The Rattles: Die Besucher sind völlig aus dem Häuschen und recken die Arme in die Höhe. Vor allem der Auftritt der "Rattles" begeistert rundum. Hier rockt Sänger und Gitarrist Eggert Johannsen im bunten Lichtschein auf der Bühne der Aula. - © Karin Prignitz
The Rattles: Die Besucher sind völlig aus dem Häuschen und recken die Arme in die Höhe. Vor allem der Auftritt der "Rattles" begeistert rundum. Hier rockt Sänger und Gitarrist Eggert Johannsen im bunten Lichtschein auf der Bühne der Aula. | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Oerlinghausen rockt gegen Krebs

Bei der zehnten Ausgabe der Oldienacht verwandeln Smokie, Mike Penders Searchers, The Rattles und Christian Anders die Aula in einen Hexenkessel

Karin Prignitz

Oerlinghausen. Zehn Jahre Rock gegen Krebs. "Zum ersten Mal mit Regen. Ich muss gestehen", sagte Klaus Büker, "auch meine Augen sind nicht mehr trocken". Denn die Bilanz kann sich sehen und hören lassen. Großartige Bands, mitreißende Musik und mehr als 120.000 Euro an Spenden für die Deutsche Krebshilfe. Dafür, meint Büker, "haben wir eigentlich einen Oscar verdient, denn das ist natürlich großes Kino". Großes Kino ist auch das, was sich auf der mit bunten Lichtstrahlen erleuchteten Bühne abspielt. "Jetzt kommt ein Mann, der Liebeslieder singen kann, wie kein anderer", kündigt Klaus Büker Christian Anders an. "Liebe Männer, nehmt Eure Frauen ganz fest in den Arm oder sucht Euch eine, es sind ja genug da." Da lassen sich die Herren nicht lange bitten. Den langen Pferdeschwanz hat Anders noch, drahtig und jugendlich wirkt er, zunächst aber auch zurückhaltend, später dann hüpft er auch mal über die Bühne. "Ich habe 1969 angefangen", so lenkt der einstige Star der kultigen ZDF-Hitparade den Blick zurück, "da waren die meisten von Ihnen noch gar nicht geboren- so sehen Sie jedenfalls aus." Der 70-jhrige Österreicher gibt sich charmant und lässt seine Fans mit "Es fährt ein Zug nach Nirgendwo" in Erinnerungen schwelgen. "Er hat nicht gerade die Bude gerockt, aber jeder soll seine Chance haben", meint Besucher Ralf Buschkamp. Umso begeisterter sind die 1.200 Besucher, von denen die ersten bereits um 16.45 Uhr im Regen warteten und deren Schlange sich um 18 Uhr S-förmig bis zum Schulparkplatz hinunterzog, von denen, die folgen. Klaus Büker kündigt "die erste echte Rock- und Beatband des Abends", die Mike Penders Searchers an, die alle die großen Hits der Searchers im Gepäck hatten. Autogramm- und Musikliebhaber Paul Ibold ist eigens aus Moers angereist, um die Altrocker zu hören. "Die spielen meistens in England, sind nur ganz selten in Deutschland", sagt Ibold. Klaus Büker hat es geschafft, sie zum Jubiläum von "Rock gegen Krebs" herzulocken. "Ist jemand aus den Sixties hier mit derselben Haarfarbe wie ich?", scherzt Pender und erinnert an den ersten Auftritt in Deutschland, im Hamburger "Starclub". In Oerlinghausen stimmt die Band die Klassiker wie "Sweets for my Sweat, Sugar for my Honey" oder "Needles and Pins" an, und die Arme der Zuhörer gehen nach oben. Vollends aus dem Häuschen ist das Auditorium beim Auftritt der "Rattles". "Sie haben mich schon 2005 unterstützt", sagt Klaus Büker, den die Band am Ende auf die Bühne bittet. Gemeinsam mit Eggert Johannsen singt er das getragene "It?s all over now, Baby blue". Begeisterungsstürme ernten auch die anderen Songs. Vor allem die der neue CD, auf der alle Größen, die Einfluss auf die Band hatten, musikalisch geehrt werden. Tom Jones und "Delila" oder Tony Sheridans "Bring back my Bonny to me" sind nur zwei von ihnen. Der Schweiß perlt, der Saal kocht und ist nach kurzer Pause noch nicht wieder abgekühlt, als Klaus Büker den Hauptact ankündigt: "Sie Weltklasseband Smokie". Direkt aus Israel seien sie eingeflogen, erzählt Gerd Ladugga. "Wir haben sie vom Flugplatz Hannover abgeholt." Zwar ist Chris Norman schon seit 1986 nicht mehr dabei. Mit Bassist Terry Uttley aber steht im leuchtend blauen Hemd noch einer der alten Garde im Rampenlicht. Unschwer zu erkennen an den langen weißen Haaren. Fans, die sich in großer Masse vor der Bühne drängen, singen, klatschen und tanzen. Auf die ganz großen Ohrwürmer müssen sie allerdings ein wenig warten, und so schafft Smokie es nicht, sein Publikum von Beginn an gefangen zu nehmen. Viele Besucher sind sich am Ende einig: "Vor allem die Rattles und die Seachers haben es gerockt." Diese gute Stimmung nehmen viele mit hinein in die After-Show-Party, bei der DJ Svenny noch einmal aufdreht. Mehr als 70 Helfer waren bei der Großveranstaltung im Einsatz. Die "Thekentaucher" der Schützen und die Handballer übernahmen die Getränkeausgabe, die Frauen der Thekentaucher standen am Verzehrstand. Franz Kohlhuber von der Deutschen Krebshilfe hatte bereits zu Beginn der Veranstaltung den Einsatz und das Konzept gelobt: "Eine faszinierende Idee, rockige Musik und Spenden sammeln im Sinne der Krebspatienten." Das sei einmalig. Bürgermeister und Schirmherr Dirk Becker bat schon vor dem ersten Ton um heftigen Applaus, denn "was hier gemacht wird, geschieht alles ehrenamtlich". Sein besonderer Dank ging an "Hase" Büker als Motor des Riesen-Events.

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