Oerlinghausen Den Garten ins Haus geholt

Zukunft der Südstadt: Anwohner erzählen, heute Erich und Ute Schmitt

Karin Prignitz
       



Heimisch geworden: Ute und Erich Schmitt im begrünten Innenhof ihres Flachdachhauses im Immenkamp. Im August 1968 sind sie dort eingezogen. - © Karin Prignitz
       

Heimisch geworden: Ute und Erich Schmitt im begrünten Innenhof ihres Flachdachhauses im Immenkamp. Im August 1968 sind sie dort eingezogen. | © Karin Prignitz

Oerlinghausen. Im Auftrag der Stadtwerke Oerlinghausen wird derzeit ein energetisches Quartierskonzept für die Südstadt erarbeitet. Einspar-Potentiale sollen ermittelt, aber auch geschaut werden, wie der jüngste Stadtteil der Bergstadt städtebaulich aufgewertet werden kann. NW-Mitarbeiterin Karin Prignitz hat Bewohner verschiedener Haustypen gefragt, wie sie das Leben in der Südstadt empfinden, wie es früher war und heute ist und was sich verbessern könnte.

Erich und Ute Schmitt leben seit Sommer 1968 in der Immenkamp-Siedlung. „Wir gehörten zu den Letzten, die hier eingezogen sind“, erzählt das Paar und auch davon, dass es, wie so viele andere, von Bielefeld aus nach Oerlinghausen gekommen ist. Erich Schmitt, der Leitender Polizeidirektor war, pendelte zur Arbeit in die Leineweberstadt. Die Atriumhäuser der Siedlung mit ihren Flachdächern seien damals „der Inbegriff des Wohnens im Grünen“ gewesen, bestätigt Architekt Falko Biermann, der zum Projektteam des „KlimaQuartier Oerlinghausen-Südstadt“ gehört.

Nackte Mauerwände schienen zunächst unattraktiv

Die ersten Häuser in der Immenkampsiedlung sind Mitte der 60er Jahre entstanden. 24 Häuser gibt es insgesamt. In der Regel sind drei aneinandergereiht, fünf stehen einzeln. Die Wände bestehen aus Gasbetonplatten. „Das war schon recht modern für die damalige Zeit“, attestiert Falko Biermann. Auch der abgetrennte Innenbereich, von außen nicht einsehbar, sei eine Besonderheit. Damals habe sie die nackten Mauerwände zunächst nicht so attraktiv gefunden, sagt Ute Schmitt (71). Als das Grün wuchs, änderte sich das. „Heute möchte ich sie nicht mehr missen.“

Falko Biermann kann das gut nachvollziehen. „Die Menschen haben sich den Garten ins Wohnzimmer geholt“, beschreibt der Architekt den Blick durch die riesigen Wohnzimmerscheiben und die innovative Idee, die dahintersteckt.

Die meisten der ebenerdig angelegten und damit seniorengerechten Häuser sind mittlerweile renoviert oder teilrenoviert. Mit Fernwärme werden sie von den Stadtwerken versorgt. „Wirklich sehr praktisch“, findet das Erich Schmitt (78). Das Gelände hinter den Häusern war damals noch nicht bebaut, heute hat die Feuerwehr dort ihr Domizil. „Ursprünglich sollte die Siedlung auf diesem Gelände noch erweitert werden.“ Dazu sei es dann aber nicht gekommen. Einen Fußballplatz gab es in den Anfangsjahren, die Ladenpassage am Stukenbrocker Weg existierte bereits. Es gab einen Metzger und eine Bäckerei. Der Bus fuhr zweimal täglich nach Bielefeld.

Einmal im Jahr ein großes Sommerfest

Schnell wurden Kontakte unter den Familien geknüpft. Die Kinder gingen nach Lipperreihe zur Schule. „Viele Jahre haben wir hier Straßenfeste gefeiert“, erzählen Ute und Erich Schmitt. Einmal jährlich „im Sommer zwischen den Sammelgaragen“. In der Nähe gab es eine private Kegelbahn, die eifrig genutzt wurde. „Der Zusammenhalt war sehr gut.“ Heute leben kaum noch junge Menschen in der Siedlung. Das werde sich aber in den kommenden Jahren ändern, „allein des Alters wegen“. Erich Schmitt vermutet, dass Senioren schwerer von einer energetischen Sanierung zu überzeugen sein werden als die jüngere Generation.

Er und seine Frau halten es mit Blick auf die gesamte Südstadt für unerlässlich, „eine Lösung für die Conle-Siedlung zu finden“. Schön wäre es aus ihrer Sicht auch, „wenn ein Mittelpunkt geschaffen würde, an dem sich die Menschen treffen können“. Das Bonhoeffer-Haus sei hier nicht ausreichend. Auch in Sachen Ladenzeile bestehe dringend Handlungsbedarf, meint Erich Schmitt. Angesichts der älter werdenden Gesellschaft „sollte der ÖPNV noch ausgebaut werden“. Was auf keinen Fall geschehen dürfe sei, „dass auf dem Höhne-Gelände ein weiterer Lebensmittelmarkt gebaut wird“.

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