Leuchtende Laternen: Maximilian, Taylor, Jerome und Jascha (v. l.) sitzen in der ersten Kirchenreihe. - © Karin Prignitz
Leuchtende Laternen: Maximilian, Taylor, Jerome und Jascha (v. l.) sitzen in der ersten Kirchenreihe. | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Erstmals führt Oerlinghauser Martinsumzug nicht durch die Altstadt

Viele Kinder und Eltern sind irritiert

Karin Prignitz

Oerlinghausen. Das hat es in den vergangenen 60 Jahren noch nie gegeben, und die Nachricht verbreitete sich in Windeseile. "Diesmal gibt es keinen Martinsumzug." Irritierte Blicke. Ein Scherz? Nein. Tatsächlich leuchteten die fantasievoll gestalteten Laternen diesmal nur in den Reihen und Gängen der Alexanderkirche. Seit sechs Jahrzehnten läuft es so: In einem Jahr zieht der Martinsumzug von der evangelisch-reformierten Alexanderkirche zur katholischen St.-Michael-Kirche, im Jahr darauf geht es genau andersherum. Strömender Regen, Minusgrade und sogar Schnee - bislang hat sich der Zug bei jedem Wetter in Bewegung gesetzt. Im vergangenen Jahr hatte es anlässlich des 60. Umzuges zum ersten Mal das Martinsspiel auf dem Rathausplatz gegeben. Der steht derzeit wegen der dort stattfindenden Bauarbeiten nicht zur Verfügung. Also sollte die Mantelteilung, so hatte es der ökumenische Arbeitskreis der beiden Kirchengemeinden beschlossen, diesmal am Endpunkt vor der St.-Michael-Kirche aufgeführt werden. Lautsprecherboxen sollten dorthin geschafft werden, Schülerinnen der Chor-AG des Niklas-Luhmann-Gymnasiums (Regina Koop, Marlene Schöne, Franziska Übelacker, Maya Wattenberg und Melissa Ewert) hatten sich auf die Darstellung der barmherzigen Tat des Heiligen Martin unter freiem Himmel vorbereitet. Er war in einer kalten Nacht einem Bettler begegnete und hatte aus Mitleid den Mantel mit ihm geteilt. Ein Pferd vom Hof Krawinkel sollte ebenfalls kommen, das kurzfristig wieder abbestellt wurde. Auch die 19 Vertreter der Jugendfeuerwehr und ihre vier Betreuer zogen unverrichteter Dinge wieder ab. Tagsüber hatte es geregnet. Die Wetteraussichten seien einfach zu ungewiss gewesen, begründete Alfons Haselhorst, warum er am Nachmittag entschieden hatte, die Veranstaltung ausschließlich in der Alexanderkirche stattfinden zu lassen. Und so zogen die Kinder nach der Mantelteilung und zum Spiel des Ensembles "HolzBlech" mit ihren Laternen, von denen viele als Regenschutz mit schützenden Hüllen versehen waren, um die Kirchenbänke herum. Ein bislang einmaliger Schritt, der nicht allen Besuchern gefiel. "Es hätte ja jeder selber entscheiden können, ob er bei Regen mitlaufen möchte", meinten Ingo Obermark und Tanja Diekmann. "Die Kinder waren ein bisschen enttäuscht." Beide zeigten auf der anderen Seite Verständnis: "Einer muss ja eine Entscheidung treffen." Nadine Stumpf fragte sich, ob womöglich das Pferd erkrankt sei. War es nicht, das bestätigte Pfarrer Klaus Sommer, der die Martinsumzügler in den voll besetzten Kirchenreihen gemeinsam mit seinem katholischen Kollegen Michael Karsten begrüßt hatte. "Gibt es keinen Laternenumzug", will ein Junge von seiner Mutter wissen. Ihr bleibt nichts anderes, als ratlos mit den Schultern zu zucken. Yvonne Oster vom Verein "Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe", für den gesammelt wurde, hält die Entscheidung ganz offensichtlich für falsch. Sie und andere bemängeln: "Wir sind bisher bei jedem Wetter gelaufen." Tatsächlich regnet es trotz dunkler Wolken nicht, als die Besucher aus der Kirche kamen und Brötchen zum Teilen bekamen. "Schade, schade, schade", sagt ein Junge, der sich auf den Zug gefreut hat, "schon vorbei." Und Pfarrer Sommer, der geht davon aus, dass der Umzug im kommenden Jahr "auf jeden Fall" wieder in altbewährter Weise stattfinden wird.

realisiert durch evolver group