Im Mittelpunkt: Peter Orloff führt die Bergstädter durch das Programm und zeigt bei Solovorträgen, zu denen er zum Publikum kommt, dass er eine hervorragende Baritonstimme hat. - © Sibylle Kemna
Im Mittelpunkt: Peter Orloff führt die Bergstädter durch das Programm und zeigt bei Solovorträgen, zu denen er zum Publikum kommt, dass er eine hervorragende Baritonstimme hat. | © Sibylle Kemna

Oerlinghausen Schwarzmeer-Kosaken verzücken das Publikum

Der Dank vieler Besucher gilt den ehrenamtlichen Mitarbeitern des Vereins "Musik für gute Zwecke"

Sibylle Kemna

Oerlinghausen. "Gewaltig, mystisch, geheimnisvoll" - so präsentieren sich die Schwarzmeer-Kosaken unter Peter Orloff am Samstag in der Aula des Schulzentrums Oerlinghausen. Großen Beifall erntet der Chor für seine gesanglichen Darbietungen mit einmaligen Solostimmen, die sich zum Teil auf höchsten Klangwellen bewegen. Für Aufsehen sorgt bereits der erste Liedbeitrag: Ein singender Sopran. Countertenor Igor Ishchak erstaunt die mehr als 400 Zuhörer mit seiner hohen Stimme und dem weichen Timbre beim Auszug aus der Oper "Fürst Igor". Der studierte Opernsänger und mit seinen 40 Jahren derzeit der jüngste Sänger im Schwarzmeer-Kosaken-Chor ist mit seiner in kunstvoller Technik erzeugten Stimme eine Ausnahmeerscheinung. "Diese Stimme ist engelsgleich, phantastisch", schwärmt die Oerlinghauserin Karin Koch. "Ihn hier erleben zu können ist wunderbar. Als ich das hörte, dachte ich gleich: Diese Karte muss ich haben." Die zehn Sänger und das Trio "Sabawa" mit Bajan-Akkordeon, Domra-Laute und Bass-Balaleika ziehen die Zuhörer von Beginn an in ihren Bann. Perfekt ist nicht nur die Musik, sondern auch die Inszenierung. Es wechseln Tutti und Soli ab, A-Capella-Gesang, vom Trio begleitete Lieder und Instrumentaltitel. Tief empfundene Frömmigkeit aus der heiligen russischen Liturgie Mehr als zwei Stunden entführen die Schwarzmeer-Kosaken ihr Publikum in die mystische Welt des alten Russland mit Geschichten, Balladen und Legenden, gepaart mit klangvollen Werken tief empfundener Frömmigkeit aus der heiligen russischen Liturgie. Der vielfach ausgezeichnete Chor bietet ein Höchstmaß an Brillanz, Präzision und künstlerischer Qualität und einen Parforceritt durch sein mit Bravourleistungen gespicktes Repertoire. Peter Orloff steht als Moderator und mit seinem geschmeidigen Bariton und der russisch empfundenen Theatralik im Mittelpunkt, stellt aber auch die anderen Ausnahmesänger immer wieder heraus. Er verweist darauf, dass hier Russen und Ukrainer in schönster Eintracht auf der Bühne miteinander agieren. Und auf seine Vertrautheit mit Oerlinghausen, das er schon seit seiner Kindheit kennt und wo er "besonders gerne auftritt". "Leise flehen meine Lieder" von Franz Schubert, "Nessun dorma" aus der Oper "Turandot" von Puccini, Verdis "Gefangenenchor" aus "Nabucco" - das sind Lieder, die Gänsehaut erzeugen, werden sie doch interpretiert mit aller Inbrunst und Hingabe, die man der russischen Seele zuordnet. Dann wieder mitreißende Paradestücke, die zum Klatschen einladen und das Publikum aus seiner Verzückung holen. Episode am Rande: Tenor Vladimir Kuzmenko, holte die Oerlinghauserin Christine Gaebel aus dem Publikum auf die Bühne und singt sie dort schmachtet an. Sie sind alle Stars und doch eine Einheit, berühren mit überwältigender Ausdruckskraft, tiefer Melancholie und herausragendem Temperament. Ruhm und Größe vergangener Tage erstrahlten musikalisch im neuen Glanz. Eben "gewaltig, mystisch, geheimnisvoll", eine Mischung, die überzeugt und zum Ende mit dem Applaus des begeisterten Publikums belohnt wird.

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