Bläck Föös: Die bekannte Mundartband aus Köln hat ihre populärsten Hits im Gepäck. Dass sie den Weg nach Oerlinghausen gefunden hat, ist ihrem Wegbereiter Graham Bonney und der Beharrlichkeit von Klaus Büker zu verdanken. Die "schwarzen Füße" begeistern mit einem gelungenen Mix aus Stimmungsliedern und ruhigen Tönen, und das Publikum stimmt begeistert ein. Fotos: Karin Prignitz - © Karin Prignitz
Bläck Föös: Die bekannte Mundartband aus Köln hat ihre populärsten Hits im Gepäck. Dass sie den Weg nach Oerlinghausen gefunden hat, ist ihrem Wegbereiter Graham Bonney und der Beharrlichkeit von Klaus Büker zu verdanken. Die "schwarzen Füße" begeistern mit einem gelungenen Mix aus Stimmungsliedern und ruhigen Tönen, und das Publikum stimmt begeistert ein. Fotos: Karin Prignitz | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Schlager, Kölsch und Rock’n’ Roll

Rock gegen Krebs: 1.150 Besucher rocken bei der 12. Oldienacht in der Aula. Bedenken der „Bläck Föös“, dass sie in Lippe nicht verstanden werden, lösen sich im Lichternebel auf

Karin Prignitz

Oerlinghausen. Wann er zuletzt gesessen hat, daran kann Klaus „Hase" Büker sich kaum erinnern. Geschlafen hat er kurz mal zwischendurch. Erkältet ist er. Was solls. Der „Oberrocker", wie Gerd Ladugga ihn nennt, hat es dank seiner guten Kontakte in die Oldieszene und seiner Beharrlichkeit wieder einmal geschafft, namhafte Bands und Interpreten nach Oerlinghausen zu holen. Darunter sind sieben kölsche Jungs, die problemlos ganze Stadien füllen. 1.150 Besucher sind es bei der zwölften Ausgabe von „Rock gegen Krebs" in der Aula des Schulzentrums. „Schlager, Kölsch, Rock’n’Roll", diese gelungene Mixtur erwartet die wogende Masse. Darunter sind, das beweist der Fingerzeig, eine ganze Reihe von „Exil-Kölnern" und Anna Wiese, die mit rot-weißem Schal um den Hals und blinkender Ansteck-Gitarre aus Lage gekommen ist. FC-Fan ist sie, auch, wenn das nicht immer leicht ist, aber die 59-Jährige weiß: „Kölsche sind immer gut drauf." Und dann kommen sie endlich, die „Bläck Föös". Anna Wiese hat sich einen Platz in der ersten Reihe gesichert, reckt ihren Schal im rockigen Rhythmus in die Höhe, schließt die Augen und ist hin und weg. Dass die Bläck Fööss, eine der erfolgreichsten Kölner Mundart-Musikgruppen, den weiten Weg in die Bergstadt angetreten haben, ist keineswegs selbstverständlich. „Eigentlich", sagt Gitarrist „Bömmel" Lückerath, „spielen wir fast ausschließlich im Umkreis von 100 Kilometern". Denn dort seien die Menschen mit dem Dialekt vertraut. Als die Band allerdings hörte, dass Graham Bonney („seit zwei Monaten bin ich Deutscher") auch dabei sein würde, ließ sie sich überzeugen. Denn Bonney, den Klaus Büker als „einen der nettesten, bescheidensten Künstler" kennt, war seinerzeit der Wegbereiter für den Erfolg der Bläck Föös. „Er hat uns zu unserem Glück verholfen", bestätigt Bömmel Lückerath. Graham, der gleich zu Beginn des Abends mit bekannten Songs wie „Supergirl", „Siebenmeilenstiefeln" oder „Wähle 333 auf dem Telefon" das Publikum in Stimmung brachte, riet dazu, statt englischem Pop auf Mundart zu setzen. „Das war die Initialzündung, quasi ein Sechser mit Zusatzahl." Ob man sie in Lippe, auf ihrem „sprachlichen Betriebsausflug" verstehen würde, da waren sich die „blanken Füße" allerdings nicht so sicher. Deshalb hatten sie so viele populäre Lieder wie möglich in das Programm eingebaut und dürften einigermaßen erstaunt über die Textsicherheit und Begeisterungsfähigkeit des Oerlinghauser Publikums gewesen sein. Vor allem den beiden Neuen Mirko Bäumer und Pit Hupperten wurde neben den älteren Mitgliedern viel Bühnenpräsenz gewährt. Eine wiederum gute Entscheidung. Den Klassikern wie „Dat Wasser vun Kölle", „Katrin" oder die Einladung in „de Kaffeebud" verleihen beide eine jüngere Klangfarbe und Dynamik. Und die Kölner verstanden es geradezu perfekt, Stimmungslieder mit ruhigeren Tönen zu kombinieren. Natürlich kommen die Kölner („Soundcheck? Aus dem Alter sind wir raus") auch der speziellen Bitte von Klaus Büker nach und holen Pit Hupperten als „Schötze" auf die Bühne. „Einfach genial." Leo Lietz – ein Rocker der Lords mit 74 Jahren Bereits zum dritten Mal sind „The Lords" zu Gast bei „Rock gegen Krebs", und das aus gutem Grunde, denn die Berliner „Rock’n’Roller" gehören wohl zum Besten, was die Beatmusik der Sechziger in Deutschland zu bieten hat. Obwohl er noch in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag feiern wird, scheint der Rock’n’Roll vor allem für Band-Urgestein Leo Lietz ein Jungbrunnen zu sein. Immer wieder reckt er die Arme in die Höhe, kokettiert mit dem Publikum und natürlich geht am Ende immer noch ein weiterer Song. „Shakin’ all over", „Greensleeves", „Gloryland", das Auditorium rockt mit. Viele verteilen hinterher Schulterklopfer: „Superklasse, das kann man nicht toppen." Mika Leo (9), der Enkel von Leo Lietz, sieht das natürlich genau so. Er ist mitgekommen, fiebert und rockt am Bühnenrand mit. Zuvor sind bereits die Fans von „Creedence Clearwater Revived – Featuring Johnny Guitar" auf ihre Kosten gekommen. Auch sie haben Weltklassehits wie „Bad Moon Rising" oder „Down on the Corner" im Gepäck. Verpackt werden sie mit mächtiger Gitarrenstärke und rauchig-rockiger Stimmer von Peter Burton. Vor allem eine Reihe weiblicher Fans will geradezu ausflippen vor Begeisterung. Erst um ein Uhr ist Schluss. DJ Svenny hat da noch eine Stunde lang aufgelegt. Und zwar zum zehnten Mal. Eine Stunde früher zu beginnen, diese Entscheidung erweist sich am Ende als ebenso goldrichtig, die die Kombination der vier verschiedenen Acts. Die „Thekentaucher" der Schützen und die Handballer des TSV Oerlinghausen haben „mit unglaublich viel Spaß" die Bewirtung übernommen. Klaus Büker ist geschafft, aber hochzufrieden. „Unser Ziel, eine fünfstellige Summe zu spenden, haben wir auf jeden Fall wieder erreicht." 150.000 Euro sind es bei den elf vergangenen Veranstaltungen bereits gewesen. „Damit setzen Sie ein Zeichen", betont Franz Kohlhuber von der Deutschen Krebshilfe. Klasse Musik, Spaß und Hilfe für Krebskranke, genau diese Kombination macht „Rock gegen Krebs" aus. Und die Bereitschaft so Vieler, zu helfen und zu spenden.

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