Weihnachtszeit: Butter- und Marzipanstollen gehören derzeit in der Brinkmannschen Backstube zum alltäglichen Werk. Wilm Brinkmann, seine Eltern Ellen und Arnd vor einem Blech mit frisch aus dem Ofen gekommenen Spezialitäten. - © Karin Prignitz
Weihnachtszeit: Butter- und Marzipanstollen gehören derzeit in der Brinkmannschen Backstube zum alltäglichen Werk. Wilm Brinkmann, seine Eltern Ellen und Arnd vor einem Blech mit frisch aus dem Ofen gekommenen Spezialitäten. | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Oerlinghauser backen in vierter Generation

Geschäfte mit Geschichte (22): Bäckerei Brinkmann in Helpup ist erneut ausgezeichnet worden

Karin Prignitz

Oerlinghausen. Gestern ist sie angekommen. Die Urkunde mit dem goldenen Rahmen für den Landesehrenpreis für Lebensmittel. Einen Platz für sie an der Wand zu finden, dürfte allerdings schwierig werden, denn die Auszeichnungen im Hause Brinkmann häufen sich. Zum wiederholten Male hat der Familienbetrieb mit Stammsitz in Helpup den Preis zugesprochen bekommen. Als eine von nur zwölf Bäckereien in Nordrhein-Westfalen. "In Lippe sind wir sogar die einzigen", bestätigt Junior-Chef Wilm Brinkmann. Dafür, dass qualitativ hochwertige Produkte verwendet werden, wird der Familienbetrieb darüber hinaus seit 26 Jahren von der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) mit dem Preis der Besten belohnt. Für Brinkmanns Ansporn und Verpflichtung zugleich. Konservierungsstoffe, chemische Zusatzmittel? Sie haben die Schwelle zu Brinkmanns Backstube noch nie übertreten. "Eier, Milch, Früchte, alles aus der Region", berichtet Ellen Brinkmann, ehe sie wieder in ihr Reich, das Ladengeschäft an der Bahnhofstraße, eilt. "Laden und Bäckerei, das ist meine Welt", sagt die 66-Jährige, die viel Wert auf die Qualitätskontrolle legt. Dort, wo heute Edeka-Brinkmann seinen Kunden die Waren des täglichen Bedarfs bietet, hat Gustav Brinkmann im Jahr 1903 den Grundstein für die Erfolgsgeschichte der Bäckerei Brinkmann gelegt. Schon bald kam ein kleiner Stubenladen hinzu. "Um den hat sich meine Großmutter Pauline gekümmert", erzählt Arnd Brinkmann (67). Sein Großvater sei noch mit dem Kutschwagen losgezogen. "Mit Pferd und Wagen hat er Brote ausgeliefert." Sein Weg führte ihn Richtung Bielefeld, denn "im Lippischen gab es genügend andere Bäcker". Überhaupt war die Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts eine völlig andere. Dreimal täglich frisches Brot in diversen Sorten, daran war früher nicht zu denken. "Mein Großvater fuhr höchstens zweimal wöchentlich aus." Die Bauern hätten ihr Getreide damals in die Mühle gebracht, zum Beispiel in die der Familie Grote in Helpup, um es zu Mehl mahlen zu lassen. "Die Menge wurde notiert und in Brote umgerechnet", veranschaulicht Arnd Brinkmann die damalige Vorgehensweise. Das aus dem Mehl gebackene Brot gab es über das Jahr verteilt. Roggenbrot, Weißbrot, Stuten. Das war die übersichtliche Auswahl. Körner, wie sie heute gang und gäbe sind, "das kam erst viel später". In den 50er Jahren übergab Gustav Brinkmann Bäckerei und Geschäft an seinen Sohn Wilhelm. Brötchen etablierten sich allmählich. "Und vor Weihnachten wurde drei Tage durchgearbeitet." Arnd Brinkmann, der die Geschäftsführung 1987 übernommen hat, kann sich noch gut erinnern, wie müde sein Vater war, als die Festtage da waren. "Kurz bevor die Suppe kam, ist er eingenickt." Vieles habe sich mit dem technischen Fortschritt gewandelt, sagt Arnd Brinkmann. Torten, die habe es früher "an Weihnachten, Ostern und zu Omas Geburtstag gegeben". Heute sei alles täglich verfügbar. Weil das so ist, beginnt das Leben in der Backstube auch schon gegen 23.30 Uhr. Damit die gewünschte Auswahl mit der Ladenöffnung um 7 Uhr vorhanden ist. Der erste Ladenbackofen ist Anfang der 80er Jahre bei Brinkmann installiert worden, "die erste Brotschneidemaschine auch um diese Zeit". Seit etwa 20 Jahren wird in der Nacht zu Sonntag in der Bäckerei an der Blumenstraße gebacken, damit die Kunden auch an diesem Tag frische Brötchen auf dem Teller haben. Seit dem Jahr 2012 ist Wilm Brinkmann (38) gemeinsam mit seinem Vater Geschäftsführer. Mittlerweile werden acht bis neun Gesellen beschäftigt. Elf Sorten Plätzchen, Butter- und Marzipanstollen werden täglich frisch produziert. Brinkmann betreibt acht Backshops, ist auf den Wochenmärkten in Lemgo, Lage und Detmold vertreten und betreibt drei Edeka-Märkte. Insgesamt, inklusive der Aushilfen und Märkte, werden 226 Mitarbeiter beschäftigt. Die Serie In unserer Serie bieten wir Hintergrundinformationen über Geschäfte, in denen Sie einkaufen, und über Restaurants, in die Sie einkehren. Zuletzt erschienen sind Berichte über die Kfz-Werkstatt Paul Cieplik (heute Jörg Walter), die Heißmangel Cerulla, die Fruchtsaftkellerei Wernicke.

realisiert durch evolver group