Oerlinghausen Marder sorgt für Misstöne

Bergstädter fühlt sich von Geräuschen der Abwehrgeräte gestört

Oerlinghausen. Auf dem Dachboden poltert’s, das Auto gibt keinen Mucks mehr von sich. Die Ursache für Lärm und Auto-GAU könnte der Steinmarder sein. "Es werden immer mehr", bestätigt Peter Kräusel, Hegeringleiter der Kreisjägerschaft Lippe (Hegering Windwehe). "Inzwischen geht auch der Waschbär flächendeckend in Wohngebiete." Die Möglichkeiten der Abwehr sind vielfältig. NW-Leser Andreas Wellensiek berichtet dabei aber von unangenehmen Erfahrungen.

Seit wenigen Wochen wohnen der selbständige Informatiker und seine Frau in Oerlinghausen. Dorthin gezogen sind sie, weil sie Ruhe suchten. "Bei unseren regelmäßigen Spaziergängen ist uns aufgefallen, dass anscheinend immer mehr Menschen auf Ultraschallgeräte setzen, um sich gegen Marder und andere Tiere zu schützen", erzählt Wellensiek. "Man bekommt in einigen Bereichen richtig Ohrenschmerzen."

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Gegenmittel

Tests mit Steinmardern haben ergeben, dass weder Klosteine im Auto, noch Hundehaare oder Eigenurin die gefräßigen Tiere abschrecken.
Als wirksamer hat sich ein gespannter Maschendraht unter dem Pkw erwiesen. Allerdings nur so lange, bis der Marder sich auch an ihn gewöhnt hat.
Die beste Wirkung haben Ultraschallgeräte gezeigt und Marder-Abwehranlagen nach dem Weidezaunprinzip. (kap)

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Wo genau die Quellen liegen, kann Wellensiek nicht sagen. Allerdings sieht er die Lebensqualität deutlich eingeschränkt, "weil diese Töne bei uns im Garten und sogar in der Wohnung zu hören sind". Wie einen Bienenstich im Ohr, beschreibt der 37-Jährige den hochfrequenten Pfeifton und glaubt, dass der nicht nur die Marder von ihrer Beißtour in den Autos abschreckt, sondern auch für Menschen schädlich ist. Wellensiek hat davon gehört, dass die Geräte Tinnitus und sogar ein Knalltrauma verursachen können.

Dem widerspricht Tinnitus-Spezialist Dr. Manfred Pilgramm aus Detmold. "Ohrgeräusche hat jeder, das Problem ist der Leidensdruck." Pilgramm bestätigt aber, dass es "überhörige" Menschen gibt, "meist sind das Spitzenmusiker", die mehr hören, als der Durchschnittsbürger. Auch junge Menschen hörten im hohen Frequenzbereich noch besser als ältere. "Ab 40, 50 Jahren ist es allerdings sehr unwahrscheinlich, dass jemand Hochfrequenzen wahrnimmt." Ultraschall sei normalerweise für Menschen nicht zu hören.

Andreas Wellensiek vermutet, dass es sich um fehlerhafte Geräte handeln könnte. "Es gibt keine DIN-Norm, also keine rechtliche Grundlage für die Geräte", bestätigt Stefan Schaub, Vertriebsleiter des Marktführers "Stop&Go" für Marder-Abwehrgeräte. Deshalb seien minderwertige Geräte, "in der Regel Hochtöner, die meist von billigen Versandhäusern für den Schutz ganzer Parkplätze angeboten werden", auf dem Markt, "die fälschlicherweise behaupten, Ultraschallgeräte zu sein". Die seien möglicherweise zu hören, "bei den unangenehmen Geräuschen kann es sich aber keineswegs um Ultraschall handeln". Ultraschall könne keine Materie durchdringen. "Ein im Motorraum installiertes Gerät ist aus diesem Grund außerhalb von Fahrzeugen nicht zu hören."

Wilfried Felderhoff von der Stadt Oerlinghausen hat "in den 30 Jahren, in denen ich hier arbeite, noch nie eine Beschwerde in der Richtung erreicht". Auch Hans-Joachim Scherlich, Kfz-Meister beim Autohaus Steinberg, hat nicht davon gehört, dass Mensch sich durch die Abwehrgeräte gestört fühlen.

Wohl aber weiß er, dass die Zahl der Marderbisse in Autos gerade in der jüngsten Zeit zugenommen hat. "Marder sind unsere Außendienstmitarbeiter", scherzt Scherlich, denn sie bescheren reichlich Arbeit. Aber auch reichlich Unappetitliches unter der Motorhaube. Scherlich und ein Kollege berichten von altem Brot, Eierschalen oder Tauben. "Einmal haben wir sogar ein ganzes Huhn gefunden." Er baut Marderabwehranlagen in den Motorraum der Fahrzeuge ein, die die Tiere fernhalten sollen, weil sie kleine Stromstöße abgeben. Nach dem gleichen Prinzip funktionieren Weidezäune. Es sei nicht unbedingt der Appetit auf Kabel, Gummidichtungen und Schläuche, der die Marder antreibe. "Die Duftmarke eines Konkurrenten, der vor ihm da war, wegzubeißen und die eigene Marke darüber zu setzen, ist der eigentliche Grund."

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