Mit ungewöhnlichen Mitteln: Peter Schwieger, Angelika Höger und Marcus Beuter (v. l.) machen sich in der Synagoge auf die Suche nach Klangquellen. Dabei nutzen sie Gitarrenverstärker, Mikrofone und unterschiedliche Hilfsmittel. - © Karin Prignitz
Mit ungewöhnlichen Mitteln: Peter Schwieger, Angelika Höger und Marcus Beuter (v. l.) machen sich in der Synagoge auf die Suche nach Klangquellen. Dabei nutzen sie Gitarrenverstärker, Mikrofone und unterschiedliche Hilfsmittel. | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Ungewöhnliches Kunstprojekt: Die Synagoge wird zum Hörort

Mit einem ungewöhnlichen Projekt macht das Trio "Geplante Obsoleszenz" am 17. November überhörte Klänge durch Verstärkung hörbar

Karin Prignitz

Oerlinghausen. Im Raum der ehemaligen Synagoge an der Tönsbergstraße ist es still. Jedenfalls scheinbar. Denn wer ganz genau hinhört, der wird hier und dort leise Geräusche wahrnehmen. Das Summen der Lampe, das Rauschen der Heizung, ein metallenes Klingen unter den Rosten, das ein wenig nach Vogelkäfig klingt. Der Oerlinghauser Marcus Beuter, die Bielefelderin Angelika Höger und Peter Schwieger aus Halle wollen diese ansonsten kaum wahrgenommenen Klänge hörbar machen. Mit einer ungewöhnlichen Performance. Wie die aussieht, das können Besucher am Donnerstag, 17. November, ab 18.30 Uhr in der Synagoge erleben. "Geplante Obsoleszenz", so nennen sich die drei Klangkünstler. Seit sechs Jahren arbeiten sie zusammen und beschäftigen sich mit elektroakustischen Klangprojekten. Alle drei haben unterschiedliche künstlerische Herangehensweisen. "Schwellenbereiche" ist das gemeinsame Projekt überschrieben, mit dem das Trio bereits bei den Kunstvereinen Bad Driburg und Kreis Gütersloh sowie in der Städtischen Galerie "Eichenmüllerhaus" in Lemgo raumbezogen gewirkt haben. Auch dort sind Marcus Beuter, Angelika Höger und Peter Schwieger auf eine akustische Entdeckungsreise gegangen. Dabei haben sie Fensterscheiben, Treppenstufen, Holzdielen oder Garderobenständer verkabelt. Mit Hilfe von Kontaktmikrofonen haben sie den unterschiedlichen Materialien spezifische Resonanzen entlockt. Das soll nun auch in Oerlinghausen geschehen. "Die Kontaktmikrofone funktionieren ähnlich wie eine Plattenspielernadel, die die Oberfläche abtastet", erläutert Peter Schwieger die technischen Abläufe. All die gefundenen Geräusche werden verstärkt und in eine Art Choreographie eingebunden. Marcus Beuter weist auf einen anderen wichtigen Effekt hin: "Dadurch, dass wir es hörbar machen, machen wir es auch sichtbar." Denn häufig nehmen Besucher Dinge, die selbstverständlich da sind, gar nicht mehr wahr. "Geplante Obsoleszenz" möchte sensibilisieren. Mit einem Gitarrenverstärker, Stangen mit umwickeltem Kupferdraht, aber auch Hilfsmitteln wie Bürsten oder einem Geigenbogen werden Töne ausgereizt. Das Trio seziert, wiederholt und arbeitet mit Effekten. Das Publikum wird als Beobachter dieses spannenden Experimentes dabeisein und visuelle Eindrücke mit dem ungewöhnlichen Hörerlebnis verknüpfen können. "Wir wollen das Sehen mit dem Hören verbinden", sagt Angelika Höger. Das Trio setzt auf die direkte Wirkung. Um Überhörtes hörbar zu machen. Die Performance wird zwischen 45 und 60 Minuten dauern. Das Projekt "Schwellenbereiche" wird am 24. November mit einer weiteren raumbezogenen Performance beim Bielefelder Kunstverein enden.

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