Hier wird es laut: Lastwagen überragen den Lärmschutzwall an der Holter Straße deutlich. - © Sigurd Gringel
Hier wird es laut: Lastwagen überragen den Lärmschutzwall an der Holter Straße deutlich. | © Sigurd Gringel

Oerlinghausen Lipperreiher fordern Nachbesserung am Lärmschutzwall

Beschwerde: Der Verkehr an der Holter Straße hat zugenommen. In hinnehmbarem Maß, sagt Straßen NRW. Anwohner stellen die Lärmbewertung in Frage

Sigurd Gringel

Oerlinghausen. Die Anwohner mussten sich ganz schön gedulden. Jetzt liegt endlich die sogenannte lärmtechnische Berechnung an der Holter Straße in Lipperreihe vor. Obwohl der Lärmschutzwall dort abgesackt ist und der Straßenverkehr zugenommen hat, stellt der Straßenbaulastträger „Straßen NRW“ keinen Handlungsbedarf fest. Wie berichtet, haben sich Anwohner, deren Grundstücke direkt an die Holter Straße grenzen, über höheren Verkehrslärm beschwert. Zwischen den Grundstücken und der Straße verläuft ein Lärmschutzwall. Die Anwohner stützen sich bei ihrer Einschätzung auf ihre Wahrnehmungen.Der Wall ist abgesackt, das konnte die NW beweisen Liane Brandt vermutete, der Lärmschutzwall sei abgesackt. Daniel Bartke hatte den Eindruck, dass seit der Ansiedlung einer Großspedition in Stukenbrock mehr Lastwagen die Landstraße 751, wie sie in der Behördenbezeichnung heißt, befahren. Beide haben recht. Dass der Lärmschutzwall um mehrere Zentimeter abgesackt ist, hat der zuständige Straßenbaulastträger „Straßen NRW“ erst nach einer Messung eingeräumt, die die NW-Redaktion vorgenommen hatte. Eine bundesweite Verkehrszählung findet alle fünf Jahre statt, daraus wird dann die Verkehrsbelastung berechnet und geprüft, ob der Lärmschutz ausreicht. Die Höhe des Lärmschutzwalls ergibt sich aus einer Verkehrsprognose, die laut Planung bis zum Jahr 2020 gültig sein muss. Danach würde die Höhe des Lärmschutzwalls ausreichen, wenn bis zu 14.480 Fahrzeuge, davon 1.100 Lastwagen, täglich über die Holter Straße fahren. 2010 waren es laut Verkehrsministerium NRW knapp 11.000 Fahrzeuge, davon 938 Lkw. Fünf Jahre später waren 12.537 Fahrzeuge (940 Lkw) dort täglich unterwegs. Der Verkehr hat absolut also zugenommen, das Verhältnis Pkw zu Lkw laut Berechnung leicht abgenommen. Weil die prognostizierte Belastung unterschritten wird, sieht der Landesstraßenbetrieb keinen Anlass, beim Lärmschutz nachzubessern. Abteilungsleiterin Birgit Husemann teilt mit: „Die lärmtechnische Berechnung auf der Basis der aktuellen Verkehrszahlen mit der aktuellen, niedrigeren Höhe ergibt, dass nach wie vor der Lärmschutz (.?.?.) vorhanden ist.“ Dazu Daniel Bartke: „Das ist die Theorie, aber wir haben die Praxis vor der Tür.“ Er regt eine eigene Vergleichszählung an – analog zur Lärmschutzwallmessung der NW-Redaktion. „7,5 Prozent Lkw – das bezweifle ich.“ Liane Brandt fühlt sich vor den Kopf gestoßen. „Die gehen nach Grenzwerten, aber für uns ist das Lärm.“ Sie stellt die Grenzwerte infrage und lädt Birgit Husemann an einem Freitagnachmittag zu sich auf die Terrasse ein. „Ich will doch nur ein Häufchen Sand, damit der Wall wieder so hoch wird wie früher.“ Und: „Die Behörden wollen, dass wir aufgeben.“ Aber das will sie noch nicht.

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