Der Ankommens-Treff in einem Raum des Bürgerhauses steht Menschen zur Verfügung, die derzeit aus anderen Ländern in Oerlinghausen ankommen. Anke Diekmann (l.) und Annemarie Rodekamp gehören zu den ehrenamtlichen Ansprechpartnern, die sich um die Anliegen der Geflüchteten kümmern. - © Karin Prignitz
Der Ankommens-Treff in einem Raum des Bürgerhauses steht Menschen zur Verfügung, die derzeit aus anderen Ländern in Oerlinghausen ankommen. Anke Diekmann (l.) und Annemarie Rodekamp gehören zu den ehrenamtlichen Ansprechpartnern, die sich um die Anliegen der Geflüchteten kümmern. | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Weitere Geflüchtete werden zugewiesen

Seit Oktober gibt es den Ankommens-Treff für anerkannte Flüchtlinge. Ehrenamtliche engagieren sich und wünschen sich zusätzlich fachliche Unterstützung von der Stadt

Karin Prignitz

Oerlinghausen. Die Zahl der anerkannten Flüchtlinge, die der Stadt von der Bezirksregierung Arnsberg zugewiesen werden, hat sich in den vergangenen Wochen deutlich erhöht. Seit der 38. Kalenderwoche, also seit Ende September, seien 40 Menschen aus Syrien, Afghanistan, Pakistan, Albanien und dem Iran in Oerlinghausen angekommen, bestätigt Michael Horn, Leiter des Fachbereichs Soziales. „In den kommenden Tagen erwarten wir weitere Zuweisungen." Um den Menschen, die die Sprache nicht sprechen und die mit den kulturellen Gegebenheiten nicht vertraut sind, zur Seite zu stehen, gibt es bereits seit dem Jahr 2016 einen „Ankommens-Treff". Mangels Flüchtlingen war er zwischendurch nicht genutzt worden, seit Anfang Oktober ist er wieder geöffnet, und zwar donnerstags in der Zeit von 10 bis 12 Uhr. Die Stadt hat dafür einen Raum neben dem Bürgerhaus (gegenüber der Stadtbücherei) zur Verfügung gestellt. Finanziert und ausgestattet werde der Treff für die Flüchtlingsarbeit über ein Landesprogramm, teilt Michael Horn mit. »Ab 2018 dürften wir aber an unsere Grenzen kommen« Beim Treffen der Talente-Tauschbörse haben jetzt die beiden Ehrenamts-Koordinatorinnen Anke Diekmann und Annemarie Rodekamp von der Arbeit und den Herausforderungen der „Starthilfe" berichtet. Und sie haben unmissverständlich gefordert: „Neben dem ehrenamtlichen Einsatz muss es dringend einen Sozialarbeiter geben, der sich kümmert." Wie es in Leopoldshöhe der Fall sei. „Dort hat man schnell reagiert." In Leopoldshöhe habe es bereits sei dem Jahr 2015 erheblich mehr Zuweisungen gegeben, gibt Michael Horn zu bedenken. Weil das nun auch in Oerlinghausen zunehmend der Fall sein wird, werde man sich kümmern müssen. „Darüber ist aber noch nicht im Detail gesprochen worden." Letztlich sei die zusätzliche Einstellung eines Sozialarbeiters nicht nur eine Verwaltungs-, sondern auch eine politische Entscheidung. Die Ehrenamts-Koordinatorinnen dringen aufgrund ihrer Erfahrungen und angesichts der Tatsache, dass die Zahl der Zuweisungen steigen wird, auf ein schnelles Handeln. Anke Diekmann hat bereits in der ZUE bei den Johannitern als soziale Fachkraft gearbeitet. Im Ankommens-Treff ist die 51-Jährige für die Verteilung der Arbeit der Ehrenamtlichen zuständig. Sie weiß, wie hilflos und überfordert ankommende Menschen sind. So hatte sich auch der Treff entwickelt. Nach Deutschkursen habe es regelmäßig viele Fragen zu alltäglichen Dingen zum Leben in Oerlinghausen, zu Busverbindungen und vielem mehr gegeben, erzählt Anke Diekmann. „Wir haben gemerkt, dass der Bedarf der Menschen, all diese Fragen beantwortet zu bekommen, sehr groß ist." Unterstützung bei Verwaltungsaufgaben Eine Bank- und eine Krankenkassenkarte muss beantragt, der Pass verlängert werden und Briefe von Behörden erklärt werden. Für all das bräuchten die Menschen Unterstützung. „Dass der Aufwand so groß ist, hatten wir uns anfangs nicht so vorgestellt." Schnell stellten die Koordinatorinnen fest, „dass jeder Ehrenamtliche 20 Stunden im Monat allein mit Fahrdiensten beschäftigt ist". Sieben Freiwillige engagieren sich derzeit. Weitere werden gesucht. Anke Diekmann nennt ein Beispiel: Die Aufenthaltsgenehmigung ist abgelaufen. Also fährt ein ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer mit dem Betreffenden nach Detmold zum Ausländeramt. Dort aber sind die entsprechenden Daten noch nicht angekommen. Also können beim Jobcenter noch keine Leistungen beantragt werden. Heißt: Noch einmal eine Fahrt nach Detmold und dann zum Jobcenter. „Irre viele Stunden" kämen auf diese Weise zusammen. „Allein mit dem Ehrenamt kann das nicht bewältigt werden." Insbesondere deshalb, weil viele der Menschen mit psychischen Problemen zu kämpfen hätten oder die familiäre Situation unklar sei. „Dafür muss ein geschulter Sozialarbeiter her." Anke Diekmann und Annemarie Rodekamp berichteten zur Überraschung der Tauschbörse-Mitglieder auch davon, dass nach wie vor männliche Flüchtlinge in der alten Baracke am Stukenbrocker Weg leben. 22 leben derzeit dort, informiert Michael Horn, „24 wären möglich". Ende 2016 sei im Hauptausschuss beschlossen worden, den geplanten Neubau kleiner als geplant zu gestalten. „Voraussichtlich im Frühjahr soll mit dem Bau begonnen werden." Statt 32 würden dann 20 Flüchtlinge dort Platz finden können. Mit den Flüchtlingen in der einstigen Hellweg-Klinik habe der Ankommens-Treff nichts zu tun, betonten die Koordinatorinnen. „Im Treff geht es nur um anerkannte Flüchtlinge." 15 bis 17 Personen kommen derzeit regelmäßig, um Hilfe zu bekommen. Insgesamt, sagt Michael Horn, leben aktuell 81 anerkannte Flüchtlinge in der Bergstadt, außerdem 43 Asylbewerber, die noch auf ihre Anerkennung warten. Bisher hätten fast alle in Wohnungen untergebracht werden können. „Ab 2018 dürften wir aber an unsere Grenzen kommen."

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