Fall Julia R.: Der Angeklagte (M.) im Gerichtssaal des Landgerichts Detmold. - © Gunter Held
Fall Julia R.: Der Angeklagte (M.) im Gerichtssaal des Landgerichts Detmold. | © Gunter Held

Detmold/Oerlinghausen Getötete Julia R.: Angeklagter beruft sich auf Befehl eines Herrschers

„Ich lebe seit einem LSD-Tripp 2015 in einer Parallel-Welt"

Gunter Held

Detmold/Oerlinghausen. Als Dieter O. (Name geändert) den Saal im Detmolder Landgericht betritt, klicken die Fotoapparate und es surren die Kameras. Das Medieninteresse an dem 22-Jährigen ist groß. Er hat bereits gestanden, seine zehn Jahre ältere Freundin Julia R. getötet zu haben. Auf deren Wunsch, wie der Oerlinghauser vor dem Prozess aussagte. Diesen Tod auf Verlangen glaubt ihm die Staatsanwaltschaft Detmold, vertreten durch Kristoffer Mergelmeyer, nicht. Er geht davon aus, dass der Angeklagte die Tat nach einem zuvor gefassten Entschluss beging. Als Nebenklägerin nimmt die Schwester des Opfers mit ihrer Rechtsanwältin Christine Habetha teil. O. macht einen in sich gekehrten Eindruck. Er stellt sich den Kameras, stiert vor sich hin. Sein schwarzes, mittellanges Haar trägt er in der Mitte gescheitelt, auf der Oberlippe sprießt ein spärliches Bärtchen. Es scheint fast so, als ob es ihn männlicher erscheinen lassen soll. Doch er ist ein Jüngelchen. Sein Verteidiger, Carsten Ernst aus Bielefeld, sagt, dass ihm sein Mandant vorkäme, als ob er nicht in der Lage sei, dem Prozess zu folgen. Der Vorsitzende Richter Karsten Niemeier schlägt daraufhin vor, dass der Angeklagte sich zunächst zu seiner Person äußern solle. Dann könne man weitersehen. "Harmonisches Leben" gehabt Dieter O. berichtet von einer behüteten Kindheit in Oerlinghausen. Er habe noch vier ältere Geschwister. Von seinen Brüder weiß er das Alter, 25 und 34 Jahre. Von den Schwestern „weiß ich das Geburtsdatum, aber nicht das Alter", sagt er. Er habe „ein harmonisches Leben" gehabt, sei zwar spät mit dem Sprechen angefangen, habe aber nach einer Sprachförderung eine normale Schule besuchen können und sei dann zur Realschule in Schloß Holte-Stukenbrock gegangen und habe diese auch abgeschlossen. In der achten Klasse habe er angefangen, Drogen zu nehmen: Marihuana, Pilze, Extasy, später auch LSD. Regelmäßig habe er auch Alkohol getrunken. Bier und Whiskey. Dadurch sei ihm auf dem Berufskolleg „die Schule aus dem Fokus geraten". Er brach ab und bekam eine Ausbildungsstelle als Kfz-Mechatroniker in Asemissen. Darüber sei er froh gewesen und habe zunächst den Drogenkonsum reduziert. Auch durch die Beziehung zu Julia R. „habe ich nicht mehr so viel gekifft". Doch die Drogen waren stärker. Er sei oft zu spät zur Arbeit gekommen. Schließlich wurde ihm fristlos gekündigt. O. erzählt das alles leise, stockend und mit großen Pausen. „Ich versuche, so wenig wie möglich an die Vergangenheit zu denken." "Ich möchte kein Mitleid" Zum Schluss seiner Ausführungen sagt Dieter O.: „Ich weiß, ich habe ein Menschenleben genommen. Ich möchte kein Mitleid." Dann wird die Verhandlung unterbrochen. In der Pause berichtet O. seinem Verteidiger, dass er nach einem LSD-Trip mit einem Freund Stimmen gehört habe. Der Herrscher eines Paralleluniversums habe ihm Befehle erteilt. Als dann seine Freundin zwei-, dreimal gesagt hatte, dass sie sterben möchte, habe er das für bare Münze genommen, erklärt er in einem Gespräch mit der Neuen Westfälischen. In einer weiteren Verhandlungspause spricht er eine knappe Stunde mit dem psychologischen Gutachter Bernd Roggenwallner. Der stellt fest, dass der Angeklagte psychopathologisch nicht auffällig sei. Richter Niemeier entscheidet, mit der Vernehmung der Zeugen weiterzumachen. Der Angeklagte brauche sich an diesem Prozesstag nicht zur Sache zu äußern. So schildert Rechtsmediziner Bernd Karger aus Münster, dass es aufgrund der Verwesung unmöglich gewesen sei, an der Leiche eine Todesursache festzustellen. Die Verletzungen, die O. jedoch am linken Arm gehabt habe, könnten auf eine Gegenwehr des Opfers hindeuten. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

realisiert durch evolver group