Eröffnung und Einführung: Künstler Michel Meyer (v. r.), die Vorsitzende des Kunstvereins Oerlinghausen, Isolde Müller-Borchert, Alexander Gruber, der die Einführung zur aktuellen Ausstellung gehalten hat, sowie Fred Schierenbeck und sein Nachfolger als Künstlerischer Leiter des Kunstvereins Oerlinghausen, Professor Andreas Beaugrand, vor dem Bild „Wandertag“. Foto: Karin Prignitz - © Karin Prignitz
Eröffnung und Einführung: Künstler Michel Meyer (v. r.), die Vorsitzende des Kunstvereins Oerlinghausen, Isolde Müller-Borchert, Alexander Gruber, der die Einführung zur aktuellen Ausstellung gehalten hat, sowie Fred Schierenbeck und sein Nachfolger als Künstlerischer Leiter des Kunstvereins Oerlinghausen, Professor Andreas Beaugrand, vor dem Bild „Wandertag“. Foto: Karin Prignitz | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Kunstverein zeigt hintersinnige und verschmitzte Kunst

Karin Prignitz

Oerlinghausen. Seine Arbeiten sieht er selbst als Gratwanderungen zwischen Figur und Abstraktion. Michel Meyers prägnante Köpfe erlauben einen Blick hinter die Kulissen der menschlichen Psyche. Wer vor den Bildern des süddeutschen Malers und Zeichners verweilt, wird, so wie Alexander Gruber, hinter der scheinbar bunten, fröhlichen Farbenwelt „Fratzen, Grimassen, grinsende Masken, zähnefletschend und heulend, lärmend und schadenfroh“ erkennen. Provokant, könnte man meinen. Michel Meyer sieht das ganz anders. Aus seinen Arbeiten spreche vielmehr die Poesie, betont Meyer, dessen Ausstellung „Kling Klang“ am Sonntag in der Alten Synagoge eröffnet worden ist. „Ich füge zusammen, was ich finde.“ Und dazu gehören eben auch menschliche Haltungen und Gesichtsausdrücke, die der 60-Jährige verarbeitet. Gekommen ist er mit seiner Frau Anne Sommer-Meyer. Sie hatte im Jahr 2012 in der Synagoge ausgestellt. „Kling Klang, der Titel hört sich erst mal lustig an“, findet Karin Kemner. „Es geht aber wohl nicht um die Schönheit im tieferen Sinn“, glaubt die Besucherin. Alexander Gruber, früher Chefdramaturg an den Städtischen Bühnen Bielefeld und Beiratsmitgied im Kunstverein Oerlinghausen, kennt Michel Meyer und seine Kunst seit langem. „Hintersinnig und durchaus verschmitzt“ seien seine Bildaussagen. „Er nasführt uns, irritiert uns, als wäre er ein anderer William Faulkner, der uns einen Roman aus dem Sarg erzählt über das ganz alltägliche und grässlich komische Leben.“ Durch den andauernden Prozess der Malerei lasse Meyer entsorgte Gedanken verschwinden. Er nennt es „Spiel im Ernst“. „Wandertag“, „Plankton“ oder „Geh nur hin, sie sitzt schon drin“, so nennt Meyer seine Bilder. In der Mitte hat er eine kleine Figur aus Holz platziert, die „Zornige Figur“, auch genannt „Ritter mit Regenschirm“, der an Don Quijote erinnert. „Die Milde ist das Gegengift, das ich so gern verwende“, hat Michel Meyer in einem seiner Gedichte gesagt. „Bei ihm, dem Maler, ist es die Kunst“, ergänzt Alexander Gruber. „Etwa die Farben in sorgfältig austarierter und, ob in Öl, Acryl oder Kreide, sorgsam, entgegen allem Graffitihaftem, ausgeführten Harmonie.“ Die Harmonie der Kunst. „Sie zieht uns an und gibt uns Kraft, den Schrecken auszuhalten.“ Die Bilder versöhnten auf seltsame Weise. Und Professor Andreas Beaugrand habe Recht, wenn er sage: „Es geht hier nicht um das, was man mit Worten beschreiben kann.“ Beaugrand ist am Sonntag von der Vorsitzenden des Kunstvereins Oerlinghausen, Isolde Müller-Borchert, offiziell als neuer Künstlerischer Leiter vorgestellt worden. Sein Vorgänger Fred Schierenbeck hatte die Kontakte zu Beaugrand geknüpft. Schierenbeck hatte das Amt auf eigenen Wunsch abgegeben, wird aber als Beiratsmitglied und wichtiger Ansprechpartner weiter aktiv bleiben.Die Öffnungszeiten Die Ausstellung von Michel Meyer in der Synagoge an der Tönsbergstraße ist bis zum 9. Juli geöffnet. Die Öffnungszeiten: Donnerstag, Samstag und Sonntag von 15 bis 17 Uhr sowie Sonntag von 11 bis 13 Uhr. Zusätzliche Öffnungen auf Anfrage. An Feiertagen geschlossen. Am Donnerstag, 22. Juni, können Kinder ab 16 Uhr mit Dorothee Sommer zu Kunstentdeckern werden. Ebenfalls am 22. Juni wird es ab 19 Uhr in der Synagoge die Lesung „Eingefangene Schatten“ mit Dagmar Nick geben. Am 29. Juni findet von 18.30 bis 19.30 Uhr das Kunstgespräch zur Ausstellung in der Synagoge statt. Am 9. Juli wird der Katalog „40 Jahre Kunstverein Oerlinghausen“ vorgestellt.

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