Wischke für durchaus begrüßenswert. Wieder ein Café, das wäre was, „dafür müssten dann aber auch mehr Parkplätze geschaffen werden“.

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