Neuer Betreiber: Seit dem 1. Februar sind nicht mehr die Johanniter zuständig. Das Deutsche Rote Kreuz betreibt jetzt die Landeseinrichtung in den Räumen der ehemaligen Hellweg-Klinik nahe des Segelflugplatzes. Dass die Einrichtung besenrein übergeben werden musste, stößt auf heftige Kritik. - © Karin Prignitz
Neuer Betreiber: Seit dem 1. Februar sind nicht mehr die Johanniter zuständig. Das Deutsche Rote Kreuz betreibt jetzt die Landeseinrichtung in den Räumen der ehemaligen Hellweg-Klinik nahe des Segelflugplatzes. Dass die Einrichtung besenrein übergeben werden musste, stößt auf heftige Kritik. | © Karin Prignitz

Oerlinghausen „Tausende Euro verbrannt“

Flüchtlingsunterkunft: Bürger, darunter Ehrenamtler und Spender, wollen geklärt wissen, warum Mobiliar nicht weiter verwendet worden ist. Eine Anfrage an den Landtag läuft

Karin Prignitz

Oerlinghausen. Stühle, Tische und Stühle, die sich in Containern vor der ehemaligen Hellweg-Klinik türmen. Dazwischen Kleidung. Metallbettgestelle, die draußen im Schnee gestapelt worden sind. Davor lehnen Fahrräder. Bilder, die bei vielen Menschen auf großes Unverständnis gestoßen sind. Zweieinhalb Jahre lang waren die Johanniter zuständig für den Betrieb in der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung des Landes. Nach einer europaweiten Ausschreibung bekam das Deutsche Rote Kreuz (DRK) den Zuschlag. Seit dem 1. Februar ist die Einrichtung ein Übergangswohnheim für Menschen mit geringer Bleibeperspektive. Dass die Räume „besenrein“ übergeben werden mussten, ist für viele Bürger, auch über die Ortsgrenzen hinweg, kaum nachvollziehbar, denn Einrichtung, Möbel, Kleidung – all das sei doch noch verwendbar gewesen. Einige von ihnen haben sich jetzt an die CDU-Landtagsabgeordnete Heike Görder aus Bad Salzuflen gewendet. „Hier wurden Tausende Euro einfach verbrannt“, glaubt Görder. Zugetragen worden war, dass die Neumöblierung 125.000 Euro gekostet haben – finanziert aus Steuermitteln. Um Klarheit zu bekommen, sei eine „Kleine Anfrage“ an den Landtag NRW formuliert worden, berichtet Görder. Unterzeichnet ist diese Anfrage vom CDU-Landtagsabgeordneten André Kuper. Eine Antwort steht noch aus.Art der Entsorgung brüskiert das Ehrenamt „Bis auf die Übernahme der Kleiderkammer ist es in Oerlinghausen wie auch in anderen Städten dazu gekommen, dass das gesamte bisherige Inventar der Einrichtung verschrottet wurde“, schreibt Kuper. „Mit dieser rohen Art der Entsorgung“ sei nicht nur unnötiger „Müll“ produziert, sondern auch das Ehrenamt brüskiert worden. Zumal es viele Spenden von Vereinen und Verbänden gegeben habe. Andreas Moseke von der Pressestelle der Bezirksregierung Detmold informiert, „dass eine mögliche Einigung über Mobiliar und Einrichtungsgegenstände bilateral zwischen den Beteiligten erfolgen musste“. Das bedeutet: Sie regeln es unter sich. Das DRK habe die Einrichtung ausdrücklich leer übernehmen wollen, sagt Meike Delang, Pressereferentin vom Johanniter-Regionalverein Lippe-Höxter. „Das haben wir schriftlich.“ Delang betont, „dass nur Sachen weggeschmissen worden sind, die nicht mehr in Gebrauch waren“. Als die Einrichtung vor zweieinhalb Jahren schnell habe ausgestattet werde müssen, „war der Markt leer“. Deshalb habe man „nicht immer die beste Qualität bekommen“. Zum Teil seien damals Möbel aus der Hellweg-Klinik übernommen worden. Vieles sei nicht mehr zu gebrauchen gewesen."In den Containern verschwanden Dinge, die noch brauchbar waren" Delang widerspricht Angaben ehemaliger Mitarbeiter, dass 20 Container mit Ausrangiertem weggeschafft worden sind. Sie spricht von zwei oder drei. „Stimmt nicht“, sagt eine einstige Mitarbeiterin, die ihren Namen nicht nennen möchte. Sie hat auch etliche Dinge in den Containern verschwinden sehen, „die man ganz sicher noch hätte nutzen können“. Und sie fragt sich, warum für metallene Bettgestelle nicht einfach nur neue Lattenroste angeschafft worden und sie dann weiter verwendet worden sind. Ihres Wissens hätten die Johanniter die Doppelbetten für 2,50 Euro pro Stück an das DRK verkaufen wollen. Nun haben die Johanniter 3,60 Euro pro Bett bekommen – von einem Schrotthändler. „Das Mobiliar haben wir nicht übernommen, weil es ganz einfach keinen Bedarf dafür gab“, sagt die Pressesprecherin des DRK-Betreuungsdienstes Westfalen-Lippe, Ina Ludwig. Die Einrichtung sei fast ausschließlich mit Inventar aus eigenen Bestand des DRK ausgestattet worden. Die Möbel stammen aus einer Notunterkunft in Bad Salzuflen und aus weiteren Unterkünften der DRK-Betreuungsdienste Westfalen-Lippe, die geschlossen worden sind.Das DRK hat nur Sachen der Kleiderkammer übernommen Die Johanniter haben eine 500 Quadratmeter große Halle in Blomberg angemietet. Dort, berichtet Meike Delang, seien viele Sachen eingelagert worden. Andere, unter anderem auch die teils von den Rotariern gespendeten Fahrräder seien an die Obdachlosenhilfe, nach Rumänien, in die Ukraine oder nach Afrika gespendet worden. Einige Fahrräder haben die minderjährigen unbegleiteten Flüchtlinge in der ehemaligen Jugendherberge bekommen. Das DRK habe lediglich die Sachen der Kleiderkammer übernommen. Angelika Lindner, Fraktionsvorsitzende der CDU in Oerlinghausen, fragt sich, wie das Konzept des Deutschen Roten Kreuzes in der Oerlinghauser Einrichtung aussieht. Auch vor dem Hintergrund der Qualitätssicherung. Konkret antwortet die Pressestelle darauf nicht. Nur soviel: „Wir gewährleisten in all unseren Einrichtungen eine stets professionelle und fürsorgliche Betreuung und Versorgung.“ Die Oerlinghauser Bürger Bärbel und Bernd Meyer hatten einen offenen Brief mit Fragen zu dem Verbleib der Dinge und dem Trägerwechsel an die Bezirksregierung geschickt, der der NW vorliegt. In der Antwort heißt es unter anderem, dass „das landesweit durchgeführte Vergabeverfahren mit der europaweiten Ausschreibung dazu geführt hat, dass die monatlichen Kosten für die Betreuung der geflüchteten Menschen in den verschiedenen Einrichtungen erheblich reduziert werden konnten. Berechnungen belegen eine Kostensenkung bis zu 50 Prozent – bei gleichbleibender Qualität.“ Diese werde regelmäßig überprüft. „Folglich geht das Land NRW verantwortlich mit Steuermitteln um.“ Viele Ehrenamtliche sind über die Entwicklung in der Flüchtlingsunterkunft so verärgert, dass sie nicht weiter mithelfen wollen. Der reibungslose Betrieb der Einrichtung sei dennoch „jederzeit gewährleistet“, schreibt Ina Ludwig. „Darüber hinaus sind uns weitere helfende Hände immer herzlich willkommen.“

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