Hoch hinaus: Godela Baldewein lebt seit 40 Jahren im Hochhaus an der Sennestraße 4. - © Karin Prignitz
Hoch hinaus: Godela Baldewein lebt seit 40 Jahren im Hochhaus an der Sennestraße 4. | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Blick über die Dächer der Südstadt

Die Zukunft der Südstadt: Godela Baldewein wünscht sich Fachärzte und eine neue Mitte

Karin Prignitz

Oerlinghausen. Im Auftrag der Stadtwerke Oerlinghausen wird derzeit ein energetisches Quartierskonzept für die Südstadt erarbeitet. Einsparpotentiale sollen ermittelt, aber auch geschaut werden, wie der jüngste Stadtteil der Bergstadt städtebaulich aufgewertet werden kann. NW-Mitarbeiterin Karin Prignitz hat Bewohner verschiedener Haustypen gefragt, wie sie das Leben in der Südstadt empfinden, wie es früher war und heute ist und was sich verbessern könnte.

Godela Baldewein hat einen der interessantesten Blicke auf die Südstadt. Vom Hochhaus mit der Nummer vier an der Sennestraße, das früher als das blaue Haus bekannt war, sieht die pensionierte Pädagogin vor allem viel Grün. Selbst jetzt noch, da die Bäume ihre Herbstblätter fallen lassen. 1972 seien die ersten Bewohner in das Haus gezogen, erzählt die 74-Jährige. „Gebaut worden ist es in der Zeit der ersten Ölkrise.“ Sie selbst und ihr Mann, der Flugbauingenieur war, wählten zwei Jahre später die Penthouse-Wohnung in der obersten, achten Etage.

„Das Zusammenleben funktionierte ausgesprochen gut“, sagt Godela Baldewein. Es gab Hausfeten und Grillfeste auf der Wiese. „Alle, die hier wohnten, waren neu zugezogen.“ Anders als in der Altstadt habe es hier keine dritte Generation gegeben. Godela Baldewein hat festgestellt: „Solche Leute sind flexibel.“ Eine Menge Aktionen seien angestoßen worden. Büchertauschbörse und Bücherschrank, Talente-Tauschbörse, „die Agenda-Bewegung hat richtig eingeschlagen“. Helga von der Eltz, die ebenfalls im Haus lebt, sei eine der treibenden Kräfte. Sie habe erkannt: „Die Leute müssen sich vernetzen.“ Das Bonhoeffer-Haus sei ständig mit Leben gefüllt. Auch Interessengemeinschaft und Fördergemeinschaft Süd hätten sich eingebracht. Wenn es nach Godela Baldewein ginge, dann würde in der Conle-Siedlung ein Mehrgenerationen-Wohnen entstehen.

Es mangelt an Fachärzten

Wünschenswert für den Stadtteil hält Godela Baldewein auch einen Platz mit Aufenthaltsqualität. „Ein öffentlicher Raum, an dem man sich trifft, fehlt.“ Auch Fachärzte müssten her, „damit wir nicht immer ins Umfeld ausweichen müssen“. Als sehr angenehm empfindet die 74-Jährige den Halbstundentakt des Stadtbusses während der Woche. Nur am Wochenende, da fährt er ihr zu spät, so dass sie sich doch ins Auto setzt. Car-Sharing, „das ist mir zu umständlich“.

Im Hochhaus, in dem sie zwei Etagen tiefer in eine kleinere Wohnung gezogen ist, spüre man den demografischen Wandel deutlich, sagt Baldewein. „Einige sind mit dem Haus alt geworden.“ Andere leben nicht mehr. Jüngere sind hinzugekommen. „Heute ist der Kontakt untereinander nicht mehr so da wie früher einmal.“ Vier Wohnungen in unterschiedlichen Größen gibt es jeweils auf den acht Etagen. Drei der Miteigentümer sitzen im Beirat, erzählt die einstige Gymnasiallehrerin. Der Beirat hat einen Hausmeister engagiert, der auch das Schneefegen und Rasenmähen übernimmt. Aus den Rücklagen wird regelmäßig investiert. „Ein Energiegutachten haben wir auf eigene Kosten erstellen lassen.“ Vor 13 Jahren wurde das Haus gedämmt.

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