Informationen vom Chef: Karl Banghard (l.) lässt es sich nicht nehmen, eine Gruppe selbst durch das Freilichtmuseum zu führen. Am Steinzeittag sollten auch einige Indianer im Museum zu sehen sein, doch ein Teil der Darsteller sagte ab. - © Patrick Herrmann
Informationen vom Chef: Karl Banghard (l.) lässt es sich nicht nehmen, eine Gruppe selbst durch das Freilichtmuseum zu führen. Am Steinzeittag sollten auch einige Indianer im Museum zu sehen sein, doch ein Teil der Darsteller sagte ab. | © Patrick Herrmann

Oerlinghausen Indianer und Steinzeitmenschen im Freilichtmuseum

Beim Steinzeittag wird eine neue Strömung in der Archäologie präsentiert. Das Konzept zeigt interessante Parallelen

Patrick Herrmann

Oerlinghausen. Äpfel und Birnen sollte man laut einem Sprichwort nicht vergleichen. Doch es gibt durchaus ein paar Ähnlichkeiten, die einen Vergleich zulassen. Beides ist Obst, beides ist gesund, beides hat ein Kerngehäuse. Jahrelang gingen Archäologen davon aus, dass Völker und deren Entwicklungsschritte nicht zu vergleichen sind. Die Menschen der Steinzeit waren der Apfel, die Indianer beispielsweise die Birne. Doch ein neuer Trend macht unter Archäologen gerade die Runde. Es werden durchaus Parallelen gezogen, denn Werkzeuge nutzten beide Völker aus ähnlichen Rohstoffen. Und dass die Besiedelung Nordamerikas nicht nur über die Beringstraße verlief, sondern auch Europäer schon in der Steinzeit den Weg dorthin fanden, gilt in Forscherkreisen mittlerweile als gesichert. Diesem neuen Thema widmete das Freilichtmuseum den Steinzeittag. Nicht an der Idee krankte die Umsetzung, sondern an den Indianerdarstellern. Zwei der vier angekündigten Gruppen kamen nicht. Museumsleiter Karl Banghard erklärt: „Da können wir nichts für“, Verträge würden nicht mit den Darstellern geschlossen. Vielleicht sei das jedoch eine Option für die nächsten Veranstaltungen. Die Indianerdarsteller, die kamen, warteten mit Schmuck, Werkzeugen und historischen Spielzeugen auf. Spannend: Vieles davon ließ sich mit Dingen aus der steinzeitlichen Ausstellung vergleichen. Die war im Übrigen gut wie in den Jahren zuvor. Hartmut Albrecht zum Beispiel klärte in steinzeitlicher Montur Mythen und Fragen der Besucher. Wie wurde Fell haltbar gemacht? Es wurde gegerbt, schon damals. Nicht so wie heute, aber eben doch effektiv für die damaligen Mittel. Nebenbei gibt es Tipps, die schon in Urzeiten nützlich waren: Biberfelle haben circa 25.000 Haare pro Quadratzentimeter. Diese Felle seien dann doch besser zum Warmhalten als zum Verarbeiten gedacht. An den Entwicklungen in der Steinzeit und der Indianer möchte das Freilichtmuseum noch auf einen weiteren Aspekt hinweisen, die Verdrängung durch sich neu entwickelnde Kulturen. Aus diesem Grund informierte Amnesty International über zwei Projekte. Im kanadischen British Columbia seien zwei indigene Stämme durch ein Staudammprojekt bedroht, erklärt Fritz Rüßler von Amnesty Detmold. Dafür sammeln er und seine Mitstreiter Unterschriften unter Protestbriefen. Ein anderes von Amnesty unterstütztes Projekt betrifft Bolivien. Dort wurden, laut Amnesty Büros von Menschenrechtlern zwangsgeräumt. Mit den Besucherzahlen war Banghard nicht ganz zufrieden. Rund 600 Besucher seien eher „mittelmäßig“. Dafür war das Mottokonzert am Samstag (Bericht unten) ein „voller Erfolg“.

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