Oerlinghauser und Leopoldshöher beteiligen sich am Protest gegen Kernkraftwerke. Mit dabei: Jürgen Hachmeister (3. v. l.), Heidrum Bode (M.), dann Frank Haarmann und Martin Bernhardt.
Oerlinghauser und Leopoldshöher beteiligen sich am Protest gegen Kernkraftwerke. Mit dabei: Jürgen Hachmeister (3. v. l.), Heidrum Bode (M.), dann Frank Haarmann und Martin Bernhardt.

Oerlinghausen / Leopoldshöhe Atomkraftgegner kreisen Grohnde ein

Menschenkette durch Lippe / Auch 136 Protestler aus Oerlinghausen und Leopoldshöhe mit dabei

VON MARTIN HOSTERT

Oerlinghausen / Leopoldshöhe. Rot und Gelb dominieren den grauen Märztag. Die Fahnen, Transparente, Sticker und Tattoos der Atmokraftgegner sind auf dem Detmolder Markt sehr präsent; Trommelschläge wummern durch die Stadt. In der Krummen Straße beginnen einige sogar, leise einen Wackersdorf- und Gorleben-Klassiker zu singen: "Hejo! Leistet Widerstand. Gegen die Atomkraft hier im Land. Schließt euch fest zusammen! Schließt euch fest zusammen!". Vielerorts wird diskutiert, am Modehaus Wiese kommt keiner vorbei, ohne zum Einreihen aufgefordert zu werden.

Die Menschenkette nimmt langsam Gestalt an und weist hier und da Lücken auf, aber an anderen Stellen treten sich die Teilnehmer auf die Füße. Alle halten sich an einem Plastik-Flatterband fest. "Fukushima mahnt: Atomkraftwerke jetzt abschalten" ist darauf zu lesen. Ordner auf Rädern fahren hin und her und verkünden schließlich: Die Kette ist geschlossen, vom Leopoldinum bis zur Wotanstraße steht die Reihe. Zwei Kilometer. Zwar nicht ganz so engmaschig wie erhofft, aber immerhin. Als nach 20 Minuten das Gelingen des Projektes und gleichzeitig dessen Ende verkündet wird, klatschen einige. Die meisten aber freuen sich verstohlen oder ganz offen auf ein Plätzchen im Café oder ein wärmenden Kaffee auf dem Markt – sie haben wacker durchgehalten. Die Abschlusskundgebung vorm Theater leidet unter dem Wetter, aber einige hundert sind dabei. Gefroren haben auch 136 Teilnehmer aus Oerlinghausen und Leopoldshöhe – aber sie haben durchgehalten. Mit dabei sind auch Frank Haarmann, Heidrun Bode und Jürgen Hachmeister, die die Menschenkette auf der B 239 komplettierten.

Auf 1.200 werden die Veranstalter die Teilnehmerzahl in ganz Lippe schätzen. Sie waren in Bad Salzuflen aktiv, in Lage oder Leopoldstal. An die 100 sind beispielsweise in Blomberg dabei und lernten, dass fünf Minuten Gedenken ganz schön lang sein können. Denn mit einem stillen Gedenken die Opfer des Tsunamis und des Super-Gaus vor zwei Jahren wird die Aktion dort begonnen. Vor dem Rathaus ist eine Dekontaminations-Station aufgebaut. In drei Reihen stehen die Menschen Schlange, um sich Jod-Tabletten und Notverpflegung zuteilen und Radioaktivität messen zu lassen. Hermann Söhnel und Fritz Merkord fordern durchs Megaphon zum Verlassen der Sperrzone auf; ihr "Achtung, Achtung" scheppert durch die Stadt. Wie viel Arbeit hinter der Organisation steckt, wird an diesem Morgen gut sichtbar. Seit vier Wochen hatten sich die Aktivisten mittwochs getroffen, berichtet Hermann Söhnel.

"Sperrgebiet"-Schilder hatten den Blombergbesucher schon weit vor der Stadt begrüßt; hinter jedem Scheibenwischer finden sich Flugblätter. "Sperrgebiet"-Schilder finden sich zudem in ganz Lippe. Sie erklären den Sinn der Aktion und malen aus, was bei einem Super-GAU im nahen Grohnde auf uns zukäme.

Copyright © Neue Westfälische 2017
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group