Beenden die Saison: Museumsleiter Karl Banghard (v. l.) öffnete das Freilichtmuseum erstmals an Allerheiligen. Die Wikinger-Darsteller Lou, Peter „Piete“ Schnell, Rike und Astrid Burgers zeigen, wie vor 1.000 Jahren Wolle geschnürt und kleine Körbe geflochten wurden - © Kristoffer Fillies
Beenden die Saison: Museumsleiter Karl Banghard (v. l.) öffnete das Freilichtmuseum erstmals an Allerheiligen. Die Wikinger-Darsteller Lou, Peter „Piete“ Schnell, Rike und Astrid Burgers zeigen, wie vor 1.000 Jahren Wolle geschnürt und kleine Körbe geflochten wurden | © Kristoffer Fillies

Oerlinghausen Archäologisches Freilichtmuseum schreibt schwarze Zahlen

Archäologisches Freilichtmuseum: Nach zwei Jahren im Sparmodus ist Leiter Karl Banghard mit der Saison 2017 zufrieden. 2018 geht es auch um Klimageschichte.

Fillies

Oerlinghausen. Ende Oktober noch einmal angenehmes Wetter und reichlich Besucher im Archäologischen Freilichtmuseum. Deshalb haben sich Museumsleiter Karl Banghard und sein Team kurzerhand entschieden, die Saison 2017 um einen Tag zu verlängern. An Allerheiligen zeigten 16 Darsteller des „Wikingerhorts Oberhausen“ den Besuchern, wie es sich als Nordleute vor 1.000 Jahren lebte. Karl Banghard bilanzierte die abgelaufene Saison – und erklärte, was in einem neuen Haus gezeigt werden soll. Karl Banghard ist mit der Jahresbilanz zufrieden. An Einzelbesuchern seien in der diesjährige Saison von April bis Oktober mehr Leute gekommen, als das Jahr zuvor. In der Winterzeit ist das Museum für Einzelbesucher geschlossen. Gruppen können sich allerdings jederzeit für einen Besuch anmelden, 100 haben das laut Banghard für den Monat November bereits getan. „Nachdem wir in den beiden vergangenen Jahren einen radikalen Sparhaushalt fahren mussten, bin ich doch sehr überrascht über die Entwicklung. 2017 ist glücklich gelaufen“, sagt der Archäologe, der seit 2003 Leiter des Freilichtmuseums ist.Sponsoren gefunden „Durch unseren neuen Geschäftsführer Klaus Stein konnten wir gute Sponsoren für die Werbung des Museums finden.“ Klaus Stein war 40 Jahre lang beim Landesverband Lippe beschäftigt, zuletzt als stellvertretender Verbandsvorsteher sowie Geschäftsführer der Denkmal-Stiftung, die sich um das Hermannsdenkmal in Detmold und die Externsteine in Horn-Bad Meinberg kümmert. Die Besucherumfragen im Archäologischen Freilichtmuseum hätten die positive Entwicklung durch vermehrte Werbung bestätigt, so Museumsleiter Karl Banghard. „Es kamen Stimmen, die sagten, wie toll sei, was wir alles machen. Aber auch, dass sie das vorher nicht richtig mitbekommen hätten.“Auf Zugpferde setzen Gut gelaufen seien dieses Jahr zum Beispiel die Gladiatorentage und die Wikingertage. „Wir haben nicht experimentiert, sondern auf sichere Zugpferde gesetzt“, sagt Banghard. „Das hat sich aber auch rentiert.“ Durch die Einsparungen bei größeren Events und der hohen Besucherzahl von mehr als 20.000 Menschen während der Saison, schreibe das Archäologische Museum für 2017 schwarze Zahlen. Damit sei für 2018 „wieder mehr Luft, um mehr zu experimentieren“, so Banghard. „Wir können ja nicht immer nur das Gleiche machen, sondern wollen auch neue Wege gehen“, erklärt Banghard.Mit dem Hund ins Museum Für das zweite Aprilwochenende sei zur Saisoneröffnung eine lange Nacht der Museen geplant. Außerdem werde ein Afrikatag in Zusammenarbeit mit der katholischen Kirchengemeinde Oerlinghausen und der Evangelischen Landeskirche durchgeführt. Eine kleine Veranstaltung über den oftmals als besten Freund des Menschen bezeichneten Hund soll den Besuchern ermöglichen, die Evolutionsgeschichte des treuen Begleiters zu erfahren. „Da kann jeder seinen eigenen Hund mitbringen.“ Museumsdirektor Karl Banghard berichtet auch von den Plänen, ein Klimahaus zu errichten, um für Besucher das Klima während der unterschiedlichen Erdzeitalter erlebbar zu machen. Bisher sei es ein Problem gewesen, „im Sommer bei heißen Temperaturen die Eiszeit zu erklären“. In dem geplanten zylinderförmigen Klimahaus mit Rundtreppe könne die Klimageschichte spürbar nahe gebracht werden.Barrierefreier Zugang durchs Klimahaus Zugleich ermögliche der Bau einen barrierefreien Zugang zu dem Museumsteil, der auf dem Berg liegt. Mit dem Klimahaus verfolge das Museum außerdem das Ziel, das heutige Verständnis vom Klimawandel anders darzustellen, als es das oft durch Fotos von „Eisbären auf schmelzenden Gletschern“ getan werde. „Wir wollen nicht mit dem moralischen Hammer arbeiten, sondern durch eine neue Erzählung der Klimageschichte das Thema für die Menschen in Erinnerung rufen.“ In ganz Westfalen gebe es noch kein vernünftiges Klimabildungszentrum, erklärt Karl Banghard. Die architektonischen Pläne für das vier Etagen hohe Gebäude seien schon weit fortgeschritten. Jetzt müsse noch die Politik das Projekt unterstützen. „Wir erarbeiten gerade den umfangreichen Antrag, der bis Dezember eingereicht werden muss“, sagt Banghard.

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