Neue Technik: Rolf Tiemeyer oben auf dem Tower. Dort kann jetzt mit zwei neuen Funkgeräten gearbeitet werden, die den europaweiten Richtlinien entsprechen. Mit Hilfe eines neuen Peilers, eines Signals, können Flieger im Bedarfsfall ablesen, wo sie sich befinden. - © Karin Prignitz
Neue Technik: Rolf Tiemeyer oben auf dem Tower. Dort kann jetzt mit zwei neuen Funkgeräten gearbeitet werden, die den europaweiten Richtlinien entsprechen. Mit Hilfe eines neuen Peilers, eines Signals, können Flieger im Bedarfsfall ablesen, wo sie sich befinden. | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Auch im Winter wird geflogen

Segelflugplatz: Die in diesem Jahr bisher gar nicht so kühle Jahreszeit wird vor allem für die Wartung der Flugzeuge und für Fortbildungen genutzt. Schon jetzt laufen die Vorbereitungen für das Flugplatzfest zu Pfingsten

Karin Prignitz

Oerlinghausen. Von den dicken Schneeflocken, die große Teile der Bergstadt am Donnerstag vorübergehend in eine gepuderte Winterlandschaft verwandelt haben, ist nur noch in den höchsten Lagen der Stadt etwas zu erahnen. „Schade" findet das Rolf Tiemeyer. Der neue Geschäftsführer der Flugplatzgemeinschaft Oerlinghausen (FGOe) hatte sich schon auf den Anblick eines weißen Flugfeldes gefreut. Wie bereits der vergangene Winter, so glänzt aber auch dieser bisher mit überwiegend angenehmen Temperaturen. Wenn Rolf Tiemeyer vom Tower aus auf den Segelflugplatz schaut, dann sieht er Grün und nicht Weiß. „Das ist schon ungewöhnlich." Eben weil sich das Wetter von seiner milden Seite gezeigt hat, ist der Flugverkehr bisher nicht komplett zum Erliegen gekommen. Gefreut hat das im Dezember vor allem den Segelflug-Nachwuchs. Die Jugendlichen wählen traditionsgemäß den längsten und den kürzesten Tag des Jahres zum „Longest und Shortest Day Flying". Die Sonne schien, sie konnten in die Luft gehen. Hobbyflieger anderer Vereine aus ganz Nordrhein-Westfalen nutzten das Wetter für Schulflüge. „Sie trainieren bei uns auf dem Platz das Starten und Landen", erzählt Rolf Tiemeyer. Im hochfrequentierten Sommer sei das kaum möglich, „da haben die Segelflieger absolute Priorität". Zu dieser Zeit ohnehin, aber auch jetzt nutzten die Gäste ihren Abstecher gerne für einen Kaffee im Flugplatz-Restaurant „Check In". Da sitzen 14-Jährige neben 54-Jährigen und pauken Theorie Die Wintermonate werden – bei jedem Wetter – von den zwölf Vereinen am Luftsportzentrum mit insgesamt rund 900 Mitgliedern (der Segelflugverein Oerlinghausen ist mit rund 250 Mitgliedern der größte) insbesondere für Fortbildungen und Seminare genutzt. „Der Schulungsraum ist regelmäßig voll", sagt Tiemeyer und berichtet von der Faszination Fliegen, die sowohl junge als auch ältere Menschen packt. „Da sitzen 14-Jährige neben 54-Jährigen, um die Theorie zu pauken." Wetterkunde, Luftrecht, Technik, „wichtig ist auch das Verhalten in besonderen Fällen". So lernen die Teilnehmer, wie sie bei einer möglichen Annäherung in der Luft reagieren sollten oder wenn das Funkgerät ausfällt. „Am Ende des Flugfeldes befinden sich Signalfelder. Taktische Zeichen, die darauf zu erkennen sind, zeigen beispielsweise auf, in welcher Richtung gelandet werden muss. Ganz oben auf der Winter-Agenda der Segelflieger steht außerdem die Wartung der Flugzeuge. Die Modellflugabteilung bereitet sich indes bereits auf ihren Modellflugtag am Samstag, 12. März, vor. Mit ihm wird zugleich die Flugsaison auf dem Oerlinghauser Segelflugplatz eröffnet. Rolf Tiemeyer und sein Team stecken bereits mitten in den Planungen für einen weiteren Höhepunkt. Das Pfingstfest mit attraktivem Programm findet in der Zeit vom 14. bis zum 16. Mai statt und wird wieder unzählige Flugfreunde aus der Umgebung und der Ferne in die Bergstadt locken. Etwa 25.000 Starts und Landungen hatte es in der vergangenen Saison auf dem Segelflugplatz gegeben, berichtete Rolf Tiemeyer von ähnlichen Zahlen wie im Jahr zuvor. Zwei neue Funkgeräte, sogenannte Bodenfunkstellen, die den neuesten europäischen Richtlinien entsprechen, und ein neuer Peiler sind in jüngster Zeit angeschafft worden. Im Laufe des Jahres soll auf dem Parkplatz eine Informationstafel aufgestellt werden, die auf das Naturschutzgroßprojekt und die Rundwanderwege hinweist. „Wir verfolgen ein Stück weit gemeinsame Interessen", sagt Rolf Tiemeyer. So komme es den Fliegern durchaus zugute, dass ein Stück Wald an der Nordseite gerodet worden sei, um dort Heideflächen entstehen zu lassen. „So kann trotz Gegenwind stressfreier gelandet werden." Auch eine Schautafel für die Vereine soll es geben. Die Flugplatzgemeinschaft hat mit Blick auf den für Fußgänger und Radfahrer unzumutbaren Zustand der Robert-Kronfeld-Straße außerdem das Gespräch mit der Stadt gesucht. „Man hat uns signalisiert, dass das Problem bekannt ist."

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