Erzählen viel über die Barockorgel: Inge Berghoff, mit Bildern von Amalia und Graf Simon Henrich zur Lippe, Klaus Ober und Matthias Topp nehmen die Besucher mit auf eine Zeitreise ins 17. Jahrhundert. - © Foto: Christian Stolz
Erzählen viel über die Barockorgel: Inge Berghoff, mit Bildern von Amalia und Graf Simon Henrich zur Lippe, Klaus Ober und Matthias Topp nehmen die Besucher mit auf eine Zeitreise ins 17. Jahrhundert. | © Foto: Christian Stolz

Oerlinghausen Wie sich Macht und Pracht in der Bergstadt auswirkten

Alexanderkirche: Besucher haben Interesse an Wissenswertem und Vorführungen zur Orgel. Dabei wird auch aufgedeckt, welcher hohe Besuch früher vor ihr Platz nahm

Oerlinghausen. Auf einmal ist das Geräusch des Windwerks, dieser kurze seufzende Ton nach dem Ende eines Orgelstücks, wichtig. Denn wenige Minuten zuvor hat der Kantor der Alexanderkirche, Matthias Topp, das wuchtige Instrument ausführlich erklärt: die Pfeifen, das Gebläse. Bei seinem anschließenden kleinen Orgelkonzert mit Stücken aus dem 17. Jahrhundert haben die etwa 40 Besucher Gelegenheit, nun auf die Details dieses vielfältigen Klangapparats zu achten. Zum europaweiten „Tag des offenen Denkmals“ hat auch die Alexanderkirche ihre Pforten geöffnet. „Macht und Pracht“ lautet in diesem Jahr das Motto, und die gibt es im evangelischen Gotteshaus beim Blick auf so einige Feinheiten der Orgel zu entdecken. Bewusstzumachen, „wie Oerlinghausen wurde, was es ist“, ist das Anliegen von Inge Berghoff, „dass man sich der Wurzeln besinnt“. Gemeinsam mit Klaus Ober und Matthias Topp hat sie den Nachmittag in der Kirche organisiert. Bei einer Führung erklärt sie Aspekte der Orgel. „Ich bin zum ersten Mal beim Denkmaltag“, sagt Besucher Michael Stückemann. „Hier bekommt man Einblicke, zu denen man sonst keine Gelegenheit hat.“ Und Harald Krause reizt die Möglichkeit, gezielt nachfragen zu können: „Besonders interessant ist die Erklärung der Wappen.“ Das fördere die Heimatverbundenheit.»Es ist eine ungewöhnlich prächtige Orgel« Die Wappen an der verzierten Orgel erläutert Inge Berghoff. „Es ist eine ungewöhnlich prächtige Orgel“, stellt sie zunächst fest. Salomonische Säulen, reiche Verzierungen, die präzise Arbeit: Vieles deutet direkt auf die Zeit des Hochbarocks. 16 Putten sind zu sehen. Vielleicht stellen sie die Kinder der Stifterin der Orgel dar, Burggräfin Amalia, geborene von Dohna. Aus dem Detmolder Schloss zeigt Inge Berghoff ein Bild von Amalia und von Graf Simon Henrich zur Lippe, zu dem auf der Orgel ebenfalls eine Inschrift zu finden ist. „Die Orgel verdanken wir einer holländischen Erbschaft. Amalia war Erbin aus der Familie der niederländischen Freiheitskämpfer gegen die Spanier. Amalia und Simon gingen hier zum Gottesdienst, und sie hatten unter der Orgel ihren Kirchenstuhl.“ Gemeinsam mit Klaus Ober ist Inge Berghoff zweimal, 2016 und 2017, in die Niederlanden gereist. Dort haben sie viele der Wappen auf der Orgel wiedergefunden. Auf ihre mangelnden Sprachkenntnisse seien die Niederländer sehr freundlich eingegangen, sagt Inge Berghoff. „Warum ist die Orgel die Königin der Instrumente?“, fragt Matthias Topp die Besucher. Eine Frau meint darauf, man könne mit der Orgel viele Instrumente imitieren. Matthias Topp: „Man kann auf dem Instrument viel kombinieren, muss mit den Händen und den Füßen spielen.“ Augenzwinkernd meint er über die heutige moderne Orgel: „Der Organist muss aber leiden. Jedes Register muss er einzeln ziehen, dann noch die Koppel betätigen und das Pedal. Das ist da oben noch richtige Arbeit.“ Er erklärt auch, warum es im Winter in der Kirche kalt sein kann: Die rund 1.500 feinfühligen Pfeifen vertragen es nicht anders."Wundern Sie sich über nichts" „Sie werden barocke Themen hören, aber wundern Sie sich über nichts“, sagt er schließlich überleitend zu seinem kleinen Orgelvorspiel. Gespannt lauschen die Besucher der Toccata und Fuge in F-Dur von Dieterich Buxtehude. Fröhlich, dröhnend, feierlich fliegen die Töne durch die Kirche. Bei Topps Barock-Improvisation wirbeln sie dramatisch, und kontrastreich wechseln die Variationen zwischen bekannten und überraschenden Motiven. Koordiniert wird der „Tag des offenen Denkmals“ von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Das Motto für den nächsten Denkmaltag wird erst Anfang 2018 bekanntgegeben.

realisiert durch evolver group