Ehemalige Hellweg-Klinik - © Karin Prignitz
Ehemalige Hellweg-Klinik | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Verdi wirft dem Roten Kreuz Wortbruch im Tarifstreit vor

DRK Betreuungsgesellschaft möchte laut Verdi den Reformtarifvertrag nicht mehr umsetzen

Gunter Held

Oerlinghausen. Eigentlich war alles unter Dach und Fach. Jens Ortmann, Verdi-Gewerkschaftssekretär, hatte mit seinen Mitstreitern gegen die DRK Betreuungsdienste Westfalen-Lippe, die die Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Hellweg-Klinik betreiben, einen Kompromiss erzielt, mit dem er und die Beschäftigten leben konnten. Die eigens vom Roten Kreuz für das Betreiben von Flüchtlingsunterkünften gegründete Gesellschaft hatte ihre Mitarbeiter nach dem Tarif für das Hotel- und Gaststättengewerbe (Dehoga) bezahlt. Verdi-Chef Frank Bsirske war „einigermaßen fassungslos" als er im April davon hörte und wollte sich persönlich einschalten. Es gab dann auch Gespräche, in denen Jana Biesenbach, Geschäftsführerin der DRK Betreuungsdienste Westfalen-Lippe, schließlich zustimmte, den Dehoga-Tarifvertrag auf den DRK-Reformtarifvertrag umzustellen, der dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst ähnlich ist. Das bestätigte Biesenbach auch in einer E-Mail an die Redaktion der Neuen Westfälischen. Davon ist nun keine Rede mehr. Wie Jens Ortmann in einem Gespräch mit der NW mitteilte, sei Verdi telefonisch informiert worden, dass die Anwendung des DRK-Reformtarifvertrages von der Betreuungsgesellschaft nicht mehr gewollt sei. Stattdessen sollen lediglich die Gehälter an die Werte des Reformtarifvertrages angeglichen werden, gibt Ortmann den Inhalt des Telefonates wieder. "Das ist dann zu teuer" Zuschläge, Zulagen, Altersversorgung und andere Leistungen aus dem Reformtarifvertrag sollen laut Ortmann explizit nicht eingeführt werden. „Das ist dann zu teuer", zitiert Ortmann aus dem Telefonat mit Geschäftsführerin Biesenbach. Ob die Vorstellungen der Betreuungsgesellschaft für beide Flüchtlingsunterkünfte, die eine in Oerlinghausen, die andere in Bielefeld-Oldentrup, gelten sollen, konnte gestern nicht geklärt werden, da weder Jana Biesenbach noch Pressesprecherin Ina Ludwig für eine Stellungnahme zu erreichen waren. Ortmann bezeichnet die Aussagen Biesenbachs als „Wortbruch", zumal der Wirtschaftsplan der Betreuungsdienste für das Jahr 2017 einen Gesamtüberschuss in Höhe von 2,2 Millionen Euro und für die Einrichtung in Oerlinghausen immerhin noch 213.000 Euro vorsieht.

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