Schäfer: Thomas Rüping ist mit 90 Heidschnucken noch bis zum Jahresende im Gebiet im Gebiet der Sandgrube Hassler unterwegs. An seiner Seite ist sein treuer Begleiter, der äußerst aufmerksame Border Collie Nad. Fotos: Karin Prignitz - © Karin Prignitz
Schäfer: Thomas Rüping ist mit 90 Heidschnucken noch bis zum Jahresende im Gebiet im Gebiet der Sandgrube Hassler unterwegs. An seiner Seite ist sein treuer Begleiter, der äußerst aufmerksame Border Collie Nad. Fotos: Karin Prignitz | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Kostbarkeiten der Natur kämpfen sich zurück

Sandgrube Haßler: Dank der Renaturierungsmaßnahmen haben sich seltene Pflanzenarten wie der Augentrost und die Heide-Nelke wieder ausgebreitet

Karin Prignitz

Oerlinghausen. Die leuchtende Farbe der blühenden Heide ist nach den vielen Regenwochen verblasst, der weite Blick hinunter in das Gebiet der Sandgrube Haßler dennoch einmalig. Die Pflegemaßnahmen im einst stark verbuschten und zugewachsenen Gebiet tragen Früchte und die Skepsis ist Wohlwollen gewichen. „Die Bedenken von Bürgern und Jägern ebben ab“, das hat auch Daniel Lühr beobachtet „Wir sind sehr zufrieden, haben einen tollen Pflegezustand erreicht“, sagt der Leiter des Naturschutzgroßprojektes Senne/Teutoburger Wald. „Das System aus Beweidung und mechanischer Nacharbeit funktioniert gut.“ Unerwünschte Gehölze werden entfernt, die Problempflanzen Goldrute und das Land-Reitgras mit seinen langen unterirdischen Ausläufern erfolgreich bekämpft. Stattdessen breitet sich mittlerweile wieder der auf der Roten Liste der weltweit gefährdeten Pflanzenarten stehende Augentrost aus. „Eine alte Heilpflanze“, erläutert Daniel Lühr und deutet auf mehrere Stellen auf dem sandigen Boden. Die unter Naturschutz stehende Heide-Nelke ist dort ebenfalls zu finden „und viele andere Kostbarkeiten“. Gleich mit Projektbeginn im Jahr 2008 habe die Sandgrube im Fokus gestanden, erzählt Lühr."Wenn wir nichts gemacht hätten, wäre hier alles bewaldet" Aber der Weg war steinig. „Wenn wir nichts gemacht hätten, wäre hier alles bewaldet“, betont Lühr und deutet auf Stellen, an denen dieser Zustand noch vorhanden ist. Ihnen stehen die in ihren Urzustand gebrachten Flächen gegenüber. Erste Maßnahme sei seinerzeit die Beweidung durch eine Ziegenherde gewesen, erinnert Lühr an Andreas Eisenbarth von der Schäferei Bethel. Von 2008 bis 2012 arbeitete der mit mobilen Zäunen und schickte die Ziegen von Fläche zu Fläche. „Parallel dazu sind die Gehölze geschnitten worden.“ Schon damals war geplant worden, einen Rundwanderweg mit Informationstafeln zwischen dem Archäologischen Freilichtmuseum und dem Segelflugplatz anzulegen sowie eine Aussichtsplattform an der Sandgrube. Doch die Ziegenbeweidung scheiterte, nachdem vier Tiere von wildernden Huskys getötet worden waren. Zwar seien für einige Wochen im Winter Heidschnucken der Biologischen Station auf der Fläche gewesen, erinnert Daniel Lühr. „Das war aber nicht ausreichend.“ Schnell habe sich all das wieder ausgebreitet, was dort nicht wachsen sollte.Die Hündin hört aufmerksam auf jedes Wort des Schäfers Im Spätsommer 2013 konnte dann eine Lösung gefunden werden. Seither kommt Schäfer Thomas Rüping mit seinen Heidschnucken und Bentheimer Landschafen. Die Erstbeweidung findet von Mitte Juni bis Anfang August mit 170 Tieren statt. Ab August bis Dezember bleiben noch 70 Heidschnucken in der Fläche. Nad, der kurzhaarige dreieinhalbjährige Border Collie von Thomas Rüping hält die Herde zusammen, hört aufmerksam auf jedes Wort des Schäfers und flitzt los, egal, welches Kommando er bekommt. Derweil schreitet der Sandabbau in der Grube weiter voran. „Allerdings mit einer jährlichen und zeitlichen Begrenzung“, betont Daniel Lühr. „Flächen, die rausfallen, werden renaturiert.“ Jede Teilfläche müsse aber zunächst vom Kreis abgenommen werden. „Momentan sind zwei Hektar hinzugekommen.“ Mit der Stadt gibt es bereits eine vertragliche Vereinbarung, eine Fläche von 20 Hektar für die Umsetzung des Naturschutzgroßprojektes nutzen zu können.

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