Von oben: An Bord eines Segelfliegers lässt sich das Gelände des Segelflugplatzes Oerlinghausen. - © Patrick Herrmann
Von oben: An Bord eines Segelfliegers lässt sich das Gelände des Segelflugplatzes Oerlinghausen. | © Patrick Herrmann

Oerlinghausen Tausende Besucher beim Flugplatzfest in Oerlinghausen

Wechselndes Wetter macht Darstellern zu schaffen. Ballonglühen wurde abgesagt

Patrick Herrmann

Oerlinghausen. Die mächtige Antonov An-T2 wendet über der Kreuzkrug-Kreuzung im Kreisdreieck Lippe, Gütersloh und Bielefeld. Ein etwa achtjähriger Junge richtet die Augen gen Himmel und zeigt den Koloss seinem Vater. 15 Minuten später schwebt die Antonov gemächlich über Oerlinghausen und den Kamm des Teutoburger Waldes ein. Digitalkameras werden gezückt, ein Erinnerungsvideo mit dem Handy - die Antonov ist alle Jahre wieder ein Star des Flugplatzfestes in Oerlinghausen. "Das Flugplatzfest ist eher Tradition", erklärt der neue Geschäftsführer des Flugplatzes, Rolf Tiemeyer. Er ist seit Juli vergangenen Jahres im Amt. Sein erstes Flugplatzfest in dieser Funktion ist sehr nass. Immer wieder ziehen Regenschauer über den nach eigenen Angaben größten Segelflugplatz Europas. "Die Luftmasse als solche ist eigentlich nicht schlecht", erklärt Gerd Welland. Er ist passionierter Segelflieger. "Die beste Luft zum Segelfliegen ist Kaltluft", aber dieses Wochenende sei es einfach "zu feucht". Das haben auch die Fallschirmspringer aus Bad Lippspringe erfahren. "Gefährlich ist das nicht, aber unangenehm", sagt Jürgen Kley nach seinem zweiten Sprung am Sonntag. Die Antonov brachte zehn Springer auf etwa 1.000 Meter Höhe. Dort war es "hagelig, windig", sagt Kim Brakensiek, die zum ersten Mal in Oerlinghausen gesprungen ist. Oben fühlt sich der Regen "wie Peeling" an. 150 bis 200 Meter im freien Fall legen die Springer zurück, bevor der Schirm sie sachte auf den Boden trägt. Es war kein leichter Sprung, denn auch der Wind war nicht optimal. "Ab 20, 22 Knoten müssen wir schon aufpassen", erklärt Heiko Lehmann. Das sind etwa 40 Kilometer pro Stunde. Aufpassen war bei den Modellfliegern ebenfalls angesagt. Zeitweise waren alle Modelle wegen des Wetters mit Planen bedeckt. Modellpilot Friedhelm Graulich ist ein erfahrener Flieger. Bei den solchen Bedingungen wie am Pfingstwochenende lässt er nur seine F-18 "Super Hornet" aufsteigen. Das ganz aus Holz gebaute Modell wird von einer Turbine angetrieben, die "22 bis 23 Kilogramm Schub" hat. Damit wehrt sich Graulich gegen den Wind. Wehren konnten sich die Ballonpiloten gegen die widrigen Bedingungen nicht. Sie mussten nach Rücksprache mit Rolf Tiemeyer und weiteren Verantwortlichen das Ballonglühen am Sonntag absagen. Dafür wurde das Höhenfeuer um 75 Minuten vorgezogen. Außerdem sorgte Daniel Hesse vom "Night Magic Team" mit seinem Modellhelikopter dafür, dass dieser Ausfall nicht so schwer fiel. Der beleuchtete Heli flog bei Dunkelheit waghalsige Salti knapp über dem Boden. Die Rotorblätter setzten lichtmalerisch mit ihren vielen kleinen Lämpchen die Wappen bekannter Superhelden in den Nachthimmel - Batman zum Beispiel. Am Montag ging die Fliegerei im Rahmen der Möglichkeiten fröhlich weiter. Am Boden fuhren derweil Oldtimer des Bielefelder Automobil-Oldtimer-Clubs ihre Zeitfahrprüfung. Alte Fords, Sterne aus Stuttgart und Alpha Romeos aus Italien fuhren ihre 100 Meter dort, wo sonst die Flugzeuge starten und landen. Zwar waren es in diesem Jahr etwas weniger Besucher als in den vergangenen Jahren, aber diese waren nicht weniger begeistert. Naomi ist mit Papa Peter Klamp da. Geflogen ist die Sechsjährige noch nie. Sie möchte aber gerne mal. Womit - "Papa darf das entscheiden". Der findet das Flugplatzfest auch super. "Das bereichert den Horizont", sagt er. "So was sieht man nicht jeden Tag". Manuela Senol ist zum ersten Mal auf dem Flugplatzfest. Ihr gefällt es "sehr gut hier". Mit der ganzen Familie verbringt die Bielefelderin ihren Pfingstsonntag zwischen Tragflächen und Luftshows.

realisiert durch evolver group