Soll abgerissen werden: Der Jugendherbergsbetrieb endete 2012. Zuletzt lebten geflüchtete Jugendliche in dem Gebäude. Jetzt will ein Investor den Komplex abreißen und stattdessen Ferienwohnungen errichten. ? - © Foto: Martin Düsterberg
Soll abgerissen werden: Der Jugendherbergsbetrieb endete 2012. Zuletzt lebten geflüchtete Jugendliche in dem Gebäude. Jetzt will ein Investor den Komplex abreißen und stattdessen Ferienwohnungen errichten. ? | © Foto: Martin Düsterberg

Oerlinghausen Angebot für Jugendherberge löst Skepsis aus

Ein Investor will das Grundstück kaufen und Ferienwohnungen errichten. Er will sich aber eine Option offenhalten, die die Politik misstrauisch macht

Sigurd Gringel

Oerlinghausen. Fast wäre die Änderung des Bebauungsplans „Stadtkern Oerlinghausen" ohne Diskussion im Bauausschuss beschlossen worden. Hinter dem bürokratischen Namen verbirgt sich der Verkauf des Grundstücks der ehemaligen Jugendherberge. Eine kritische Anmerkung von Angelika Lindner (CDU) entfachte die Beratung und erzeugte auch bei den anderen Fraktionen Skepsis. Die Lage der ehemaligen Jugendherberge ist aus touristischer Sicht nahezu ideal. Hoch auf dem Tönsberg gelegen, der Blick reicht weit hinein ins Lipperland und auf der anderen Seite in die Senne. Dazu führt direkt vor der Haustür der Hermannsweg entlang. Ende 2012 zog das Deutsche Jugendherbergswerk allerdings einen Schlussstrich unter das Kapitel. Es begründete das Ende mit gesunkenen Besucherzahlen und Verlusten im fünfstelligen Bereich. Ende der 1920er Jahre hatte die Stadt das Areal dem Jugendherbergswerk überlassen und vertraglich festgelegt, dass das städtische Filetstück wieder in das Eigentum der Stadt übergehen soll, wenn die Jugendherberge geschlossen wird. Die Stadt musste lediglich das Gebäude für etwa 30.000 Euro kaufen. Wenig Interessenten bisher, keine konkreten Pläne Noch unter der Regie von Bürgermeisterin Ursula Herbort beschloss der Stadtrat, das Gelände auch weiterhin touristisch zu nutzen. Die Idee war, die teilweise maroden Gebäude abzureißen, neue aufzubauen und diese in Erbpacht einem Betreiber zu überlassen. Darauf wollte sich allerdings niemand einlassen, so dass die Stadt doch einen Verkauf erwog. Weil aber eine touristische Nutzung zur Bedingung gemacht wurde, gab es nur vereinzelt Interessenten, nie wurde ein Plan konkret. Die Käufer wollten auch weniger zahlen als gefordert. Im August 2016 mietete die Johanniter-Unfallhilfe die ehemalige Jugendherberge und betreute dort unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Bis zu 20 Jugendliche konnten dort untergebracht werden. Diese Anzahl wurde nie erreicht, deshalb entschlossen sich die Johanniter, die Jugendlichen auf andere Einrichtungen in Lippe zu verteilen. Am 15. Mai 2017 endete die Betreuung, das Gebäude ist allerdings noch bis zum Frühjahr 2018 angemietet. »Ich will meine Verhandlungsposition nicht schwächen« Nun liegt der Stadtverwaltung ein konkretes Angebot vor. Ein Investor aus Leopoldshöhe will das Grundstück kaufen und darauf eine neue Anlage mit 19 Ferienwohnungen und einer Eigentümerwohnung nebst Büro bauen. Dazu eine Tiefgarage, die vom Piperweg aus erreicht werden kann. Die Höhe des Angebotes will Bürgermeister Dirk Becker noch nicht nennen. „Ich will meine Verhandlungsposition nicht schwächen", sagt er. Als Bodenrichtwert könne man mit etwa 200 Euro pro Quadratmeter rechnen, sagt er, das Gelände hat eine Fläche von mehr als 2.100 Quadratmetern. Für den Neubau muss der Bebauungsplan erweitert werden, darüber hatte der Bauausschuss zu entscheiden. Allerdings nennt der Investor in seinem Antrag einen „Plan B". Falls eine touristische Nutzung wirtschaftlich nicht mehr möglich sei, will er das Gebäude „auch als übliche Wohnungen vermieten können". Angelika Lindner (CDU) verwies darauf, dass diese Option der ursprünglichen Tourismusidee widerspreche. Andreas Schröder (Freie Wähler), von Beruf Immobilienmakler, ergänzte, dass sich die vorgestellte Planung auch perfekt für Eigentumswohnungen eigne. Er schlug vor, im Vertrag eine Nutzungsdauer festzulegen. Dagmar Allmendinger (Grüne) konkretisierte: „Vielleicht 10 oder 15 Jahre." Reinhard Wollny (SPD) sagte zum Plan B des Investors: „Das macht mich stutzig." Der Investor will sich auf Anfrage der Neuen Westfälischen dazu nicht öffentlich äußern. „Ich spreche nur mit der Verwaltungsspitze darüber", sagte er. Die Änderung des Bebauungsplans beschloss der Ausschuss einstimmig, ohne Nutzungsdauer wird die Politik das Projekt wohl nicht genehmigen.

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